Wir schauen immer nach oben
Studie zeigt, wie sich der Vergleich mit anderen auf das Glück und die Lebenszufriedenheit auswirkt
Kennt ihr das Gefühl, festzustecken oder vom Leben abgekoppelt zu sein. Die Psychologie benutzt dafür den Begriff „Languishing“, was so viel bedeutet wie Dahindümpeln oder emotionale Stagnation. Der Begriff wurde während der COVID-19-Pandemie populär, seitdem hat er in der Forschung an Bedeutung gewonnen.
Eine neue Studie von Forscher:innen der McGill University hat nun dieses Gefühl in Zusammenhang mit Vergleichsverhalten zu anderen Menschen untersucht und wollte herausfinden, wie sich der Vergleich mit anderen auf das Glück und die Lebenszufriedenheit auswirkt.
Eine Analyse von Daten von mehr als 200.000 Menschen aus 22 Ländern ergab, dass diejenigen, die sich ärmer fühlten als andere, bei den Messgrößen Glück, Gesundheit, Sinn und Zweck, Beziehungen sowie finanzielle Stabilität auf niedrigere Werte kamen. Diese Muster hielten auch ein Jahr später noch an, unabhängig vom Einkommen.
Um dies zu verstehen, stelle man sich zwei Menschen vor, die das gleiche Einkommen haben, so die Forscher:innen. Der eine ist von Kolleg:innen umgeben, die etwa genauso viel verdienen, und fühlt sich recht wohlhabend. Die andere ist von Kolleg:innen umgeben, die deutlich mehr verdienen, und hat das Gefühl, den Anschluss zu verlieren.
„Egal, wie viel man hat: Wenn man sich schlechter gestellt fühlt als die Menschen, mit denen man sich vergleicht, ist es weniger wahrscheinlich, dass man sich entfalten kann“, erklärt der Hauptautor Frank Elgar, Professor an der School of Population and Global Health der McGill-Universität. „Die ständigen Vergleiche nach oben können das Gefühl der Verwurzelung und Sinnhaftigkeit untergraben.“
Auswirkungen bei jungen Menschen am stärksten
Die negativen Auswirkungen waren bei jungen Menschen am stärksten, insbesondere bei jungen Frauen.
„Unsere Ergebnisse stehen im Zusammenhang mit der wachsenden Sorge, dass junge Menschen unter mehr Ängsten, schwächeren sozialen Bindungen und größerer Unsicherheit hinsichtlich der Zukunft leiden“, so Elgar. „Stagnation und Ungleichheit könnten einen Teil dieser Entwicklung erklären.“
Obwohl die Studie soziale Medien nicht direkt untersuchte, könnte es aber sein, dass durch die ständigen Vergleiche, die dort stattfinden, die psychologischen Zustände geschürt werden, so die Forscher:innen.
„Wir blicken immer die soziale Leiter hinauf. Was helfen kann, ist, das zu schätzen, was man hat, die Perspektive zu wechseln und sich in der Gemeinschaft zu engagieren“, so der Rat von Elgar.
Die Studie „Left out and languishing: A cross-national analysis of relative deprivation and human flourishing“ von Frank Elgar, Valerie Michelson, Nathan King und William Pickett wurde in der Fachzeitschrift „Social Science & Medicine“ veröffentlicht und von den Canadian Institutes of Health Research und dem Social Sciences and Humanities Research Council of Canada unterstützt.
Quelle
Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung