Tutnet und Arbeiterkind: Engagement für mehr Bildungsgerechtigkeit

Nichts beeinflusst in Deutschland die Bildungskarriere von Kindern und Jugendlichen so stark wie die soziale Herkunft. Wer aus einer Arbeiterfamilie kommt oder aus einer Familie mit Migrationshintergrund stammt, der/die hat es einfach schwerer einen guten Bildungsabschluss zu ergattern. Wir stellen euch hier Initiativen vor, die dies ändern wollen und sich für mehr Bildungsgerechtigkeit engagieren.

Tutnet.org

Fast ein Drittel aller Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren nehmen Nachhilfestunden. Aber nicht jede Familie kann sich dies leisten. Kommerzielle Nachhilfe verstärkt laut einer Studie der Hans-Böckler Stiftung tendenziell soziale Ungleichheiten. Eine Gruppe von Studentinnen und Studenten wollte nicht länger tatenlos zuschauen, wie manche Kinder und Jugendliche mit diesen erschwerten Startbedingungen zu kämpfen haben. Sie gründeten 2015 ein kostenfreies Nachhilfeangebot für Schüler_innen, die sich keine teure Nachhilfe leisten können: Tutnet. „Alles hat im September 2015 angefangen, als die Flüchtlingskrise in Europa besonders akut war. Damals habe ich mir Gedanken darüber gemacht wie ich, vor allem den Kindern, die nach Europa geflüchtet sind, helfen kann. Dabei ging es mir vor allem um langfristige Hilfe. Und wie geht das besser als durch Bereitstellung von Bildungsangeboten?“, sagt die 20jährige Gründerin Isabella Efimov.

Tutnet ist übrigens mit dem Deutschen Engagementpreis ausgezeichnet worden.

Isabella Efimov und ihre Mitstreiter_innen bieten kostenfreie Nachhilfe per Skype an. Es werden noch weitere Mentorinnen und Mentoren gesucht, die sich ehrenamtlich engagieren möchten. Vielleicht hast du ja Lust, mitzumachen oder kennst jemand in deinem Umfeld, der dieses Angebot gut gebrauchen könnte.

Arbeiterkind.de

Die soziale Herkunft darf nicht über den Bildungsweg eines Menschen entscheiden. Laut der 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks studieren von 100 Akademikerkindern 77 und von 100 Nicht-Akademikerkindern lediglich 23 und dies obwohl doppelt so viele die Hochschulreife erreichen. Woran liegt das? Vielleicht am Geld? Nein, häufig gibt es einfach keine Vorbilder und niemanden, den man fragen kann: Auf was muss man im Studium achten? Wer hat Tipps und Netzwerke? Wie ist der Dresscode? Gar nicht so einfach, wenn man keine Ansprechpartner in der Familie hat, denn nach wie vor ist die Familie total wichtig bei der Berufs- und Studienwahl. Deshalb und weil sie selbst aus einer Arbeiterfamilie kommt und diese Erfahrungen gemacht hat, gründete Katja Urbatsch schon 2008 die Initiative Arbeiterkind.de.

Herzstück von Arbeiterkind.de ist eine peer-to peer Beratung vor Ort. Mittlerweile engagieren sich bundesweit 6.000 Ehrenamtliche in 75 lokalen ArbeiterKind.de-Gruppen, um Schüler_innen über die Möglichkeit eines Studiums zu informieren und sie auf ihrem Weg vom Studieneinstieg bis zum erfolgreichen Studienabschluss und Berufseinstieg zu begleiten.

Es werden immer noch weitere Ehrenamtliche gesucht. Also falls du dich engagieren möchtest oder falls du selbst oder jemand in deinem Umfeld Unterstützung braucht, ist Arbeiterkind.de immer eine gute Adresse.

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 13. Juni 2017