Zugeben oder nicht?

Studie untersuchte, wie das Eingeständnis von Fehlern in Sozialen Netzwerken ankommt

Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Co. haben einen Raum geschaffen, in dem es einfach ist, seine Meinung zu äußern. Das kann einerseits einen offenen Dialog fördern, aber auch zahlreiche Meinungsverschiedenheiten zutage bringen. Was aber, wenn man sich geirrt hat oder falsche Informationen verbreitet hat? Wie kommt es an, wenn man den Fehler zugibt und sich dafür entschuldigt? Eine aktuelle Studie hat ergeben, dass - genau wie in persönlichen Beziehungen - das Eingestehen von Fehlern auch online einen besseren Eindruck hinterlässt.

"Die Bereitschaft, Fehler einzugestehen, ist positiv verknüpft mit Verträglichkeit, Offenheit für Erfahrungen, Ehrlichkeit und emotionaler Intelligenz", berichtet Adam Fetterman, Assistenzprofessor für Psychologie und Leiter des Labors für Persönlichkeit, Emotionen und soziale Kognition an der University of Houston.

Das Experiment
In vier Experimenten lasen die Teilnehmenden einen inszenierten Streit zwischen zwei Nutzer_innen auf einer Facebook-Pinnwand. Der Streit drehte sich um einen erfundenen Lebensmittelzusatzstoff und spiegelte gängige Themen des Diskurses über gesunde Lebensmittel in Onlinenetzwerken zum Zeitpunkt der Studie wider, um einen realen Bezug herzustellen. 

Der letzte Beitrag von Person A enthielt nun zwei verschiedene Varianten. In der ersten Test-Situation beendete A das Gespräch mit den Worten: "... ich schätze, ich liege falsch und du hast recht. Danke, dass du diese Links gepostet hast, und danke für das Gespräch!" In der zweiten Situation beendete A die Unterhaltung mit den Worten: "... ich glaube immer noch, dass ich Recht habe und du Unrecht. Danke für das Posten dieser Links und danke für das Gespräch!" 

Wie reagierten die anderen?
Tatsächlich schätzten die Leser_innen denjenigen, der sein Unrecht zugab in Bezug auf Gemeinschaft und Kompetenz höher ein als den, der nicht zugegeben hatte, dass er sich geirrt hat, so Fetterman. Darüber stellte das Forschungsteam fest, dass die Versuchspersonen auch mehr Interesse zeigten, sich mit der Person weiter zu unterhalten, die ihren Fehler zugegeben hatte.

Menschen hätten ein angeborenes Bedürfnis, Beziehungen zu knüpfen und aufrechtzuerhalten, aber der Aufbau von Beziehungen im Internet sei schwierig, weil man Informationen über den oder die Andere_n nur auf der Grundlage von Text- und Bildinformationen bekomme, die sie selbst veröffentlichen. "Menschen neigen dazu, vor allem diejenigen als positiv zu sehen, die in Sozialen Netzwerken ein gemeinschaftliches, offenes und zurückhaltendes Online-Verhalten an den Tag legen", so Fetterman. "Das Eingeständnis von Fehlern dient als Hinweis auf intellektuelle Demut, Gemeinschaft und Kompetenz. Obwohl derjenige, der einen Fehler zugibt, den Zuschauenden mitteilt, dass er in diesem Fall inkompetent war, deutet dies darauf hin, dass er bereit ist, zusammenzuarbeiten, und dass er kompetent genug ist, fehlerhaftes Wissen zu erkennen und es zu ändern."

In einem humorvollen Schlusswort des Forschungsberichts kommt Fetterman zu dem Schluss: "Das Eingestehen von Fehlern in Sozialen Netzwerken scheint also einen besseren Eindruck zu hinterlassen als das Leugnen. Zumindest können wir das annehmen, bis jemand den Beweis erbringt, dass wir falsch liegen. Wenn dieser Zeitpunkt gekommen ist, werden wir es niemals zugeben".

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