Die wilde Schatzsuche

Beitrag zum Schreibwettbewerb echt? jetzt! von Lina Reth, 12 Jahre

Die Sonne brannte vom Himmel und tauchte die sanften Hügel der Umgebung in ein goldenes Licht, als die vier Freunde Luca, Mina, Timo und Emma an diesem warmen Sommermittag um genau 14 Uhr ihre Fahrräder bestiegen. Ihre Mission klang so einfach: einen Schatz finden, den ihre Lehrerin, Frau Blau, irgendwo in der Nähe versteckt hatte. Hätten sie gewusst, was sie erwartete, hätten sie vielleicht einen Moment gezögert. Doch die Neugier und die Vorfreude auf das Abenteuer waren stärker.

Die Karte, die Frau Blau ihnen gegeben hatte, war voller geheimnisvoller Symbole und verwischter Tintenflecken. Doch jetzt, am Zielort, einem alten knorrigen Apfelbaum am Rande einer weitläufigen sonnenbeschienenen Wiese schien alles noch rätselhafter. Wo konnte der Schatz versteckt sein?

Luca, der Träumer der Gruppe mit den wilden Locken und den immer leicht staubigen Knien, überlegte angestrengt. Seine Stirn war vor Konzentration gerunzelt. Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. „Ich hab’s!“ rief er und seine Augen leuchteten auf. „Der Baum auf der Kuhweide – der passt genau zu dem Kreuz auf der Karte!“

Die anderen Kinder drängten sich um ihn und verglichen die Karte mit dem Baum. Und tatsächlich: Die Form des Baumes entsprach dem Kreuz auf dem vergilbten Papier. „Tatsächlich!“ jubelte Mina, die mit ihren kurzen Zöpfen und ihrem praktischen Rucksack immer die Organisatorin war. „Los, wir müssen uns beeilen!“

Sofort rannten sie los, kletterten über den wackeligen Zaun und stürmten über die weiche, grüne Wiese direkt auf den Baum zu. Hinter dem Baum entdeckten sie tatsächlich ein kleines Loch im Stamm, fast versteckt zwischen moosbewachsenen Wurzeln. Mit zitternden Händen gruben sie eine winzige, rostige Schatulle aus.

Gespannt öffneten sie das Kästchen und fanden vier glänzende Goldmünzen aus Schokolade – jede mit einem kleinen Stern geprägt – und einen Zettel. „Das habt ihr super gemacht!“ stand darauf in Frau Blaus vertrauter, verschnörkelter Schrift. Die Kinder strahlten vor Freude. Doch ihr Glück währte nicht lange.

Als sie sich gerade umdrehen wollten, um zu ihren Fahrrädern zurückzulaufen, erstarrten sie. Eine Herde großer, schwarzer Kühe hatte sich plötzlich vor ihnen versammelt. Ihre schweren Schritte ließen den Boden vibrieren, und ihre dunklen Augen musterten die Kinder neugierig. Timo und Luca wurden blass vor Angst. „Wir müssen hier weg!“ flüsterte Timo mit bebender Stimme und griff nach Emmas Hand.

Mina, die immer einen kühlen Kopf bewahrte und oft die Anführerin war, übernahm das Kommando. „Bei drei rennen wir!“ sagte sie entschlossen und fasste sich an die Hände mit den anderen. „Eins… zwei… drei!“ Mit einem Satz sprangen sie auf und rannten los, so schnell sie konnten. Die Kühe brüllten hinter ihnen, als sie an ihnen vorbeisausten und sich hinter den sicheren Zaun retteten.

Keuchend und lachend standen sie schließlich neben ihren Fahrrädern. „Das war knapp!“ keuchte Emma und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Aber wir haben es geschafft!“ fügte Luca hinzu und hielt die Schatulle stolz hoch. „Und wir sind noch alle heil!“, ergänzte Timo mit einem nervösen Lachen.

Mit einem Gefühl der Erleichterung und des Stolzes fuhren sie erschöpft, aber glücklich nach Hause. Die warme Abendsonne spiegelte sich in ihren glücklichen Gesichtern, und in ihren Gedanken hallte immer wieder der Satz nach: „Wir sind ein tolles Team.“ Und das fühlten sie wirklich.

Autorin / Autor: Lina Reth