Nur keine Plastiktüte ist eine gute Platiktüte

Von wegen kompostierbar: Bio-Plastiktüten in der Kritik

Wer an der Kasse steht - upps, doch mehr gekauft als geplant - greift vermutlich reineren Gewissens zur Bio-Plastiktüte als zur herkömmlichen. Doch wer glaubt, damit etwas Gutes für die Umwelt zu tun, täuscht sich, beziehungsweise wird getäuscht. Denn die bei Aldi und Rewe als kompostierbar beworbenen Tragetaschen aus Bioplastik bestehen zu mehr als zwei Dritteln aus Erdöl und werden weder kompostiert noch recycelt, kritisiert die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Ist die Bio-Plastiktüte eine Mogelpackung?

Wenn man sich die Tüten so anschaut, mit den aufgedruckten Blumen, den Tieren und grünen Feldern und der Aufschrift "100% kompostierbar", hat man tatsächlich das Gefühl, dass diese besonders freundlich zur Umwelt sind. Während Rewe seinen Kunden verspricht, mit dem Kauf der Einwegtüte "gemeinsam Gutes" zu tun, appelliert Aldi Süd über den Aufdruck "Zeig der Umwelt ein Lächeln" direkt an das Gewissen der Konsumenten. Ein grünes Keimling-Zeichen soll den Tragetaschen von offizieller Seite die Kompostierbarkeit bescheinigen. Im Rahmen einer Pressekonferenz warf die Deutsche Umwelthilfe den beiden Supermarktketten nun Greenwashing und Verbrauchertäuschung vor und forderte sie auf, die bewusste Irreführung sofort zu beenden. "Die angeblich 'grünen' Plastiktüten helfen der Umwelt nicht, im Gegenteil. Sie werden nicht kompostiert, lassen sich auch nicht recyceln und bestehen hauptsächlich aus Erdöl", kritisiert Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Nicht für die Eigenkompostierung geeignet
Im Rahmen einer umfassenden Abfrage bei der chemischen Industrie, Plastiktütenherstellern, Handelsunternehmen, Kompostierern und Entsorgern hat die DUH recherchiert, was die scheinbar ökologisch vorteilhaften Kunststofftüten wirklich leisten. Besonders interessant ist, dass sie laut Herstellerangaben überhaupt nicht für die Eigenkompostierung geeignet sind. In industriellen Kompostierungsanlagen werden sie gemeinsam mit herkömmlichen Plastiktüten als Störstoffe aussortiert, um Plastikreste im Kompost zu vermeiden. Eine Umfrage unter mehr als 80 deutschen Kompostierungsanlagen belege zudem, dass eine Kompostierung biologisch abbaubarer Kunststoffe – darunter auch die vermeintlich zu 100 Prozent kompostierbaren Tragetaschen von Aldi und Rewe – praktisch nicht stattfindet. "Die gebräuchlichen biologisch abbaubaren Kunststoffe bauen sich viel langsamer als herkömmliche Bioabfälle ab, und führen dadurch zu hohen Störstoffanteilen im Kompost. Auf diese Weise verunreinigter Kompost lässt sich kaum noch vermarkten", erklärt Herbert Probst, Vorstandsmitglied des Verbandes der Humus- und Erdenwirtschaft Region Nord e. V.

Entsorgung von Bioplastiktüten über die Biotonne verboten
Zwar sind die Aldi- und Rewe-Tüten nach der (öffentlich nicht zugänglichen) Norm DIN EN 13432 biologisch abbaubar. Jedoch offenbart diese bei genauerer Betrachtung eine große Schwäche. Denn nach ihrer Vorgabe müssen die Plastiktüten erst innerhalb von zwölf Wochen unter bestimmten Vorgaben und Faktoren wie Feuchtigkeit, Temperatur und Sauerstoff in industriellen Kompostierungsanlagen zu mindestens 90 Prozent zersetzt sein. Deutsche Kompostierungsanlagen arbeiten in der Regel mit deutlich kürzeren Verweilzeiten zwischen ein bis acht Wochen. Gleichzeitig reicht der nach der DIN Norm EN 13432 auch nach knapp drei Monaten zugelassene Plastikanteil von zehn Prozent im Kompost aus, um dessen Qualität erheblich herabzusetzen. Viele deutsche Kommunen haben deshalb die Entsorgung von Bioplastiktüten und anderen Biokunststoffen über die Biotonne verboten.

Selbst wenn man theoretisch von einem vollständigen biologischen Abbau der Plastiktüten ausgehen würde, ergäbe sich daraus kein ökologischer Nutzen. Das Plastik ließe sich durch den Prozess zwar entsorgen. Jedoch würden keine Nährstoffe freigesetzt und kein Humus aufgebaut. "Auf diese Weise würden energieintensiv hergestellte Rohstoffe vernichtet statt sie durch ein Recycling im Kreislauf zu halten", erklärt die DUH-Bereichsleiterin für Kreislaufwirtschaft Maria Elander. "Das Recycling biologisch abbaubarer Kunststoffmischprodukte, wie die Aldi- und Rewe-Tüten, bleibt in der Realität ebenfalls eine Fantasie. Denn als biologisch abbaubar bezeichnete Biokunststoffe aus Haushalten lassen sich nicht werkstofflich recyceln." Verantwortlich dafür sind laut Herstellerangaben die unterschiedlichen Materialeigenschaften der Kunststoffe, die zu 30 Prozent aus maisbasierter Polymilchsäure (PLA) und zu 70 Prozent aus dem erdölbasierten BASF-Kunststoff Ecoflex bestehen.

Nach Einschätzung der DUH gibt es, unabhängig von den verwendeten Rohstoffen, keine umweltfreundlichen Einweg-Plastiktüten. Eine gute Plastiktüte entsteht erst gar nicht. Wer umweltfreundlich seine Lebensmittel transportieren möchte, sollte daher immer eine Stofftasche dabei haben.

Quelle:

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Autorin / Autor: Pressemitteilung/ Redaktion - Stand: 12. April 2012
 
 
 

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