„Viele Freunde haben sich abgekapselt…“

Weil sie ein Kopftuch trägt, wird Deniz oftmals falsch angeguckt! Vor allem seit dem Terroranschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001

„Gerade weil ich ein Kopftuch trage, werde ich oftmals falsch angeguckt! Viele denken ich sei radikal oder gar terroristisch. Es ist zwar schwer nachvollziehbar, ob jemand ein Kopftuch aus eigener, gezwungener oder fanatischer Überzeugung trägt, aber solche Vorurteile können trotzdem sehr schmerzhaft sein.“ Alime ist 19 Jahre und macht dieses Jahr das Abitur in Mülheim. Nach dem 11. September hat sich für sie einiges geändert. Vorher kaum beachtet, steht sie heute bei jeder Diskussion mit islamischem Inhalt im Mittelpunkt.

Expertin in Sachen Islam?
„Man sieht mich dann immer als eine Botschafterin des Islams, die genauestens Bescheid weiß, über den Islam, die Politik in den arabischen Ländern und Terrorismus. Dabei habe ich nichts mit solchen Vereinigungen und deren Aktivitäten am Hut. Eigentlich bin ich doch nur eine junge Frau, die ohne Vorbehalte ihre Religion friedlich ausüben möchte.“

Medien berichten nur über Terrorismus
Hier in Deutschland kommt es alltäglich vor, dass ein/e gläubige/r Muslim/in mit diesem Klischee konfrontiert wird. Fernsehen, Zeitung und Radio berichten selten darüber, wie ganz normale Muslime – auch in Deutschland – leben, dafür aber täglich über den Irak, Afghanistan und Terrorismus. Da kann leicht der Eindruck entstehen, Islam und Terrorismus seien zwei seiten einer Medaille.

Viele denken, die Moschee predigt nur Hass und Terror
„Viele Freunde haben sich seit dem 11. September von mir abgekapselt. Früher hat die Religion keine große Rolle im Alltag gespielt, aber nun sind viele Menschen vorsichtiger, wenn sie erfahren, dass ich Moslem bin. Seit dem es dieses terroristische Feindbild gibt, muss ich mich immer öfter vor Freunden und Klassenkameraden rechtfertigen, warum ich so oft beten gehe. Sie denken, dass in der Moschee Hass und Terror gepredigt werden. Das ist natürlich absoluter Quatsch, aber die Leute lernen die Moschee halt nur durch die Medien kennen. Dass man unsere Moschee auch als Nicht-Moslem besuchen kann, wissen viele nicht, “ beschreibt Hakan, 17, der ein Mülheimer Gymnasium besucht.

Muslime sind doch nicht generell für Terroranschläge verantwortlich
„Manchmal werde ich echt wütend, wenn manche Menschen so feindlich urteilen. Die meisten Muslime können doch nichts dafür, dass es terroristische Anschläge gibt. Wir haben natürlich etwas dagegen. Und auch in meinem Umfeld kenne ich keinen der Gewalt befürwortet. Ganz im Gegenteil, wir versuchen aufzuklären und die Leute davon zu überzeugen, dass es 1. nicht richtig ist den „heiligen Krieg“ zu unterstützen und 2. jeden Nicht-Moslem von der Friedfertigkeit der Moslems zu überzeugen.“ In Alimes Schule wurde an einem Projekttag von den Schülern an Hand von Plakaten, Workshops, Theaterspielen und Gesprächsrunden versucht darzustellen, dass es keine Rolle spielt, woher man stammt und an wen oder was man glaubt.

Mädchen werden öfter auf den Islam angesprochen als Jungs
„Solche Aktionen helfen uns mehr Selbstbewusstsein gegenüber den bestehenden Vorurteilen aufzubauen. Mir sieht man es außerdem nicht wirklich an, dass ich ein gläubiger Moslem bin. Alime hat da mehr Schwierigkeiten“, erzählt Hakan, aber Alime winkt ab. „Mir macht es nichts mehr aus ein Kopftuch zu tragen. Mit der Zeit habe ich mich an die Blicke mancher Menschen gewöhnt. In der Schule war es ohnehin nur anfangs, dass wir in der Kritik standen. Dafür leben wir hier zu eng zusammen. In der Schule oder im Sportverein kennen uns die Jugendlichen schon ein Leben lang und wissen, dass wir normale Menschen sind, wie jeder andere auch!“ Beide lassen sich nicht wirklich beeindrucken und einschüchtern von Vorurteilen gegen ihre Religion. „Unsere engen Freunde nehmen uns wie wir sind. Ein Mensch der Vorurteile uns gegenüber hat, der würde sowieso niemals ein Freund von uns werden können!“

Ein Gastbeitrag von

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Autorin / Autor: Deniz Keskin/cafeterra - Stand: 31. Oktober 2005