„In Australien leben Kängurus auf der Straße“

Chocoholic verbrachte als Austauschschülerin fünf Monate in „Down Under“ und musste dabei so einige Klischees über Bord werfen

2010 begann für mich die Reise ins 16000 Kilometer entfernte Australien als Austauschschülerin für ein halbes Jahr. Durch diese Entfernung sind - trotz Internet - Klischees und Vorurteile über Deutschland und Australien schon vorprogrammiert. Um anderen, die auch mit der Idee spielen, nach Down Under zu gehen, die Angst vor den „gefährlichen Tieren“ und den „groben und unfreundlichen Australiern“ zu nehmen, möchte ich hier mit einigen Vorurteilen aufräumen.

Klischee Nummer 1 über Australien: Gefährliche Tiere
Als ich beschloss, für fünf Monate nach Australien zu gehen, musste ich mir von vielen Verwandten und Freunden anhören, dass das doch alles viel zu gefährlich sei mit den ganzen giftigen Tieren. Auch das Internet warnte mich davor, je nachdem auf welchen Seiten man schaute. Als ich allerdings in Australien angekommen war, habe ich in fünf Monaten Aufenthalt weder eine riesige, gefährliche Spinne (da habe ich in Deutschland schon größere gesehen), noch habe ich eine (lebende) Schlange gesehen. Ich entdeckte zwar eine überfahrene auf der Straße und meine Gastmutter erzählte mir auch von einer im Garten, aber in den meisten Fällen bekommt man eigentlich keine zu Gesicht (ich auf jeden Fall nicht ;)). Auch in meinem Urlaub nach Darwin im Northern Territory, wo angeblich 5 der 7 giftigsten Schlangen leben, habe ich keine Schlange zu Gesicht bekommen. Natürlich gibt es Krokodil- und Haiangriffe, aber da ist das Risiko, einen Autounfall zu haben, sehr viel größer.

Klischee Nummer 2 über Australien: Kängurus sieht man immer und überall
Das ist vollkommen falsch! Ich habe nur zweimal Kängurus zu sehen bekommen; einmal als ich im Busch war, wo die Kängurus fernab von aller Zivilisation frei leben und im Australia Zoo, wo man sie dann sogar streicheln konnte. Dafür, dass man Kängurus also immer auf der Straße oder im Garten antreffen sollte, ziemlich wenig.

Klischee Nummer 3 über Australien: Es ist immer heiß
Die Jahreszeiten sind ja bekanntlich andersherum zu unseren und in Australien ist es wirklich warm. Da ich in Brisbane gelebt habe, das in den Tropen liegt, war es immer ziemlich schwül und konnte es auch schon mal schön lange regnen. (Wenn ihr einen kurzen, heftigen 5-Minuten-Schauer aus Deutschland kennt, müsst ihr euch den über ein paar Tage vorstellen, sodass man manchmal nicht einmal zur Schule kommt.) Aber Australien ist ja auch ziemlich groß und hat damit entsprechend viele Klimazonen, weshalb man durchaus von „Schnee in Australien“ hören kann, ohne erstaunt zu sein.

Klischee Nummer 4 über Australien: Australier sind grob
Diesem Klischee kann ich zu 100 Prozent nicht zustimmen. Ich habe sogar keinen einzigen unfreundlichen Australier kennengelernt, wenn ich mich richtig erinnere. Überall wird man mit einem freundlichen „How ya doin‘, mate?“ begrüßt und sofort mit Vornamen angesprochen, was manche Leute dann wohl als grob bezeichnen würden; ich habe mich dadurch aber umso mehr willkommen gefühlt.

Klischee Nummer 5 über Australien: Crocodile Dundee
Meine Gastfamilie hat mir quasi verboten, jemals den Film „Crocodile Dundee“ zu schauen, weil er ein vollkommen falsches Bild über Australien vermittelt, deshalb weiß ich nur aus Erzählungen, dass es um einen Australier geht, der in New York untergeht, weil er das Stadtleben überhaupt nicht kennt. Die meisten Menschen in Australien leben in den Großstädten Sydney, Melbourne, Brisbane, Perth, Canberra, Adelaide und Darwin, nur 8 Prozent leben nicht in Städten und damit sind sie KEINE Hinterwäldler, wie in dem Film vermittelt wird.

