Sprachlicher Einheitsbrei?

US-Studie: KI vermindert sprachliche Vielfalt in Texten

Immer mehr Menschen schreiben ihre Texte mithilfe von KI. Für Artikel, Hausarbeiten, Kurzgeschichten oder Berichte, selbst E-Mails und Glückwunschschreiben werden Chat GPT & Co bemüht. Ist das gut für die Entwicklung unserer Sprache? Was kommt dabei heraus? Offenbar eine Art sprachlicher Einheitsbrei.

Forscher:innen um Zhivar Sourati von der USC (University of Southern California) haben in drei Studien insgesamt 880.000 Texte ausgewertet. Die Analysen zeigen, dass der weit verbreitete Einsatz großer Sprachmodelle (LLMs) als Schreibassistenten mit einem Rückgang der sprachlichen Vielfalt einhergeht. Die Forschenden entdeckten schnell einen Zeitpunkt, ab dem es mit der sprachlichen Vielfalt in den untersuchten Texten bergab ging: 2022, als ChatGPT veröffentlicht wurde.

Die Texte wurden nicht per se einfacher, sondern verschiedene Stile - von einfach bis komplex - glichen sich immer mehr aneinander an. Auch wurden emotionale Ausdrücke nicht weniger, sondern sogar häufiger, aber sie ähnelten sich stärker. Von der KI überarbeitete Texte klangen darüber hinaus häufiger so, als seien sie von einem älteren Mann mit politisch liberaler Einstellung, moralischem Bewusstsein und weniger Empathie verfasst worden.

Diese Angleichung verändert und beeinträchtigt auch die gesellschaftlichen und psychologischen Erkenntnisse, die Sprache liefert, befürchten die Forschenden. Es bleibe zwar der Kerninhalt erhalten, aber die LLMs reduzieren die Komplexität der Texte, vereinheitlichen den Schreibstil und rücken Individualität in den Hintergrund. Das betrifft verschiedene KI-Modelle, verschiedene Eingabeaufforderungen und unterschiedliche Kontexte, in denen die LLMs genutzt werden.

Sprache sei wesentlich mehr als ein Kommunikationswerkzeug, betonen die Wissenschaftler:innen, denn sie enthält eine Fülle von Informationen über die Identität, den psychischen Zustand und den sozialen Kontext der schreibenden Person. Informationen, die wertvoll und wichtig sind.

Der Forscher Morteza Dehghani argumentiert, dass diese Vereinheitlichung weitreichende Folgen für die kollektive Intelligenz der Menschen haben könne: "Die Einschränkung unserer sprachlichen Vielfalt verändert nicht nur die Art und Weise, wie wir schreiben, sondern droht auch, die Wege einzuschränken, auf denen wir Ideen begründen und durchdenken.“

Um dem entgegenzuwirken, sollen an der Uni, an der auch die Studie entstanden ist, neue didaktische Konzepte und einem speziellen Schreibprogramm einen verantwortungsvollen, kritischen und kompetenten Umgang mit KI in der Textproduktion etablieren und gleichzeitig den Reichtum individueller Stimmen erhalten.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin Nature Human Behaviour veröffentlicht.

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Autorin / Autor: Pressemitteilung / Redaktion; Bild: LizzyNet - Stand: 24. September 2026