Wache Gene

Ob du morgens munter aus dem Haus hüpfst oder dir lieber die Decke über den Kopf ziehen möchtest, könnte in deine DNA einprogrammiert sein, sagen Forscher_innen aus den USA

Du bist auf Pyjamapartys immer die Letzte, die einschläft und die Erste, die aufwacht? Und während deine Freund_innen auf Klassenfahrten nur müde durch die Gegend trotten, bist du auch nach einer kurzen Nacht ausgeruht und kannst dich prima konzentrieren?
Warum das so ist und welche Bereiche in unserem Gehirn für unser Schlafbedürfnis verantwortlich sind, versuchen die Wissenschaftler_innen der University of California nun herauszufinden.
„Es ist erstaunlich, dass wir nur so wenig über den Schlaf wissen, obwohl Menschen im Durchschnitt ein Drittel ihres Lebens damit verbringen.“, so Ptáček.
Für ihre Nachforschungen haben die Wissenschaftler_innen mehrere Familien untersucht, bei denen viele Mitglieder nur sechs Stunden Schlaf brauchen, um "normal zu funktionieren". Normal funktionieren, das heißt in diesem Fall so viel wie fit sein. Auch nach einer kurzen Nacht und ohne Koffein, Teein, oder ähnlichem sind die Kurzschläfer_innen ausgeruht und kommen konzentriert durch den Alltag.

Mutierte Gähn-Gene
Wenn du dich auch nach wenigen Stunden Schlaf zuverlässig quietschfidel fühlst, dann gehörst du vielleicht zu den Menschen, deren ADRB1 Gen eine neuentdeckte Mutation aufweist. Denn genau dieses Gen, oder genauer gesagt die Mutation dieses Gens, macht eine Gruppe von Forscher_innen rund um Louis Ptáček und Ying-Hui Fu jetzt dafür verantwortlich, dass einige Menschen mit ca. zwei Stunden weniger Schlaf auskommen als der Durchschnitt.
Ähnlich wie Gene bestimmen, welche Haarfarbe wir haben oder wie unsere Nase aussieht, gibt es jetzt die Vermutung, dass sie auch eine Rolle dabei spielen, wie lange wir schlafen müssen, um uns fit zu fühlen. Denn die Forscher_innen haben herausgefunden, dass bei den Menschen, die weniger Schlaf brauchen besonders eines der Gene, das für die Aktivität im Pons verantwortlich ist, anders aussieht als bei Langschläfer_innen. Dass genau dieses Gen etwas mit dem Schlafrythmus der Menschen zu tun haben könnte, vermuten die Wissenschaftler_innen, da der Pons, auch Brücke genannt, vor allem für unterbewusste Aktivitäten zuständig ist. Hier wird die Atmung, Augenbewegungen und eben auch unser Schlaf gesteuert. Und bei Menschen, deren ADRB1 Gen eine Mutation aufweist, ist das Gehirn zu ganz anderen Schlafphasen aktiv, als bei Menschen mit "normalem" ADRB1 Gen.

Fraglich ist noch, inwiefern sich die an den Mäusen gemachten Untersuchungen auf Menschen übertragen lassen. Schließlich weisen die Nager ein gänzlich anderes Schlafverhalten auf als Menschen. Mäuse schlafen mehrmals am Tag für kürzere Zeitspannen. Dass mögliche Zusammenhänge zwischen benötigtem Schlaf und der Genmutation an Mäusen und nicht an Menschen untersucht werden, liegt daran, dass der Schlaf bei Menschen nur schwer zu untersuchen ist. Schließlich beeinflussen nicht nur Gene, sondern auch unser Verhalten ganz massiv unseren Schlaf und unsere Schlafdauer. Wieviel Kaffee wir konusmieren oder wann wir ins Bett gehen, kann zum Beispiel Auswirkungen auf unseren Schlaf haben, die nichts mit einer genetischen Veranlagung zu tun haben.
Die Wissenschaftler_innen aus den USA gehen nicht davon aus, dass sie das eine und einzige Wundergähn, äh -gen gefunden haben, das über unseren Schlafrythmus bestimmt. Vielmehr suchen sie weiter nach Genen und Hirnregionen, die unser Schlafverhalten erklären können. Solltest du also auf der anderen Seite stehen und dich auch nach 12 Stunden Schlaf aus dem Bett quälen, überlege dir lieber eine andere Ausrede. ;-) Hilfreich könnte die Entdeckung der Genmutation vor allem bei der Entwicklung von Medikamenten sein, die Schlafstörungen eindämmen sollen. Zu wenig Schlaf kann schließlich nicht nur auf die Laune schlagen, sondern auch gravierende gesundheitliche Folgen haben.

Quelle:

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Autorin / Autor: Pressemitteilung/ Karla Groth - Stand: 12. September 2019