Töne und Temperament

Fans mögen die Persönlichkeiten ihrer Musikidole mindestens so sehr wie ihre Songs

Habt ihr euch schonmal gefragt, was euren Musikgeschmack bestimmt? Die Klangabfolge? Der Rhythmus? Die Texte?
Ein Team aus Psycholog_innen vier großer Universitäten - unter anderen der Bar-Ilan-Universität und der Columbia Business School - hat sich jetzt in einer Studie genauer mit der Frage beschäftigt und fand heraus, dass nicht nur die Musik selbst, sondern auch die Persönlichkeit der Musiker_innen eine große Rolle bei ihren Fans spielt.

In drei getrennten Studien mit mehr als 80.000 Personen untersuchten die Forscher_innen mehrere Faktoren: Persönlichkeitsbewertungen von 50 der berühmtesten Musiker_innen der westlichen Welt, Reaktionen der Zuhörer_innen auf tatsächliche musikalische Reize und die Song-Texte. Unter den ausgewählten Musiker_innen waren zum Beispiel Paul McCartney, Bob Dylan, Elton John, Whitney Houston, The Rolling Stones, Beyoncé, Coldplay, Dave Matthews Band, Maroon 5, Taylor Swift oder Ozzy Osbourne.

Eins der interessantesten Ergebnisse war, dass Menschen offenbar die Musik jener Künstler_innen bevorzugen, von denen sie denken, dass ihre Persönlichkeitsmerkmale ihren eigenen ähnlich sind. Die Übereinstimmungen bezogen sich dabei hauptsächlich auf das Geschlecht, das Alter und sogar die Hörgewohnheiten. In die Studie flossen allerdings nur die Eigenschaften der Musiker_innen ein, die von den Hörer_innen wahrgenommen wurden, also quasi die öffentliche Person, und nicht die tatsächliche Persönlichkeit der Künstler_innen.

Musik als soziale Kraft
Für die Studienautor_innen unterstreichen Ergebnisse die soziale Kraft der Musik, weil sie ihren Fans ein Gefühl von Stolz und Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe vermittelt. Zudem werfe die Studie ein Licht auf die evolutionären Ursprünge der Musik, nach denen sie als Hilfsmittel diente, um Gruppeneigenschaften auszudrücken. Diese halfen laut den Forscher_innen Stämmen dabei zu entscheiden, ob sie miteinander kooperieren oder nicht.

Musik kann ein gemeinsamer Nenner sein
Dr. David Greenberg von der Bar-Ilan-Universität in Israel, ehrenamtlicher wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Cambridge in England und Berufsmusiker, sagt: "In der heutigen Welt, in der soziale Spaltungen zunehmen, zeigen uns unsere Studien, wie Musik ein gemeinsamer Nenner sein kann, um Menschen zusammenzubringen." Und Dr. H. Andrew Schwartz, Assistenzprofessor an der Stony Brook University, überlegt, die Ergebnisse auf Situationen anzuwenden, in denen es um psychische Gesundheit geht. So könnten Hörer_innen in Zeiten von Stress und Unsicherheit Musik von Künstler_innen suchen, die ihnen in ihrer Persönlichkeit ähneln, und sich nicht nur verstanden fühlen, sondern auch ein Gefühl der Verbundenheit empfinden.

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung