Weniger Pestizide - Mehr Artenvielfalt

Pestizide werden in der konventionellen Landwirtschaft nach wie vor regelmäßig eingesetzt. Darunter leidet jedoch die Biodiversität. Denn chemische Pflanzenschutzmittel sind laut Umweltbundesamt ein wesentlicher Grund für den Rückgang der Artenvielfalt in Agrarlandschaften.

In Deutschland wurden 2021 laut dem Statistik-Portal Statista pro Hektar Ackerland im Durchschnitt 4,1 Kilogramm an chemischem Pflanzenschutz versprüht. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde zufolge brauchen Landwirt:innen zwar finanzierbaren Methoden wie diese zum Schutz vor Ernteausfällen. „Es gibt allerdings immer mehr effektive Alternativen, die mit weniger chemischen Pflanzenschutzmitteln auskommen“, so Bonde. Die Bereitschaft zu einer Anpassung sei bei wirtschaftlichen Lösungen da. Einige dieser Optionen haben elf Projektpartner in der kürzlich abgeschlossenen DBU-Förderinitiative Pestizidvermeidung mit rund drei Millionen Euro Fördergeld erarbeitet. Das Öko-Institut hat die Ergebnisse anhand von Nachhaltigkeitskriterien beurteilt. Fazit: Alle Projekte tragen zur Minderung von Pestiziden bei. Auch bei den bekannten möglichen Hürden Finanzierbarkeit, Ressourcenverbrauch und Arbeitsaufwand zahlt sich der Verzicht auf Pestizide aus.

Blühwiesen statt Pestizide

Die Staatsschule für Gartenbau Stuttgart-Hohenheim (SFG) beispielsweise hat eine Rollwiese für Nützlinge entwickelt. Dabei wird eine vorgefertigte Matte aus Hanffasern und Schafwolle mit einer Auflage aus Substrat und einer Saatgutmischung auf einem kleinen Teil der Ackerfläche (etwa 25 Quadratmeter pro Hektar) ausgerollt – ähnlich eines Rollrasens. Auf diese Weise entstehen dort Blühstreifen. Der Clou laut Albus, Mitarbeiter des Ökoinstituts: „Die Gräser- und Blumenmischung ist so zusammengestellt, dass sie gezielt Nützlinge fördert, die die Schädlinge der Nutzpflanzen regulieren.“ Dadurch ließ sich in Versuchen der SFG im Kopfsalat-Anbau die Menge ausgebrachter Insektizide um bis zu zwei Drittel reduzieren. „Auch der Mehraufwand an Arbeit und Ressourcen ist gering, da gleichzeitig Zeit, Betriebsmittel und Arbeitsgänge durch die Reduzierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes gespart werden“, so Albus. Außerdem steige die Artenvielfalt auf der Fläche.

Heißes Wasser gegen Unkraut-Wachstum

Eine andere Idee verfolgt das Kasseler Startup Tiefgrün precision weeding. Sie verwenden heißes Wasser. „Mittels Kamera und künstlicher Intelligenz (KI) wird heißes Wasser direkt auf Beikräuter neben den Nutzpflanzen gesprüht. Dies verhindert das weitere Wachstum des Beikrauts, beeinträchtitgt jedoch nicht die Nutzpflanzen“, erklärt Albus. Bei Versuchen im Karottenanbau sei auf diese Weise erheblich weniger Unkraut auf den Feldern entstanden. Die Heißwasser-Lösung könne chemische oder mechanische Beikrautregulierung aktuell nicht vollständig ersetzen, aber in beiden Anbausystemen auf unterschiedliche Weise entlasten

Mulch vermindert den Pestizideinsatz

Das Technologie- und Förderzentrum in Straubing hat einen speziellen Mulch entwickelt. Die Mulchschicht besteht aus natürlichen Materialien. Sie ist gerade so dick, dass die Nutzpflanze hindurch wachsen kann, aber die Unkrautpflanzen nicht. Folglich werden weniger Pestizide eingesetzt und auch noch Kosten gespart.

Mulchmaterial Auf Dem Acker/ © Johannes Bodensteiner/TFZ

Häufig wird die Umsetzung von Umweltschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft erschwert, weil vermeintlich Hürden wie mehr Kosten, mehr Arbeit, mehr Wasserverbrauch und vieles andere mehr bestehen. Hier gilt es noch viele Informationsdefizite und Vorbehalte abzubauen und so die Landwirt:innen von nachhaltigen Lösungen zu überzeugen.

Also wir lieben Blühwiesen. Ihr auch?

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Autorin / Autor: Redaktion  / Pressemitteilung - Stand: 23. Juli 26