Spitzt die Ohren!

Studie: Wer nur auf die Stimme hört, kann Gefühle anderer besser einschätzen

Viele Menschen setzen heute auf Videokommunkation - irgendwie fühlt man sich dem anderen näher, wenn man auch die Mimik und Gestik sehen kann.
Eine neue Studie, die im Fachjournal American Psychologist erschienen ist, legt jedoch nahe, dass auch im digitalen Zeitalter reine Audio-Kommunikation manchmal besser verrät, was das Gegenüber fühlt. Denn die Stimme ist verräterisch, ganz besonders wenn der/die Gesprächsparter_in sich ganz allein auf diese konzentriert und nicht durch andere Körpersignale abgelenkt wird.

Was Mimik und Körpersprache über unsere Gefühle verraten, wurde intensiv erforscht. Das könnte aber genau der Grund sein, warum sie gar nicht mehr so viel über die tatsächlichen Gefühle verraten. Möglicherweise setzen Menschen dieses Wissen nämlich gezielt ein, um ihr Gegenüber zu täuschen. Vielen sind ja Tricks bekannt, wie man ehrlicher erscheint, offener wirkt und unerwünschte oder unangebrachte Gefühle besser verbirgt. Die Stimme aber ist schwerer zu kontrollieren und zu manipulieren, meinen Michael Kraus und seine Kolleg_innen von der Yale University.

Sie untersuchten in insgesamt fünf Experimenten, welche Rolle die Stimme bei der Gefühlserkennung spielt. Dazu zeigten sie ihren Testpersonen Videos, in denen  verschiedene Menschen miteinander reden und sich necken. Einige Testpersonen bekamen Ton und Bild zu sehen, eine andere Gruppe nur den Ton, eine dritte nur die Bilder. Die Testpersonenn sollten anschließend auf einer Skala von 0-8 bewerten, welche Gefühle die gezeigten Personen empfinden. Außerdem wurden die Dialoge weiteren Testpersonen mit einer digitalen Stimme vorgespielt, um zu überprüfen, wie wichtig der Informationsgehalt der bloßen Wörter ist. In einem weiteren Experiment sollten Student_innen miteinander sprechen - teilweise in dunklen Räumen - und anschließend einschätzen, was die Gesprächspartner während der Konversation fühlten.

Heraus kam, dass die Stimme allein - ohne zusätzliche Informationen über Gesten und Mimik - den Beobachter_innen am zuverlässigsten Auskunft über die Gefühle ihres Gegenübers gibt. Am schlechtesten schnitt hingegen die Gruppe ab, die lediglich eine digitale Stimme gehört hatte. Es spielt also tatsächlich eine Rolle, wie man etwas sagt, nicht was.
Die Proband_innen in den dunklen Räumen oder die nur die Audiospur der Videos gesehen hatte, waren hier am treffsichersten.

Die Forscher_innen glauben, dass ein Grund ist, dass die Stimme sich besonders schlecht verstellen lässt und Emotionen direkter transportiert. Zudem macht es die Zuhörer_innen effektiver im Erkennen von Gefühlen, wenn sie sich auf einen Sinn konzentrieren können als wenn ihre Aufmerksamkeit ständig zwischen akustischen und nonverbalen Signalen hin- und herspringen müssen.

Wenn du also wissen willst, was ein bestimmter Mensch wirklich fühlt, dann spitz die Ohren und greif zum Hörer oder triff dich und schließe die Augen, während du dem lauschst, was er zu sagen hat.

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Autorin / Autor: Redaktion