Stressfaktor Sommerzeit

Umstellung auf Sommerzeit: Kinder und Jugendliche stärker betroffen

Seit vor einer Woche die Uhren von Winter- auf Sommerzeit umgestellt wurden, ist es zwar abends länger hell, aber viele Menschen leiden auch noch Tage nach dem nächtlichen "Stundenraub" unter einer zermürbenden Müdigkeit. Kinder und Jugendliche sind laut Gerhard Klösch, Schlafforscher von der Universitätsklinik für Neurologie der MedUni Wien, von der Umstellung am offenbar am stärksten betroffen. Das liege zum einen an der Physiologie der jungen Menschen, andererseits an der ständigen
Verfügbarkeit digitaler Endgeräte wie Handy, Tablet oder PC. Klösch: „Bis zum 10. Lebensjahr brauchen wir zwischen zehn und elf Stunden erholsamen Schlaf, als Jugendliche rund neun Stunden. Erst danach sind sieben Stunden ausreichend.“ Die Umstellung auf die Sommerzeit kostet Kinder und Jugendliche laut wissenschaftlichen Untersuchungen am Tag der Umstellung effektiv 32 Minuten Schlaf – und dieses Minus könne sich täglich über zwei Wochen hinziehen und kumulieren. 

„Das Problem ist, dass digitale Endgeräte mit ihrem blauen Licht Schlaf rauben." Junge Menschen hätten – im Gegensatz zu älteren – am Morgen noch eine Tiefschlafphase. „Je später sie schlafen gehen, desto später kommt diese Tiefschlafphase.  Werden sie mittendrin geweckt, sind sie wie schlaftrunken. Das erhöht auch die Unfallgefahr im Straßenverkehr.“

Schon zu „normalen“ Zeiten würden Kinder und Jugendliche über die Woche einen enormen „Schlafdruck“ aufbauen, der sich dann am Wochenende bei vielen mit Schlafen bis zur Mittagszeit entladen würde, erklärt der Wissenschaftler. Die meisten Jugendlichen seien, chronobiologisch betrachtet, zudem noch „Abendmenschen“. Die Umstellung auf die Sommerzeit „befeuert“ laut Klösch also dieses Schlafdefizit noch zusätzlich und sorgt für Stress-Intoleranz und ein Leistungstief. Das sollte auch den Lehrer_innen klar sein.

Tagesmüdigkeit als soziales Problem
Schläfrigkeit und Tagesmüdigkeit sei bei Jugendlichen generell ein weitreichendes Problem: Eine aktuelle britische Studie von WissenschafterInnen in York zeigte, dass Jugendliche, die häufiger müde sind, nicht nur in der Schule auffällig sind, sondern auch später Probleme im sozialen Gefüge haben. Klösch: „Es wurde anhand der Verbrechensstatistik in York gezeigt, dass 15-jährige, die ständig müde und in ihrem sozialen Verhalten auffällig waren, später, als 29-jährige ein um 4,5-fach erhöhtes Risiko hatten, kriminell zu werden.“
 
Zeitumstellung aus Sicht der Schlafforschung unnötig
Die Umstellung - egal ob von Winter- auf Sommerzeit oder umgekehrt – sei nicht mehr zeitgemäß und unnötig, sagt der Schlafforscher der MedUni Wien. Denn der menschliche Organismus passe sich ohnehin automatisch vor allem an den natürlichen Rhythmus des Lichts an. Klösch: „Sobald es wieder früher hell wird, passen wir uns an. Dazu brauchen wir keine Zeitumstellung. Licht ist ein optimaler Zeitgeber.“ Aus Sicht der Schlafforschung wäre es daher grundsätzlich besser, bei einer Zeit zu bleiben.

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