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Studie zur politischen Polarisierung zeigt, dass die eigene Gruppen-Perspektive wichtiger ist als Fakten

Ob Klimakrise, Kriege, schwindende Menschenrechte oder bröckelnde Demokratie - die Zeiten, in denen wir leben sind ziemlich herausfordernd und bräuchten dringend mehr konstruktive Diskussionen statt Polarisierung. Warum sich politische Lager immer mehr entzweien, wird häufig darauf zurückgeführt, dass es immer mehr Fake News, Echokammern oder einseitige Berichterstattung gibt. Doch eine neue experimentelle Studie der Frankfurt School of Finance & Management legt offen, dass bereits die bloße Erwähnung eines sozialen Konflikts - ohne neue Informationen zu geben - ausreicht, um die Uneinigkeit in der Gesellschaft deutlich zu verstärken.

In einer Umfrage mit fast 13.000 Menschen in den USA veränderten die Forschenden lediglich die Reihenfolge der Fragen: Eine Hälfte der Befragten wurden zuerst gebeten, über einen sozialen „Gegner“ nachzudenken, zum Beispiel Milliardäre, die Steuern hinterziehen, oder Unterstützer von White Pride, und danach erst ihre Meinung zu Fragen wie Einkommensungleichheit, Migration, Umverteilung oder Abtreibung kundzutun. Die zweite Hälfte der Befragten sollte zuerst ihre Einschätzungen zu diesen Fragen geben, und dann  über einen politischen Gegner nachdenken. Alleine durch diese Umkehr der Fragen verschoben sich die Überzeugungen laut der Studienleiter:innen deutlich und systematisch.

Die eigene Gruppen-Perspektive ist wichtiger als Fakten

Den Grund dafür sehen Professor Dr. Schwerter von der Frankfurt School, Professor Dr. Gennaioli und Professor Dr. Tabellini von der Bocconi University in sozialer Identität und erklären das Phänomen so: Wird ein Konflikt zwischen Gruppen hervorgehoben, beginnen Menschen, die Welt durch die Perspektive ihrer eigenen Gruppe wahrzunehmen, die oft von Stereotypen geprägt ist.

Dies habe konkrete Auswirkungen auf politische Strategien. Denn wenn es schon ausreicht, ein Reizthema nur zu benennen, um Überzeugungen zu polarisieren, ist es gar nicht nötig,  Fakten zu verzerren, um Wähler:innen zu spalten. Politiker:innen brauchen sich dann einfach nur zu entscheiden, welchen Konflikt sie in den Vordergrund rücken.

„Die Politik aktiviert Gruppenkonflikte regelmäßig allein durch Rhetorik. Wenn Donald Trump ‚Kommunisten, Marxisten, Faschisten und radikale linke Schläger als Bedrohung für Amerika benennt, präsentiert er keine Fakten, nichts Neues und keine politischen Vorschläge. Stattdessen wird das Publikum dazu eingeladen, darüber nachzudenken, wer es bedroht“, sagt Schwerter. „Die Konsequenz ist bemerkenswert: Um eine Gesellschaft zu polarisieren, braucht es keine Desinformation. Es reicht, einen Konflikt ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken.“

Das bedeutet, dass die oft genannten Standardrezepte gegen Polarisierung – Faktenchecks, ausgewogenere Mediennutzung und stärkere Medienkompetenz – unzureichend sein können. Wenn Identitäten angesprochen werden, finden Menschen Überzeugungen ihrer Gruppe wichtiger als themenspezifische Informationen. Ein gut platzierter Faktencheck könne dann sogar nach hinten losgehen, weil er als Meinung der Fremdgruppe wahrgenommen wird. Die Lösung sei, mehr Gemeinsamkeiten anzusprechen, etwa gemeinsame nationale Projekte, gruppenübergreifende soziale Bindungen oder externe Herausforderungen. Solche Maßnahmen könnten die Polarisierung wirksamer entschärfen, als die Menschen mit noch mehr Informationen zu überfordern.

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Autorin / Autor: Redaktion  / Pressemitteilung - Stand: 27. Mai 2026