Für Eishockey braucht man keine Beine

Zwei Sledge-Eishockey-Spielerinnen berichten über ihren Sport

Beim Sledge-Eishockey sind die SpielerInnen auf einkuvige Schlitten geschnallt und sausen in rasantem Tempo über das Eis. In Bremen trainiert die stärkste europäische Mannschaft: 14 Jungen und Mädchen im Alter zwischen acht und 21 Jahren, mit und ohne Behinderung. Damit eignet sich die neue Sportart als Integrationssport. Trainiert werden sie von dem ehemaligen Jockey Uwe Kampermann. Frauke und Svenja (beide 15) spielen begeistert Sledge-Eishockey. Sie sprachen mit Tina Groll über ihren Sport, ihre Behinderungen und warum man für ein gutes Eishockey-Spiel keine Beine braucht.

Was ist Sledge-Eishockey und wie wird es gespielt?
Das ist im Prinzip das gleiche wie Eishockey. Nur dass wir nicht auf Schlittschuhen spielen, sondern auf einem einkuvigen Schlitten. Das ist auch gar nicht so schwer. Ich habe in wenigen Wochen gelernt, wie man auf dem Schlitten fährt. Man braucht aber eine Menge Kraft, um voranzukommen, weil man sich vom Eis mit den Schlägern abstoßen muss.

Seit wann spielt ihr Sledge-Eishockey?
Svenja: Ich spiele schon seit mehreren Jahren. In Bremen gibt es den Sport seit 2000 und seit dem interessiere ich mich dafür.
Frauke: Ich spiele jetzt in der vierten Saison.

Habt ihr vorher schon Sport gemacht?
Frauke: Ich hab schon immer Behindertensport gemacht. Das ist wichtig, weil man dadurch seine Beweglichkeit verbessern kann und stärker und selbstbewusster wird.

Welche Behinderungen habt ihr?
Svenja: Ich habe Spina Bifida. Das wird auch „offener Rücken“ genannt. Ich wurde damit geboren. Ich kann nicht laufen und sitze im Rollstuhl.
Frauke: Ich habe eine sehr seltene Knochenkrankheit. Sie heißt Stüve-Wiedemann-Syndrom. Als ganz kleines Kind konnte ich sogar laufen, doch dann wurde es schlimmer. Mit vier Jahren bekam ich meinen ersten Rollstuhl.

Wie reagieren die Leute, wenn sie erfahren, dass ihr Eishockey spielt?
Svenja: Sie sind erstaunt und beeindruckt.
Frauke: Es gibt ja nicht viele Mädchen, die Eishockey spielen. Und wenn man dann noch im Rollstuhl sitzt, wundern sich viele, aber finden es toll.

Was schätzt ihr an eurem Sport?
Svenja: Dass er schnell und wild ist. Man kann auch mal hart sein, obwohl es beim Sledge-Eishockey nicht so blutig wie beim normalen Eishockey zugeht. Und dass wir eine gute Mannschaft haben. Hier spielen Jungen und Mädchen zusammen, Behinderte und Nicht-Behinderte. Aber wir spielen alle auf einer Ebene. Sledge-Eishockey macht sehr viel Spaß.
Frauke: Bei dieser Sportart geht es nicht darum, ob wir behindert sind. Die Fußgänger sitzen genauso wie die Querschnittsgelähmten auf dem Schlitten und müssen sehen, wie sie vorankommen. Ich mag, dass es schnell ist und Spaß macht.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft?
Svenja: Viele gute Spiele. Vielleicht will ich einmal in der Nationalmannschaft spielen.
Frauke: Bei den Paralympics zu gewinnen, das wäre toll. Im April wollen wir zum ersten Jugend-Wordcup nach Philadelphia in die USA fahren.
Svenja: Es wäre toll, wenn wir da gewinnen würden.

Autorin / Autor: Tina Groll; - Stand: 6. Februar 2007