Wie Gerechtigkeit hilft

Studie zeigte, dass der Glaube an eine gerechte Welt Mobbing und Cyber-Bullying eindämmen kann

Bullying, Mobbing, Hasskommentare - egal wie man das Phänomen nennt, es wird zu einem immer größeren Problem. Es beginnt schon im Kindesalter auf dem Schulhof und wird im Internet fortgesetzt. Zwar herrschen im Internet andere Voraussetzungen als auf dem Schulhof, weil hier körperliche Stärke keine Rolle mehr spielt und durch die Anonymität keine Strafe zu befürchten ist, aber die Mechanismen, die sowohl online als auch offline zu Bullying führen, sind offenbar ganz ähnlich. Das zeigen Wissenschaftler_innen vom Institut für Pädagogik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Ihre These ist: Sowohl Täter_innen als auch Opfern fehlt das Vertrauen in eine gerechte Welt.

Der Gerechte-Welt-Glaube
Beim klassischen Mobbing auf dem Schulhof oder im Klassenzimmer haben die Opfer wenigstens zu Hause noch Ruhe, Cyber-Bullying in den sozialen Netzwerken geht dagegen immer weiter. Trennen ließen sich online und offline jedoch nicht, sagt Dr. Matthias Donat. Schließlich hat heute fast jede_r Schüler_in ein Smartphone. Es gebe allerdings Unterschiede. So komme es im Internet nicht auf körperliche Stärke an. Teilweise verschwinden dort die Grenzen zwischen Tätern und Opfern, und Opfer werden zu Tätern, wenn sie sich online rächen. Dennoch gingen er und seine Kolleginnen davon aus, dass die dahinterliegenden Mechanismen ähnlich sind.
Was beim Mobbing-Verhalten generell eine große Rolle spiele, sei der sogenannte Gerechte-Welt-Glaube, wie die Forscher_innen schon in früheren Studien zeigten. "Wir verstehen den Gerechte-Welt-Glauben als Persönlichkeitsmerkmal, das sich bereits in der Kindheit entwickelt", so Donat. Hintergrund dieser Überzeugung ist, dass jede_r bekommt, was er/sie verdient und dass man verdient, was man bekommt. Schüler_innen, die nicht an eine gerechte Welt glauben, neigen laut den Forschnungs-Ergebnissen eher dazu, andere zu schikanieren.
Umgekehrt ist aber auch bei Opfern der Glaube an eine gerechte Welt schwach ausgeprägt. Und diesen Zusammenhang konnten die Forscher_innen in ihrer aktuellen Studie auch für den Online-Bereich zeigen. Dafür befragten sie über 1.000 Schüler_innen der achten Klasse aus verschiedenen Schulformen zu ihrer Internetnutzung sowie zu ihrem Cyber-Bullying-Verhalten beziehungsweise ihren Erfahrungen. Neben dem Gerechte-Welt-Glauben wurden auch weitere Persönlichkeitsmerkmale, etwa Empathie, abgefragt. Das Studienergebnis: "Sowohl bei Tätern als auch Opfern von Cyber-Bullying ist der Glaube an eine gerechte Welt gering", sagt Donat. Aber die Ergebnisse der Studie zeigen auch, dass Täter_innen sich vor allem von Lehrkräften ungerecht behandelt fühlen, Opfer jedoch von ihren Mitschüler_innen.

Über Gerechtigkeit sprechen
Einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen Gerechte-Welt-Glaube und Bullying herzustellen, sei aufgrund des Studiendesigns jedoch schwierig. Dafür bräuchte es aufwändige Langzeitstudien. "Wir gehen von wechselseitigen Beziehungen aus", sagt Donat. Denn auch wenn sich der Gerechte-Welt-Glauben in der Kindheit zu entwickeln beginnt, konnten Studien bereits zeigen, dass er sowohl erschüttert als auch gestärkt werden kann. Um Bullying in Schulen zu vermeiden, sollten Lehrkräfte darum im Klassenzimmer besonders auf Gerechtigkeit achten. "Fühlen Schüler sich von ihren Lehrern gerecht behandelt, neigen sie weniger zu Bullying", so Donat. Das helfe auch den Opfern. Lehrkräfte sollten außerdem darauf achten, dass sich die Schüler_innen gegenseitig gerecht behandeln, und mit ihnen über Gerechtigkeit und das subjektive Empfinden von Gerechtigkeit sprechen.

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