Wie Youtube das Lernen verändert

Rat für Kulturelle Bildung fordert mehr Einbindung von Youtube-Filmen in den Unterricht

Um zu zeigen, dass Youtube für die meisten Jugendlichen heutzutage ein ganz normaler Teil ihres Alltags ist, braucht man eigentlich keine weitere Studie. Dennoch hat das unabhängige Expert_innengremium Rat für Kulturelle Bildung sich des Themas nochmals angenommen, um zu untersuchen, wie die tägliche Nutzung der Videoplattform sich auf das Lernen und den schulischen Alltag auswirkt. Dazu wurden Berufsschüler_innen befragt, von denen 86 Prozent angaben, dass Youtube eines ihrer digitalen Leitmedien sei. 47 Prozent von ihnen nutzen Erklärvideos zur Unterstützung bei Hausaufgaben oder Prüfungen, aber auch für künstlerische Fächer wie Musik, Kunst, Theater oder für AGs wie Chor oder die Schulband. Dabei geht es aber nicht nur ums Konsumieren - viele der Befragten lassen sich durch die Kurzvideos  anregen, selbst künstlerisch aktiv zu werden. Trotz der hohen Anziehungskraft von Youtube ist sich aber die Mehrheit auch bewusst, dass Unterricht große Vorteile bietet, zum Beispiel, weil man dort Nachfragen stellen kann.
Wie sieht es aber aus mit der Verbindung von Youtube und Unterricht? 60 Prozent der Befragten ist eher unzufrieden mit der Einbindung und wünscht sich im Unterricht eine kritische Auseinandersetzung mit YouTube-Videos und der Plattform. Soweit zu den zentralen Ergebnissen der repräsentativen Studie „Jugend/YouTube/ Kulturelle Bildung. Horizont 2019“ mit deutschlandweit 818 Befragten.

Veränderte Bildungslandschaft
Die klassische Bildungskonstellation von Lehren, Lernen und Wissen ändert sich durch die Digitalisierung also grundlegend, wie die Studie zeigt. Das Lernen wird immer mehr geprägt durch Selbstständigkeit und informelles Lernen, wie es in Tutorials und Erklärvideos stattfindet, die man sich überall und jederzeit beliebig oft ansehen kann. Das entspricht auch den Erwartungen vieler Jugendlicher, die sich eigene Lernrhythmen und Lernzeiten wünschen. „Eine wichtige Schlussfolgerung aus der Studie ist, dass man dieses Medium nicht ignorieren darf. YouTube ist primär kein pädagogisches Medium, aber es ist tatsächlich inzwischen ein weiteres, wichtiges Lern- und Bildungsmedium, das die Bildungslandschaft im Ganzen berührt und verändert. Es ändern sich die Übungsformen der Schüler und damit auch die Voraussetzungen von Unterricht insgesamt. Man kann, wenn man das Medium schulseitig bewusst einsetzt, Unterricht anders aufbauen und auf diese Weise mehr Platz für individuelle Fragen und für Reflexion im Unterricht finden. Und man kann sich zur pädagogischen Eigenproduktion audiovisueller Medien anregen lassen“, sagt Prof. Eckart Liebau, Vorsitzender des Expertenrates.

Tipps von Freunden und Influencern am wichtigsten
Über die Hälfte der befragten YouTube-Nutzer_innen möchte auch gerne selbst Videos erstellen und wünscht sich dazu mehr Unterstützung seitens der Schule. 56 Prozent glauben, dass die Bedeutung von YouTube in der Schule künftig zunehmen wird. Und wie sieht es mit der Beeinflussung durch Youtube aus?  Dazu schätzen sich die Befragten so ein, dass sie sich nicht nur von den Vorschlägen von YouTube leiten lassen (36 Prozent tun dies), sondern 53 Prozent gaben an, dass sie mit einer gezielten Suche zu einem bestimmten Thema einsteigen. Besonders wichtig bei der Auswahl von Videos sei aber, was Freund_innen empfehlen (das sagten 91 Prozent). 65 Prozent schauen sich aber auch Videos an, die von ihren Lieblings-Influencern empfohlen werden, 44 Prozent greifen auf Tipps von der Familie zurück; bei Tipps von Lehrer_innen sind es dagegen nur 30 Prozent.

Ästhetisch-kreative Anregung
Wenn es in den Clips um ästhetische Praktiken und kulturelle Aktivitäten geht, scheinen sie Jugendliche verstärkt auch dazu anzuregen, selbst praktisch aktiv zu werden. Generell nach ihren kulturellen Interessen gefragt, geben Mädchen eine große Bandbreite an, wie Designen, Fotografieren, Tanzen, Singen, Zeichnen, bei Jungen sind es hauptsächlich Computerspiele. Dieser Unterschied wird allerdings geringer bei den digitalen kulturellen Genres und es gibt mehr gemeinsame Favoriten, sagen die Studienautor_innen. Das liege möglicherweise auch an der auf YouTube etablierten Remix-Kultur mit zahlreichen neuen, übergreifenden Mischformen wie Funny Clips, Let´s Play, Mashupvideos, Animation oder Sampling.

Kulturinstitutionen sollten dieses vorhandene Interesse der Jugendlichen aufgreifen, so der Expertenrat. Deshalb sollte Digitalisierung Aufgabe und Gegenstand der Kulturellen Bildung sein. Sie könnte ihnen beispielsweise bei der Erstellung von Videos helfen und Raum für kritische Auseinandersetzung schaffen. Außerdem sollten die Trennlinien der Bildungswelten in formal/schulisch, non-formal/außerschulisch und informell/selbstorganisiert weicher werden und die Bereiche stärker verschränkt werden. An die Politik richten die Forschenden noch das Anliegen, mehr für die Entwicklung nichtkommerzieller Räume für digitale Kulturpraktiken zu tun.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 6. Juni 2019
 
 

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