Rapinoe

Autoren: Luca Caioli, Cyril Collot
Übersetzt von Annika Klapper

Die Biografie von Luca Caioli und Cyril Collot portraitiert Megan Rapinoe als Veränderungen bewirkende Ikone, die ihre Machtposition als Weltfußballerin, Weltmeisterin und Olympiasiegerin nutzt, um gegen Rassismus und Diskriminierung anzugehen. Schon der Klappentext liest sich wie eine Lobeshymne. Was er nicht direkt zeigt: wie sehr Megan für all dies kämpfen muss. In den ausführlichen Beschreibungen jeder ihrer Lebensstationen wird deutlich, was sie und auch ihre Familie und Partner an Stärke und Opfern bringen mussten. Eltern, die sie und ihre Schwester jede Woche mehrmals drei Stunden hin und drei Stunden zurück zum Fußballtraining und Spielen fuhren, damit sie auf hochklassigem Niveau spielen konnten, was in der eigenen Kleinstadt nicht möglich war. Mehrfacher Ausfall durch Verletzungen mit entsprechend langen Ausfallzeiten und Reha. Der Kampf um gleiche Löhne für Männer und Frauen im Amerikanischen Fußball, bei dem Megan in der ersten Reihe stand, der Kampf gegen die Politik und das Verhalten von Donald Trump. Eine Heimatstadt die sich spaltet: entweder für Rapinoe oder gegen Rapinoe.

Ihre Geschichte soll Mut machen, die Kapitel sind so formuliert, dass sie immer am Ende etwas geschafft oder etwas gelernt hat. Der grundlegende Ton zieht sich durch: eine starke Frau, die alle Hindernisse überwindet, der rote Faden üppig ausgestaltet durch große Mengen an Hintergrundinformationen zu den jeweiligen Orten, Personen und Ereignissen. Jede Menge erstklassige Recherchearbeit. Manchmal etwas trocken in den ausführlichen Beschreibungen der Fußballspiele. Es ist eine sehr solide hochwertige Biografie, die einen detaillierten Überblick über Megans Leben, Karriere und Erlebnisse bietet. Und doch denke ich beim Lesen immer wieder, wie viele Chancen in dieser Biografie verschenkt wurden, die Emotionen der Lesenden verstärkt anzusprechen, um sie für die wichtigen Themen in dieser Biografie zu sensibilisieren – Frauenrechte, Diskriminierung, Rassismus, Mental Load.

Insofern ein reines Sachbuch, wichtig hierbei ist auch den Verlag, in dem es veröffentlicht wurde, zu beachten: Die Werkstatt. Ein primär auf Publikationen zum Thema Fußball spezialisierter Nischenverlag, der laut Internet zwischen 1992 und 2006 ein Vorreiter in diesem Feld entwickelte, da er auch kritische Aspekte im Fußball wie Homosexualität und Rassismus anspricht. Aus meiner feministischen Perspektive von 2026 sage ich von einem Buch aus 2020 hätte ich da mehr erwartet, aber vielleicht ist die alteingesessene Fußballbranche mit ihren diversen Problemen da noch nicht soweit. Im Onlineshop des Verlages ist das Buch übrigens nicht mehr zu finden. Zwischen dutzenden Biografien männlicher Fußballer findet sich dort nur eine einzige Biografie einer weiblichen Fußballerin (Lena Oberdorf). Übrigens: Megan hat 2020 selbst in Kollaboration mit Emma Brockes ihre Biografie One Life - Gegen Diskriminierung und Rassismus. Mein Leben als Aktivistin und Fußballerin veröffentlicht. Fazit: eine solide Biografie, aber ich lese in Zukunft lieber von Megan was sie zu sagen hat, als was andere über sie sagen.

*Erschienen beim Verlag die Werkstatt *

Autorin / Autor: Lisa H. - Stand: 5. Oktober 2026