Wie heimatverbunden sind wir?

Heimatindex der Jacobs University: Heimatverbundenheit steigert das Wohlbefinden. Im Saarland und in Thüringen ist der Wert besonders hoch.

Bild: Luise Weber

Wer den Begriff Heimatverbundenheit hört, denkt vielleicht an alte "Heimatfilme" samt ihrem angestaubten Gesellschaftsbild, an Tradition und Trachten, vielleicht auch an olle Schlager oder an rechtsnationale Strömungen. Er hat oft einen schlechten Beigeschmack, der im Gegensatz zu Weltoffenheit und Toleranz steht. Dabei besagt "Heimat" - so der Duden - ja nichts anderes als „Land, Landesteil oder Ort, in dem man (geboren und) aufgewachsen ist oder sich durch ständigen Aufenthalt zu Hause fühlt“.

Heimat hebt die Laune

Und sich zu Hause und mit seiner Heimat verbunden zu fühlen, geht offenbar mit einer höheren Lebenszufriedenheit, mehr Optimismus und gesteigterem Glücksgefühl einher. Das haben Forscher_innen um Klaus Boehnkeder von der Jacobs University Bremen gGmbH in einer Studie für das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat herausgefunden.

Laut der Wissenschaftsgruppe setzt sich Heimatverbundenheit aus acht Teilaspekten zusammen: aus Geborgenheit, Identifikation, Ort und Landschaft, Zeit, sozialer Verwurzelung, geistiger Heimat, Heimatpflege und Abgrenzung. Die Forscher_innen hatten in ihren repräsentativen Studie gut 4.500 zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern aus ganz Deutschland per Telefon befragt. Insgesamt erwies sich die Heimatverbundenheit dabei als recht hoch. Auf einer 100-Punkte-Skala liegt sie bei knapp 72 Punkten, deutlich über dem Skalenmittelwert von 50.

Heimatverbundenheit als Zeichen für gelungene Integration

Das Forschungsteam stellte fest, dass Heimatverbundenheit den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt und mit höherem Wohlbefinden der Menschen einhergeht. Wer sich stärker mit seiner Heimat verbunden fühlt, ist lebenszufriedener und glücklicher. Dies gilt laut der Studie sogar noch stärker für Menschen mit Einwanderungsgeschichte als für Menschen ohne Einwanderungsgeschichte. Insofern könne Heimatverbundenheit durchaus als ein Indikator für die gelungene Integration gesehen werden, so das Forschungsteam. Sie leiste einen nennenswerten Beitrag zur Lebensqualität der Menschen in Deutschland.

Im Vergleich der Bundesländer ist die Heimatverbundenheit übrigens im Saarland am stärksten, gefolgt von Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg und Bayern. Am anderen Ende der Tabelle rangieren Nordrhein-Westfalen, Bremen und Berlin. Die Menschen mit der höchsten Heimatverbundenheit leben dabei in der sächsischen Oberlausitz, in den bayerischen Regionen Allgäu und Oberland in den Voralpen, in Südthüringen und in der Gegend um Landshut. Am geringsten ist die Heimatverbundenheit in den Regionen in und um Braunschweig und Duisburg-Essen, in Westsachsen, im Süden Schleswig-Holsteins sowie in der Altmark in Sachsen-Anhalt.

Nicht so gerne teilen, aber Zustimmung für Demokratie

Tatsächlich brachten besonders Heimatverbundene zum Ausdruck, dass sie den erwirtschafteten Wohlstand nach Möglichkeit lieber nicht mit anderen von außerhalb der eigenen Heimat teilen wollen, beschreibt Boehnke eine weitere Erkenntnis. Diese Art Wohlstandsprotektionismus sei nicht zu verwechseln mit einer „rechten“ Gesinnung. Heimatverbundene kämen aus allen politischen Lagern ebenso wie Menschen, die sich mit ihrer Heimat nicht so eng verbunden fühlen. „Spannend ist, dass Heimatverbundenheit mit einer hohen Zustimmung zur Demokratie als Staatsform einhergeht“, so Boehnke. Je stärker die Heimatverbundenheit, desto höher sei die Zufriedenheit mit der Demokratie und das Vertrauen in die Institutionen unseres Landes.

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Autorin / Autor: Pressemitteilung / Redaktion; Bild: Luise Weber - Stand: 31. Mai 2021