Unwissende Tierliebe

EXOPET-Studie: Viele Tier-Halter_innen sind ungenügend informiert

Einsame Kaninchen, Hamster mit Plastikröhren im Käfig, Guppys vergesellschaftet mit ihren Räubern oder Schildkröten mit Mangelerscheinungen. So sehr Haustier-Besitzer_innen ihre tierischen Freunde auch lieben, viele haben sich nicht ausreichend darüber informiert, wie sie ihr Tier artgerecht halten. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Ludwig-Maximilian Universität München und der Universität Leipzig, die von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gefördert wurde. Im Rahmen der Studie erhoben die Wissenschaftler_innen unter anderem in einer Online-Befragung deutschlandweit Daten von Tierhalter_innen, praktischen Tierärzt_innen, Händler_innen, Tierheimen und Auffangstationen. Zudem besuchten sie Tierbörsen und Zoofachgeschäfte beziehungsweise Bau- und Gartenmärkte mit Lebendtierverkauf. Untersucht wurde die Haltung von Vögeln und Reptilien (Uni Leipzig) und (exotischen) Säugetieren und Fischen (Uni München).

Keine Ahnung, was das Tier braucht?
Vor allem die Befragung der Tierarztpraxen offenbarte, dass viele Erkrankungen auf die Haltungsbedingungen zurückzuführen sind. Auch die Auswertung wichtiger Tierforen zeigte, dass es offenbar einen großen Informationsbedarf in Sachen Tierhaltung gibt. Dass Tierhalter_innen oft wenig Ahnung haben, was das von ihnen gewählte Tier wirklich braucht, wird auch dem Fachhandel angelastet. Wer ein Tier in der Zoohandlung erwirbt, wird oft nicht mit fundierten Informationen zur Haltung versorgt. Auf Tierbörsen konnten die Wissenschaftler_innen außerdem zahlreiche Misstände beobachten, wie zu kleine oder verschmutzte Verkaufsbehältnisse, fehlende Versorgung der Tiere mit Nahrung und Wasser, einstreulose Haltung ohne Rückzugsmöglichkeiten oder unkorrekte beziehungsweise sogar fehlende Angaben über Herkunft und Pflege der zu erwerbenden Tiere.

Sachkunde verbessern
Die Wissenschaftler_innen haben aufgrund ihrer Erkenntnisse eine Reihe von  Empfehlungen ausgesprochen, wie die Politik sich dieses Problems annehmen kann. So fordern sie beispielsweise einheitliche Informationen für Tierhalter und -händler_innen, die auf der verfügbaren wissenschaftlichen Literatur beruhen. Im Zoofachhandel sollte die Sachkunde der Verkäufer_innen verbessert werden, etwa durch spezielle Schulungen der Zoofachangestellten. Dies halten spezialisierte Tierärzte laut der Befragung für einen der möglichen Lösungsansätze, ebenso die Kennzeichnung von tiergerechten Käfigen, Terrarien sowie für Tierhaltungsinventar. „Hier zeigen die Ergebnisse, dass vor allem im Online-Handel tierschutzwidriges Zubehör zahlreich und uneingeschränkt erhältlich ist. Es ist dem Laien aufgrund der Fülle des Angebots nicht mehr zumutbar, die möglichen gesundheitlichen Risiken von Spielzeug etwa, Futterraufen oder anderem Zubehör einzuschätzen. Hier müssen wir als Wissenschaftler dem Tierhalter Hilfe anbieten“, sagt Anna-Caroline Wöhr, die Koordinatorin der Münchner Arbeitsgruppe.

Tierhalter_innen wollen gerne mehr wissen
Zudem sprachen sich die Tierärzte und Wissenschaftlerinnen für die Einführung eines Sachkundenachweises vor dem Erwerb eines Tieres aus, abgestuft in Abhängigkeit von den Haltungsansprüchen der betreffenden Spezies. „Die Studie zeigt aber erfreulicherweise auch, dass die meisten Tierhalter gerne bereit wären, einen solchen Sachkundenachweis vor der Anschaffung eines Tieres zu erwerben. Haltungsdefizite entstehen in der Regel aus Unwissenheit der Tierhalter und nicht aus bösem Willen dem Heimtier gegenüber“, Michael Erhard, Vorstand des Lehrstuhls für Tierschutz der LMU. Von generellen Haltungsverboten halten die Expert_innen nichts, zumal bei der Studie auch bei Arten mit leichter zu erfüllenden Haltungsansprüchen deutliche Haltungsdefizite aufgedeckt wurden.

Verbesserung des Tierschutzes steht im Koalitionsvertrag
Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung benennt als Herausforderungen im Tierschutz unter anderem die Wildtier- und Exotenhaltung, die Tierbörsen, den Internet‑ und Versandhandel von lebenden Heimtieren, die Situation der Tierheime und das Heimtierzubehör. Das zuständige Bundeslandwirtschaftsministerium will bis zur Mitte der Legislaturperiode Vorschläge für konkrete Maßnahmen bis hin zu Verboten zur Verbesserung des Tierschutzes in diesen Bereichen vorlegen.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 11. April 2018
 
 
 
 
 

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