Von wegen Mamas Liebling

Studie zur Persönlichkeit von Geschwisterkindern: Nesthäkchen haben angeblich ein weniger enges Verhältnis zu den Eltern und sind insgesamt sorgenvoller

Was wurde Geschwisterkindern nicht schon alles angedichtet. Die Ältesten seien durchsetzungsstark, die Sandwichkinder kompromissbereit, die Nesthäkchen verwöhnt. Erstgeborenen sagt man eine höhere Intelligenz nach, mal sollen sie es schwerer haben, mal unterstellt man ihnen, konservativer zu sein. Zweitgeborene hingegen gelten als rebellisch oder auch besonders ehrgeizig. Wie sich die Geburtenfolge wirklich auf die einzelnen Familienmitglieder auswirkt, beschäftigt Psycholog_innen schon seit fast 100 Jahren. Aktuell herrscht jedoch die Meinung vor, dass die Geburtenfolge keine oder kaum Auswirkungen auf die Persönlichkeit hat.

Haben Nesthäkchen ein weniger enges Verhältnis zu den Eltern?
Um den Geschwister-Mythen genauer auf den Grund zu gehen, haben nur Forscher_innen der Frankfurt University of Applied Sciences die Daten einer der größten Jugendstudien in Deutschland ausgewertet (Längsschnittstudie „Gesundheitsverhalten und Unfallgeschehen im Schulalter“ GUS). Darin befragen die Frankfurter Wissenschaftler/-innen jährlich rund 10.000 Schüler/-innen an circa 150 weiterführenden Schulen in 14 Bundesländern. In jeder Erhebungswelle sollten die Teilnehmenden auch angeben, wie viele jüngere und ältere Geschwister sie haben. Die Forscher/-innen richteten den Blick besonders auf die dritte Erhebungswelle im Schuljahr 2016/17, da in diesem Befragungszyklus auch die Persönlichkeitseigenschaften von Siebtklässler_innen erfasst wurden. In den Daten waren auch Angaben dazu zu finden, wie die Kinder ihr Verhältnis zu ihren Eltern sehen und wie gut sie sich mit ihnen verstehen. Dabei kam überraschenderweise heraus, dass ausgerechnet die angeblich so verhätschelten Nesthäkchen viel seltener angaben, gut mit ihren Eltern über wichtige Dinge sprechen zu können. Nur 18,2 Prozent waren so richtig überzeugt, ein gutes Verhältnis zu haben, während es bei Einzelkindern (24,9 Prozent) oder den älteren bzw. ältesten Geschwisterkindern 24,0 bzw. 23,3 Prozent waren. Die Forscher_innen glauben, dass aufgrund der deutlichen Datenlage kein Zufallsergebnis ist.

Nesthäkchen sind weniger gewissenhaft, dafür sorgenvoll und nervös?
Die Daten weisen den Wissenschaftler_innen zufolge durchaus auf einen - wenn auch geringen - Einfluss auf die Persönlichkeit hin. So hätten Einzelkinder oder Kinder mit einem oder mehreren jüngeren Geschwistern häufiger den Persönlichkeitszug „Verträglichkeit“ als Kinder mit älteren Geschwistern. Auch beim Wesenszug „Offenheit für Erfahrung“ zeige sich ein Unterschied: Einzelkinder und Kinder mit mindestens einem jüngeren Geschwisterkind haben häufiger neue und originelle Ideen und eine lebhafte Fantasie.
Die Nesthäkchen hingegen fallen durch niedrige Werte bei der Gewissenhaftigkeit und der Offenheit für Erfahrung auf, beim Persönlichkeitsmerkmal Neurotizismus dagegen sind die Spitzenreiter. Sie werden also schneller nervös, können schlechter mit Stress umgehen und machen sich häufiger Sorgen als Kinder aus allen anderen Konstellationen der Geburtenfolge.

Wenn ihr euch als Nesthäkchen in diesen Ergebnissen nun gar nicht widerfindet und wisst, dass eure älteren Geschwister viel stressanfälliger und weniger gewissenhaft seid als ihr, dann wundert euch nicht. Erstens sind solche Zahlen immer nur ein Ausschnitt aus der Gesellschaft. Zweitens sind die ermittelten Werte zwar signifikant (also statistisch zu groß, um Zufall zu sein), aber nicht so groß, als dass sich daraus allgemeingültige Vorhersagen auf eine zu erwartende Persönlichkeit von bestimmten Geschwisterkindern treffen lassen würde. Und außerdem gibt es vor allem bei Selbstauskünften ja diverse Fehlerquellen. Es kann ja beispielsweise sein, dass Nesthäkchen in Fragebögen selbstkritischer antworten, während Erstgeborene dazu neigen, sich fälschlicherweise selbst für völlig verträglich zu halten. ;-)

Quelle idw:

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 4. Juli 2018
 
 
 

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