Wie entstehen Vorurteile?

"Hasst du was, dann bist du was"

Die Grundlage von Fremdenfeindlichkeit bilden häufig Vorurteile wie: "Die Ausländer nehmen uns Deutschen die Arbeitsplätze weg"; "Ausländer sind krimineller als Deutsche", "Polen sind Diebe", "Türken sind Machos" und im Takatukkaland ziehen sich alle an den Ohren. Gerade bei Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus spielen Vorurteile eine besondere Rolle, weil durch sie die Feinbilder definiert werden.
Mit Klischees lassen sich wunderbar Sündenböcke erfinden nach dem Prinzip: Andere sind an allem schuld, nur selber trägt man keine Verantwortung.

Wenig wissen, schlecht denken
Dabei haben Vorurteile einen schlichten Kern, der kompliziertere oder differenziertere Gedankengänge nicht zulässt. Das macht sie zu gefährlichen "Totschlagargumenten" - sie sind scheinbar logisch, wenn auch vollkommen verkürzt und einseitig dargestellte Behauptungen. "Wenig wissen - schlecht denken" oder "von anderen ohne ausreichende Begründung schlecht denken" ist eine durchaus treffende Kurzcharakteristik. Und egal, wie oft man den Vorurteilen Fakten oder Argumente entgegensetzt: sie halten sich hartnäckig. Man muss sie nur oft genug wiederholen, um sie schließlich zu glauben. Der Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich beschrieb Vorurteile als "stabil gewordene Wahrnehmungstäuschungen".

Unfreundliche Deutsche?
Vor kurzem ergab eine Umfrage unter 4000 PassantInnen in 19 europäischen Ländern, dass die Deutschen europaweit als unfreundlichstes Volk gelten - aber auch fleißig und besonders pünktlich sein sollen. Haltet ihr euch für unfreundlich oder besonders fleißig? Ich für meinen Teil bin auf jeden Fall eines nicht: besonders pünktlich. Bin ich keine "typische" Deutsche? Das Problem ist oft, dass gegen Vorurteile, sobald sie sich einmal in die Hirne der Menschen eingegraben haben, kaum was zu machen ist. Sie halten sich ewig, selbst wenn man persönlich ganz andere Erfahrungen gemacht hat. Ausnahmen bestätigen ja die Regel. Und: Irgendeinen unfreundlichen Deutschen oder kriminellen "Ausländer" gibt es bestimmt - und der bestätigt dann wieder die Regel. Selbst wenn unter 101 Deutschen 100 nett und nur einer unfreundlich ist. Oder einer von 100 "Ausländern" geklaut hat. Wenn ich eine Verabredung mit einer Französin habe und ich komme unpünktlich, sagt sie: "das ist aber ungewöhnlich für eine Deutsche..." Anstrengend, diese Klischees, oder?

Aufwertung durch Abwertung
Warum gibt es überhaupt Vorurteile? Darüber zerbrechen sich viele Menschen die Köpfe, PsychologInnen, WissenschaftlerInnen oder PädagogInnen. Wie so oft, gibt es auch hier keine einfache Antwort. Gründe, um an Vorurteilen festzuhalten, können sein:

- es macht die komplexe, schwierige Welt greifbar und teilt die Menschen in scheinbar überschaubare Schubladen ein

- es trägt zur Identifikation bei - man definiert sich selbst positiv, indem man sagt, dass andere schlecht sind. Frei nach dem Motto: "Hasst du was, dann bist du was."

- je schlechter man die eigene Situation empfindet, desto eher besteht die Gefahr, sich in Vorurteile zu verbeißen. Steigt zum Beispiel die Arbeitslosigkeit, heißt es schnell: "Ausländer raus!"

"Nix gegen Fremde - aber dieser Fremde ist nicht von hier"
Ein Phänomen hierbei ist, dass auch Minderheiten sich untereinander "bekriegen" - wo man doch meinen könnte, dass diese sich zusammen tun gegen die starke Mehrheit. Aber im Gegenteil: in Klassen mit verschiedenen Ausländeranteilen sind häufiger "die" Türken gegen "die" Italiener, "die" Italiener gegen "die" Russen. Anscheinend muss immer irgendwer am unteren Ende der sozialen Leiter stehen, auf den alle schimpfen können. So entsteht auf einmal eine Hackordnung. Oft sind es "Außenseiter", die es dann "trifft", also welche, die "anders" sind als die meisten. Und "anders" sind vor allem Menschen aus anderen Nationen und mit anderen Religionen... - das sind "Fremde", denen man wenigstens eins vorwerfen kann: sie sind nicht von hier. Warum tun sich nicht die Stupsnasen gegen die Langnasen zusammen? Anscheinend ist das zu kompliziert, einfachere Unterscheidungsmerkmale müssen her... Klassen oder andere Gruppen sollten solchen Strukturen unbedingt entgegensteuern!

Fremdenfeindlichkeit ohne Fremde

Seltsam ist aber auch, dass Rassismus in Deutschland dort stärker ausgeprägt ist, wo weniger MigrantInnen leben. So gibt es in den neuen Bundesländern häufiger fremdenfeindliche Einstellungen und laut Verfassungsschutzbericht auch mehr fremdenfeindliche Straftaten - bei durchschnittlich etwa 2% Ausländeranteil. In den anderen Bundesländern beträgt der durchschnittliche Anteil über 9 % (Quelle: Bundesamt für Statistik). Bei den Wahlen zum Europaparlament 2004 hat die NPD in Sachsen teilweise fast 20 Prozent der Stimmen bekommen. Vorurteile werden anscheinend häufiger einfach übernommen, quasi "vererbt" und haben manchmal überhaupt keinen realen Erfahrungshintergrund. Es gibt daher auch sogar - zum Beispiel - das Schlagwort vom "Antisemitismus ohne Juden" - das ist eine Umschreibung dafür, dass die TrägerInnen dieser Vorurteile in der Regel keinen einzige/n Juden/Jüdin kennen, aber an ihren "Urteilen" festhalten.

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Autorin / Autor: Astrid - Stand: 5. Juli 2004
 
 

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