Uni digital!?

Bertelsamnn-Stiftung befragte Lehrende und Studierende zur Digitalisierung an den Hochschulen

Alle reden von Digitalisierung, aber wie sieht es eigentlich in den Unis und Hochschulen aus? Das wollte die Bertelsmann Stiftung in einer Umfrage herausfinden und befragte rund 2750 Studierende, 650 Professor_innen und Dozent_innen sowie 85 Präsident_innen, Rektor_innen und Mitarbeitende der Hochschulverwaltung. Dabei kam heraus, dass die meisten Hochschulen in Deutschland technisch gut gerüstet sind. 80 Prozent der Lehrenden sind zufrieden mit der Ausstattung und der WLAN-Qualität an ihrer Hochschule. Die Studierenden erteilen der IT-Ausstattung sogar noch bessere Noten. Die mit digitalen Medien angereicherte Lehrveranstaltung ist zum Normalfall geworden: 90 Prozent der Veranstaltungen werden heute durch digitale Elemente ergänzt. Bemängelt wird allerdings, dass die didaktischen Potentiale trotz guter Infrastruktur oft ungenutzt bleiben.

92 Prozent der Lehrenden nutzen Präsentationstools wie etwa Power Point. Jede_r zweite Dozent_in stellt Materialien in elektronischer Form über Lernmanagementsysteme zur Verfügung. Diese Technologien haben sich seit 20 Jahren etabliert und ergänzen die herkömmliche Vorlesung. Dabei benutzen Studierende gerne neuere digitale Lernmittel. Gerade beim selbstorganisierten Lernen setzen viele auf Social Media: 42 Prozent nutzen Chat-Dienste, 41 Prozent Foren und Blogs und 29 Prozent Soziale Netzwerke um zu lernen.

Lehramtsstudierende am wenigsten aufgeschlossen
Trotzdem: Studierende sind offenbar keine digitalen Enthusiasten. Zwar wünschen sich  sich über 80 Prozent digitale Medien und Videoangebote rund ums Seminar – nicht zuletzt deswegen, weil sie dadurch selbstständiger unter verschiedenen Lernangeboten wählen können. Aber nur rund 20 Prozent fänden es gut, wenn Lehrveranstaltungen ausschließlich mit digitalen Medien durchgeführt würden. Am liebsten ist den meisten immer noch "gute alte Tafel". Wichtig ist den Studierenden vor allem die fachliche Eignung des Lehrpersonals und nicht so sehr die Medien selbst, sondern deren didaktisch sinnvoller Einsatz.

Am wenigsten aufgeschlossen gegenüber digitalen Medien sind die Lehramtsstudierenden: "Lehramtsstudierende sollten Digitalisierung in die Schulen tragen. Allerdings nutzen gerade Lehramtsstudierende weniger digitale Medien zum Lernen als andere. Wenn sie es tun, motiviert sie das auch noch weniger als ihre Mitstudierenden aus anderen Fachbereichen", so Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung und Geschäftsführer des Centrum für Hochschulentwicklung (CHE).

Spaltung in digitale Verfechter und analoge Skeptiker
Es sind nicht nur die innovativen Lernformate vor denen Dozent_innen zurückschrecken, sie sind auch skeptisch gegenüber der Wissensvermittlung durch Videos (86 Prozent), sehen ungelöste rechtliche Probleme (62 Prozent) und beklagen den hohen Aufwand in der Vorbereitung (60 Prozent). Außerdem gaben 60 Prozent der Dozent_innen an, dass sie sich durch Tablets oder Laptops gestört fühlen, wenn die Studierenden sie während ihrer Lehrveranstaltung nutzen.

Ansätze, die individuelle Förderung ermöglichen würden, wie digitale Planspiele und Simulationen sowie elektronische Übungen und Tests, baut nur jeder vierte Dozent in seine Lehrveranstaltungen ein. Eine gesamte Vorlesungsreihe als abrufbares Video produzieren gerade einmal zwei Prozent der Professorinnen. Diese so genannten MOOCs – Massive Open Online Courses – spielen demnach an deutschen Hochschulen so gut wie keine Rolle. Allerdings: in der akademischen Weiterbildung werden sie gerne genutzt; etwa 10 Prozent der Hochschulen setzen auf vollständig digitalisierte Weiterbildungsangebote.

Unter Hochschulleitungen und Verwaltungsmitarbeitenden bilden sich zwei gleichgroße Lager konsequent digitaler Verfechter und konsequent analoger Skeptiker. Letztere messen dem Thema einen geringen strategischen Stellenwert zu, sodass dort auch zukünftig nicht mit einem hochschulweit systematischen Einsatz digitaler Lernmedien zu rechnen ist. Es fehlt insgesamt an konkreten Strategien, um mit digitalen Medien die Lehre zu verbessern. Mehr als die Hälfte der Hochschulmanager fühlt sich zwar für die Infrastruktur verantwortlich, erwarten bei deren Anwendung von Professoren, Dozentinnen und Studierenden aber stärkere Impulse zur Nutzung digitaler Medien als von sich selbst.

Dabei sieht das Lehrpersonal und auch die Verwaltung durchaus große Chancen in der Digitalisierung. Etwa 70 Prozent sind überzeugt, dass sich durch digitale Lösungen nicht nur die wachsende Anzahl von Studierenden bewältigen lässt, sondern auch ihre zunehmende Vielfalt. Jörg Dräger erläutert: "Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie muss sich mit Zielen, Zielgruppen und Profil der jeweiligen Hochschule verbinden. Digitalisierung ist kein weiteres Problem, sondern Teil der Lösung für bessere Lehre."

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemittelung