Sind Kinder zu unreif zum Wählen?

Kein Durchblick?

Erklärte Gegner des Kinderwahlrechts behaupten, Minderjährige seien zu unreif und könnten politische Zusammenhänge nicht erfassen. Dagegen wenden die Wahl-Befürworter ein, dass häufig auch Erwachsenen die "politische Reife" fehle. "Warum dürfen gut informierte Minderjährige nicht wählen, während Erwachsene, die nicht einmal das Wahlsystem verstehen, als Wähler zugelassen sind?" Es sei undemokratisch und verfassungswidrig, "wenn Kindern das Wahlrecht mit Argumenten, die ihre Qualität und Qualifikation betreffen, vorenthalten wird", kritisiert K.R.Ä.T.Z.Ä.

"Durchblick" sei zwar wünschenswert, aber in einer Demokratie nicht entscheidend: Die Stimme eines Politik-Experten zähle bei der Wahl ja ebenso viel wie die eines uninformierten Politik-Muffels. Strittige Fragen würden demokratisch durch Abstimmungen entschieden, und dabei zähle letztlich nur die Mehrheit - nicht die Qualität - der Stimmen, so die Verfechter des Kinderwahlrechts.

*Sind Kinder beeinflussbar?*
Kinder sind einfach zu beeinflussen und somit ein leichtes Opfer links- oder rechtsextremistischer Kräfte, befürchten die Wahlrechts-Gegner. Demgegenüber gehen Befürworter davon aus, dass Kinder intuitiv begreifen, wenn man sie betrügt: "Sie sind durchaus in der Lage zu erkennen, welche Partei ihre Interessen am besten vertritt". Wahlkampf und Wahlwerbung seien der beste Beweis dafür, dass auch Erwachsene beeinflussbar sind. Familie, Freunde und Medien spielten sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen eine große Rolle bei der politischen Meinungsbildung.

*Sind Kinderparlamente und -beiräte nicht bessere Beteiligungsformen?*
"Nein", behauptet K.R.Ä.T.Z.Ä. "Selbst wenn Kinderparlamente echte Mitbestimmung und Einfluss auf die Politik böten", was die Initiative bezweifelt, wären sie nach ihrer Meinung keine Alternative. Laut Grundgesetz seien Kinder gleichberechtigt. Deshalb stehe ihnen auch das uneingeschränkte Wahlrecht zu. So sieht das auch ein 13-jähriger Gymnasiast aus Hamburg. Gegenüber der Zeitschrift "Eltern for Family" betont er: "Wir sind doch Bürger wie alle anderen auch. Ich glaube, ich spreche für alle, wenn ich sage, dass das Wahlrecht für Kinder und Jugendliche das einzig Richtige ist."

*Und wie geht's weiter?*
Trotz der Ablehnung ihrer Verfassungsklage im Oktober 2000 geben die "Kinderrächtszänker" nicht klein bei. Im März 2002 haben sie gemeinsam mit Schülervertretungen und anderen Jugendorganisationen die Kampagne www.ich-will-waehlen.de ins Leben gerufen. Bislang sind 2052 Unterschriften für ein "Wahlrecht unter 18" zusammengekommen. Im Oktober 2002 überreichte der Verein der Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer (B90/Die Grünen) eine Petition, die nun Thema in den Fraktionen des Bundestages sein wird. Was daraus wird? Wir sind gespannt...

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Dieser Artikel ist von Mitmischen.de, den Jugendforum des Deutschen Bundestages. Vielen Dank!!!

Autorin / Autor: Björn Bossmann, www.mitmischen.de - Stand: 15. April 2005