Reich, reicher, so reich wie nie

Oxfam-Bericht zur sozialen Ungleichheit: Milliardärsvermögen erreichen historischen Rekordwert

Ist es ein "Fun Fact", dass Elon Musk, der reichste Mann der Welt, in vier Sekunden so viel Geld verdient wie ein Mensch im weltweiten Durchschnitt in einem Jahr? Wohl eher eine traurige Wahrheit und eine der Berechnungen im Bericht „Resisting the Rule of the Rich” (dt: Widerstand gegen die Herrschaft der Reichen), den die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam zu Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos veröffentlicht. In dem jährlich erscheinenden Bericht wird aufgezeigt, wie es um die Verteilung der Vermögen und die soziale Ungeichheit auf der Welt steht, und wie jedes Jahr kommen dabei wenig erfreuliche Nachrichten heraus.

Der Bericht zeigt:

  • Das Vermögen von Milliardär:innen weltweit ist 2025 um 2,5 Billionen US-Dollar gewachsen und hat einen neuen Höchstwert von 18,3 Billionen US-Dollar erreicht.
  • Dieser Anstieg in nur einem Jahr entspricht fast dem gesamten Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung (4,1 Milliarden Menschen).
  • Mit einem Wachstum von rund 16 Prozent hat das Vermögen der Milliardär:innen 2025 dreimal so schnell zugenommen wie in den fünf Jahren davor.
  • In vier Sekunden verdient Elon Musk, der reichste Mann der Welt, so viel wie ein Mensch im weltweiten Durchschnitt in einem Jahr.
  • Seit März 2020 hat das Gesamtvermögen von Milliardär:innen inflationsbereinigt um 81 Prozent oder 8,2 Billionen US-Dollar zugelegt.
  • Fast die Hälfte der Weltbevölkerung, rund 3,8 Milliarden Menschen, lebt in Armut, also von weniger als 8,30 US-Dollar pro Tag.
  • Die ärmere Hälfte der Bevölkerung besitzt nur 0,52 Prozent des weltweiten Vermögens, das reichste Prozent besitzt 43,8 Prozent.

Die Situation in Deutschland

Auch in Deutschland wächst der Superreichtum:

  • In Deutschland ist 2025 die Gesamtzahl der Milliardär:innen um ein Drittel auf 172 gestiegen. Deutschland hat die viertmeisten Milliardär:innen weltweit.
  • Ein:e deutsche:r Milliardär:in verdient in weniger als anderthalb Stunden das durchschnittliche Jahreseinkommen in Deutschland.
  • Das Gesamtvermögen aller deutschen Milliardär:innen stieg 2025 inflationsbereinigt um 30 Prozent auf 840,2 Milliarden US-Dollar.
  • Gleichzeitig lebt etwa ein Fünftel der Menschen in Deutschland in Armut.

Politische Macht von Superreichen gefährdet die Demokratie

Der neue Oxfam-Ungleichheitsbericht verdeutlicht auch, wie sich Superreiche mit ihrem unglaublichen Vermögen politische Macht sichern und die öffentliche Meinungsbildung beeinflussen, um die Regeln von Wirtschaft und Gesellschaft zu ihrem eigenen Vorteil zu gestalten. Superreiche stützen ihre politische Macht durch finanzielle Einflussnahme auf Politik, Eigentum und Kontrolle von Medien und direkten Zugang zu politischen Ämtern. Das gefährdet die Demokratie.

"Ära der Milliardär:innen"

Charlotte Becker, Vorständin von Oxfam Deutschland, warnt, wir befänden uns in einer Ära der Milliardär:innen und das sei für die Welt keine gute Nachricht: "Während sich Reichtum an der Spitze in noch nie dagewesenem Tempo konzentriert, kämpft fast die Hälfte der Menschheit ums Überleben. Allein im letzten Jahr haben Milliardär:innen 2,5 Billionen US-Dollar hinzugewonnen. Das ist so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung besitzt." Besonders besorgniserregend sei dabei, dass die Wirtschaftsmacht der Superreichen sich auch immer deutlicher in politischer Macht niederschlage und die Demokratie aushöhle. Das sehe man zum Beispiel an Trump, der mit seiner reichenfreundlichen Agenda die Ungleichheit immer weiter anfache, mit weltweiten Folgen.

Gift für die Demokratie - auch in Deutschland

Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland: „Immer mehr Milliardär:innen auf der einen Seite und sich verfestigende Armut auf der anderen Seite sind auch in Deutschland ein idealer Nährboden für antidemokratische Kräfte. Um die Demokratie zu schützen, muss die Bundesregierung endlich entschieden gegensteuern und eklatante Gerechtigkeitslücken schließen: Während Durchschnittsverdienende ordentlich Steuern und Abgaben zahlen, tragen Milliardär:innen oft zu wenig zum Gemeinwohl bei. Das ist Gift für die Demokratie.“

Oxfam fordert von der Bundesregierung, Superreiche mit einer Milliardärssteuer in die Pflicht zu nehmen. Sie müsse in soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz und Demokratiestärkung hier und weltweit investieren. Dafür müsse sie zum Beispiel die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit wieder erhöhen statt zu kürzen.

Quelle

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Autorin / Autor: Redaktion / Oxfam - Stand: 20. Januar 2026