Wir merken uns mehr als wir denken

Studie: Gedächtnis speichert langfristig weitaus mehr ab als bislang vermutet

Die Ausrede "Kann ich mir nicht merken" hat wohl bald ausgedient, denn wenn wir einer neuen Studie Glauben schenken, kann unser Gedächtnis weitaus mehr abspeichern als wir denken, sogar dann wenn es uns nicht bewusst ist. Bisher war die Wissenschaft davon ausgegangen, dass wir die riesigen Datenmengen, die auf uns einströmen, schnell wieder vergessen und nur das langfristig gespeichert wird, was wir aktiv auswählen. Ein Team um Prof. Dr. Christof Kuhbandner (Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie an der Universität Regensburg) konnte nun aber im Rahmen eines Experiments nachweisen, dass diese Vermutung falsch ist und wir eine Menge Informationen im Gedächtnis ablegen, auch wenn wir nichts davon merken.

Für die Studie wurden den Proband_innen auf einem Bildschirm in schneller Abfolge insgesamt 128 Bilder von Alltagsobjekten gezeigt, die jeweils nur für 500 Millisekunden zu sehen waren. Über jedem Objekt erschien ein davon unabhängiges Wort. Die Versuchspersonen sollten die Bilder ignorieren, auf die Wörter achten und bei einer Wortwiederholung einen Knopf drücken. Zu diesem Zeitpunkt wussten sie nicht, dass danach ihre Erinnerungen getestet werden würden. Um die Erinnerungen zu testen, wurden ihnen dann immer zwei Bilder gezeigt: Eins war ein vorher gezeigtes Objekt (z.B. eine Sonnenbrille), das andere ein Objekt, das zum Teil dem gezeigten Objekt sehr ähnlich war (z.B. eine Sonnenbrille in einer leicht veränderten Form), aber vorher nicht gezeigt wurde. Die Versuchspersonen sollten angeben, welches der beiden Objekte sie vorher gesehen hatten. Wenn sie meinten, sich nicht erinnern zu können, sollten sie raten. Um die Langfristigkeit der Speicherung zu messen, wurde die Hälfte der Objekte direkt nach der Wahrnehmungsaufgabe getestet, die andere Hälfte nach 24 Stunden.

Ich rate doch nur
Das Ergebnis war überrraschend - obwohl die Proband_innen glaubten, dass sie die meiste Zeit nur raten würden, konnte eine überragende Mehrheit die vorher gezeigten Objekte richtig identifizieren: in 77 Prozent der Fälle beim Test direkt danach und in 95 Prozent der Fälle beim Test nach 24 Stunden. Für die Forschenden zeigen die Befunde, dass Menschen fast jeden einzelnen Wahrnehmungsmoment abspeichern, selbst dann, wenn Objekte gar nicht bewusst wahrgenommen wurden und man gar nicht die Absicht hatte, sich etwas zu merken.

Die Beobachtungen der Regensburger Forscher_innen dürften weitreichende Konsequenzen für aktuelle Modellvorstellungen zum menschlichen Gedächtnis haben, da Menschen weitaus mehr Informationen zu speichern scheinen, als bisher angenommen. Die Befunde könnten auch Auswirkungen auf Zeugenbefragungen haben, weil visuelle Erinnerungen an vergangene Ereignisse weitaus detaillierter zu sein scheinen als bisher vermutet.

Die Ergebnisse der Wissenschaftler sind vor kurzem in der Fachzeitschrift „Frontiers in Psychology“ erschienen (DOI:10.3389/fpsyg.2017.01859).

Quelle:

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Autorin / Autor: Pressemitteiliung/ Redaktion - Stand: 19. Januar 2018
 
 

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