Vanillearoma aus Plastik

Wenn die PET-Flasche zum Wohlfühlaroma wird. Forscher_innen demonstrieren Upcycling der anderen Art

Oh du Plastikmüll. Was sollen wir bloß mit dir machen? Etwa Süßspeisen verfeinern, duftende Kosmetik kreieren, Plätzchen backen? Die Forscher_innen Joanna C. Sadler und Stephen Wallace von der der University of Edinburgh haben eine originelle Lösung für das Plastikproblem gefunden, genau genommen für Plastikabfälle aus Polyethylenterephthalat(PET), aus denen üblicherweise auch die meisten Einweg-Trinkflaschen hergestellt werden. Sie machen daraus den begehrten Aromastoff Vanillin.
Dass die Unmengen von PET-Abfällen oft nur unzureichend recycelt werden und sich darum überall in der Umwelt ansammeln, ist ein Problem unserer Zeit. Zudem wird PET aus nicht nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, umso schlimmer, dass es offenbar nur schwer in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden kann.
Meist konzentrieren sich Ansätze der Wieder- und Weiterverwertung darauf, aus PET neues PET oder andere Materialien herzustellen. Sadler und Wallace zeigen nun eine ganz andere Möglichkeit auf. Sie haben einen Weg gefunden, aus PET einen sehr begehrten und massenhaft eingesetzten Stoff zu gewinnen. Hierfür wird den Plastikabfällen die Bakterienart E. coli zugesetzt, die es zersetzen und in einem chemischen Prozess zu Vanillin verstoffwechseln. Vanillin ist das Extrakt, das die Vanille nach Vanille riechen lässt und das in zahlreichen Kosmetika und Lebensmitteln zur Anwendung kommt. Es kann auch aus echter Vanille gewonnen werden, die aber in einem aufwändigen und langwierigen Verfahren aus einer bestimmten Orchideenart gewonnen wird und darum sehr teuer und nicht in großen Mengen verfügbar ist. Das preiswerte künstlich hergestellte Vanillin ist darum äußerst gefragt. Wenn es aus Abfällen hergestellt werden könnte – wie es den Forscher_innen nun gelungen ist – bietet sich hiermit eine möglicherweise neuartige, auch wirtschaftlich sinnvolle Form des Upcyclings.

Auch wenn es zunächst etwas eklig klingt, die Forscher_innen sind überzeugt, dass das auf diese Weise erzeugte Vanillin lebensmitteltauglich sein könnte. Hierfür müssen aber noch weitere Untersuchungen folgen. Viel wichtiger ist aber vielleicht, dass die Versuche anschaulich machen, dass es in Sachen biologisches Upcycling und Einsatz von Mikroorganismen noch einige ungeahnte Möglichkeiten gibt.

Die Ergebnisse sind im Fachjournal Green Chemsitry erschienen.

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 24. Juni 2021