Wackelkandidaten
Schlechtes Gleichgewicht, schlechte Noten?
Ein Mensch kann nur lernen, was er auch über seine Sinnesorgane wahrnimmt. Störungen auf der Ebene der Sinnesorgane (Auge, Ohr, Gleichgewicht) wirken sich dadurch ganz grundlegend auf den Lernprozess aus. "Der Gleichgewichtssinn ist dabei ein häufig unterschätzter Sinn", erklärt Prof. Dr. Eckhard Hoffmann von der Hochschule Aalen. Der Gleichgewichtssinn informiere den Mensch darüber, wo er sich im Raum befindet und wie er sich bewegt: "Erfolgreiches Lernen und der Gleichgewichtssinn hängen eng zusammen", weiß Hoffmann.
Neue Untersuchungen der Hochschule Aalen an über 3.000 hessischen Schülerinnen und Schülern der Klassen 1 bis 10 belegen, dass Jugendliche fundamentale Defizite bei Gleichgewichtstests aufweisen und, dass Schülerinnen und Schüler mit schlechtem Gleichgewicht über die gesamte Schullaufbahn schlechtere Noten in Mathematik und Deutsch, tendenziell auch in Sport haben. Der durchschnittliche Unterschied zu den Schülern mit gutem Gleichgewicht beträgt je nach Fach bis zu 0,7 Notenstufen.
Alle Schulformen betroffen
Betroffen sind Schülerinnen und Schülern aller Schulformen. Besonders ausgeprägt sind Gleichgewichtsdefizite bei Haupt- und Realschülern: Hier weist nur jeder vierte Schüler und jede dritte Schülerin die zu erwartende Gleichgewichtsleistung auf. Die Haupt- und Realschüler mit schlechtem Gleichgewicht zeigen signifikant schlechtere Schulleistungen. Aber auch in Gymnasien und Gesamtschulen zeigen nur rund 60 Prozent der Schüler und 70 Prozent der Schülerinnen angemessene Gleichgewichtsergebnisse. Gymnasiasten mit schlechtem Gleichgewicht weisen ebenfalls schlechtere Schulleistungen in Deutsch und Mathematik auf.
*Die gute Nachricht: Gleichgewicht kann man trainieren*
Prof. Dr. Eckhard Hoffmann zu den Konsequenzen aus der Studie: "Die schlechte Nachricht ist, dass viele Schüler ein schlechtes Gleichgewicht haben. Die gute Nachricht ist, dass das Gleichgewicht trainierbar ist. Wir haben ein spezielles Programm entwickelt, um das Gleichgewicht auf verschiedenen Ebenen zu trainieren."
Und wenn sich erweist, dass das funktioniert, müsst ihr künftig vielleicht nicht mehr zur Mathe-Nachhilfe, sondern auf den Schwebebalken und dann werden die Noten von ganz alleine besser ;-).
Autorin / Autor: Redaktion / idw - Stand: 28. Oktober 2008