Was Klimastreiken bringt

Psycholog*innen der University of New South Wales sind überzeugt, dass Klimastreiks das persönliche Verhalten ändern

Immer mehr junge und auch ältere Menschen auf der ganzen Welt schließen sich der globalen Klimabewegung an, wie nicht zuletzt die beeindruckenden Zahlen vom Weltklimastreik am 20. September zeigen. Aber bringt das auch was? fragen sich viele, die sich vielleicht noch nicht angeschlossen haben. Ja, sagen zwei Psycholog_innen der University of New South Wales (UNSW). Denn Massenstreiks würden gezielt auf die psychologischen Faktoren wirken, die für das Handeln gegen den Klimawandel am wichtigsten sind: Sie fördern soziale Normen und verstärken die Wirksamkeit des kollektiven Handelns.

In ihrer jüngsten Studie haben Belinda Xie und Ben Newell von der UNSW eine große Stichprobe von Australiern dazu befragt, wie bereit sie wären, persönlich gegen den Klimawandel vorzugehen (z.B. mehr für Strom zu zahlen), soziale Interventionen zu unterstützen (z.B. mit öffentlichen Mitteln Haushalte zu unterstützen, die erneuerbare Energien beziehen) oder Lobbyarbeit zu leisten (z.B. eine E-Mail an Regierungsbeamte zu senden).

Dabei integrierten sie frühere Untersuchungsergebnisse über die Frage, welche Faktoren die Handlungsbereitschaft von Individuen beeinflussen und verknüpften sie mit den Daten der Befragten (soziodemografische Daten, Wissen über den Klimawandel, persönliche Erfahrungen mit extremen Wetterereignissen und moralische Werte).

Die Forscher_innen fanden dabei drei wichtige Variablen heraus, die die Handlungsbereitschaft eines Individuums vorhersagen können: Betroffenheit, Zweifel an der Wirksamkeit von CO2-Minderungsmaßnahmen und die Macht sozialer Normen.

Tränen für das Klima
Das Thema Betroffenheit bezieht sich darauf, wie unangenehm der Klimawandel für die Befragten ist. Wie reagieren die Menschen, wenn zum Beispiel der tongaische Premierminister Samuela "Akilisi" Pohiva während des jüngsten Pacific Islands Forums vor anderen Staatschefs Tränen vergießt? Bei den für die Studie Befragten war jedenfalls ein negatives Gefühl in Zusammenhang mit dem Klimawandel stark mit einer höheren Handlungsbereitschaft verbunden.

Masse gegen den Zweifel an Klimaschutzmaßnahmen
Die zweitwichtigste Vorhersagevariable war der Zweifel an Klimaschutzmaßnahmen, beziehungsweise der Glaube daran, dass wir den Klimawandel nicht wirksam eindämmen können, der sich in Aussagen wie diesen manifestiert: „Egal was wir als Nation auch unternehmen, um die CO2-Emissionen zu reduzieren - es wird keinen wirklichen Unterschied bei der Verringerung der negativen Auswirkungen der globalen Erwärmung machen, denn wir machen doch nur 1% der globalen Emissionen aus….“ Solche Aussagen bei einer gleichzeitigen Ignoranz der hohen Pro-Kopf-Emissionsrate eines Landes, bremse die C02- Minderungsmaßnahmen enorm.
Um diese Vorstellung, dass ein einzelnes Land keinen Unterschied machen könne, zu zerstreuen, schlagen die Forscher_innen in ihrem Kommentar zur Studie vor, die Menschen daran zu erinnern, wie effektiv kollektives Handeln sein kann. Sie fordern uns auf zum Beispiel diese beiden Anweisungen zu lesen:
„Wenn eine Person pro Woche ihren Fernsehkonsum um 20% reduziert, dann würde sie insgesamt 0,5 kg CO₂ weniger verbrauchen.“
„Wenn 1.000 Menschen pro Woche ihren Fernsehkonsum um 20% reduzieren würden, dann würden sie insgesamt 500kg CO₂ einsparen.“

Jüngste Untersuchungen hätten gezeigt, dass die zweite Aussage überzeugender ist und zu mehr umwelt- und sozialfreundlichem Handeln führt. Aus Einzelaktionen, die nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind, werden plötzlich viele, die von vielen getragen und damit effektiver werden. Dieser Effekt spreche auch für die Macht des Schulstreiks: „Du hast vielleicht nicht das Gefühl, dass deine Stimme gehört wird, wenn du allein ein Zeichen setzt, aber wenn du von Zehntausenden von Menschen umgeben bist, die dasselbe tun, wird diese Aktion viel mächtiger.“

Geht streiken!
Und schließlich seien soziale Normen wichtig, wenn es darum geht, die Handlungsbereitschaft zu erhöhen. Ein Beispiel dafür sind Resolutionen von Organisationen, die signalisieren, dass sie streikende Schüler_innen unterstützen.
Umfragen in vielen Ländern ergeben, dass der Klimawandel mitlerweile als die größte Bedrohung der Menschheit gesehen wird. Dennoch ist es für viele schwer vorstellbar, wie wir diese Bedrohung persönlich reduzieren können. Die Teilnahme am Schulstreik könnte jedenfalls ein guter Anfang sein, meinen die Forscher_innen: „Wenn du am Streik teilnimmst, wirst du die Wirksamkeit des Streiks für dich und die anderen um dich herum erhöhen. Und indem ihr eure Freunde und Familie ermutigt, mit euch zu gehen, werdet ihr auch die sozialen Normen fördern, die den Klimaschutz unterstützen.“

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 26. September 2019
 
 
 

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