Klischee Nummer 6 über Australien: „G’day mate!“ wird immer und überall verwendet
Ja, dieser Satz ist wohl eines der Aushängeschilder Australiens, wirklich gehört habe ich es ehrlich gesagt nur einmal in einem Park. Sehr wohl gehört habe ich aber das etwas andere Australian English. Ich muss zugeben, dass, wenn man das Schulenglisch gewöhnt ist, es sich schon etwas seltsam anhört (man hört sich aber ziemlich schnell da herein ;)). Sätze wie „Oi mate, whatcha doin tonigh?“ (= Ey, Kumpel oder Alter würde man hier sagen ;)), was machst du heute Abend?) oder „Gonna do a Barbie for Chrissie?” ( = Machen wir ein Grillfest an Weihnachten?) sind ganz normal. Wie am zweiten Satz schon erkennbar, sind Abkürzungen immer und überall gebräuchlich. Aussie ist Australien, Brissie ist Brisbane, Hubbie der Ehemann (Husband), und bis ich verstanden habe, dass Mozzies kein wirkliches Wort ist, sondern Mosquitos das eigentliche Wort ist, ist schon einige Zeit vergangen, weil diese Abkürzungen wirklich immer gebraucht werden.

Aber natürlich gibt es auch Vorurteile und Klischees über Deutschland, die meine australischen Freunde vollkommen geschockt haben, als ich ihnen erzählt habe, dass das alles nicht stimmt. ;)

Klischee Nummer 1 über Deutschland: Deutsche tragen jeden Tag Lederhosen
Man liest es überall, dass mache Leute tatsächlich immer noch denken, wir sind alle echte Bayern und tragen jeden Tag Lederhosen, und das ist das einzige, das wir im Schrank haben. Ist ja auch so, oder? :) Mich hat wirklich mal ein Mädchen gefragt, ob ich Lederhosen trage, als ich sie dafür ausgelacht habe, war sie glaube ich beruhigt. ;)

Klischee Nummer 2 über Deutschland: Deutsche lieben Schwarzwälder Kirschtorte und Sauerkraut
Mag für viele zutreffen, ich persönlich stehe nicht so darauf, und als ich das gesagt habe, war mein gesamter Mathe-Kurs mitsamt Lehrerin vollkommen geschockt. Ich glaube, deren gesamtes Welt (bzw. Deutschland-)bild brach in diesem Moment zusammen.

Klischee Nummer 3 über Deutschland: Die Deutschen sind humorlos und Leben fürs Arbeiten
Man muss ehrlich sagen, wir Deutschen haben schon eine ziemlich andere Lebens- und Arbeitsmoral. Während die Australier eher ziemlich „easy-going“ sind, sind wir doch eher Arbeitstiere. Meine Gastmutter hat mal gesagt, dass wir leben um zu arbeiten, und die Menschen in Australien eher arbeiten um zu leben, und irgendwie hat sie damit Recht, finde ich. Mit dem Humor ist das eine andere Sache. Wir haben Humor, so ist das nicht. Einen anderen, aber wir haben ihn. Meine Gastschwestern meinten, als ich geflogen bin, dass sie überrascht waren, wie lustig und humorvoll meine deutschen Freunde und ich waren.

Klischee Nummer 4 über Deutschland: Viele Deutsche sind Nazis und verehren Hitler
Dass das nicht stimmt, weiß wohl hoffentlich jeder hier, allerdings hatte ich von manchen Australiern da einen anderen Eindruck, was die Hitler-Verehrung angeht. Als ich in einen Raum kam und mich alle mit Hitler-Bärten und Hitler-Gruß begrüßten, was auch mehr als Spaß gedacht war, fanden die das alle echt lustig und dachten, so wäre das wirklich in unserer Schule. Solange sie das jetzt hoffentlich nicht mehr denken…

Klischee Nummer 5 über Deutschland: Pünktlichkeit!
Dass in Deutschland immer alles pünktlich sein muss, ist ja kein Geheimnis. Wenn Züge fünf Minuten Verspätung haben, beschweren sich sofort alle, wenn der Bus in Australien 40 Minuten später kommt (und das war nicht selten!), sagen die Leute drumherum nur „No worries, mate!“ und warten eben. Das Motto „Lieber eine halbe Stunde zu früh, als 5 Minuten zu spät“ ist wahrscheinlich echt typisch deutsch.

Nun kann man also hoffentlich sehen, dass man Länder und deren Menschen nicht auf Klischees reduzieren kann und es selber herausfinden muss, wie ein Land wirklich ist. Ich kann es nur empfehlen!

Welche Vorurteile habt ihr bei euren Auslandserfahrungen über Bord geworfen?
Autorin / Autor: Chocoholic, - Stand: 26. Mai 2011
 
 

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