Senk ju vor träwelling

Warum wir typische Aussprachefehler in Fremdsprachen trotz jahrelangen Übens nicht loswerden

Manche sind einfach Sprachgenies, und man merkt ihnen kaum an, wenn sie nicht in ihrer Muttersprache unterwegs sind. Für viele aber bedeutet eine Fremdsprache ein ewiger Kampf mit der richtigen Aussprache. Für die Deutschen typisch ist der klassische „th“-Fehler im Englischen. Der ist inzwischen zum Running-Gag „Senk ju vor träwelling“ geworden, worüber sich alle schlapp lachen, auch wenn sie den Fehler selbst machen. Das Paradoxe daran: Obwohl wir bei anderen den deutschen Akzent hören, können wir den Fehler bei uns selbst trotz jahrelangen Übens nicht abstellen. Sprachwissenschaftler_innen fanden nun heraus, warum das so ist: „Viele Menschen überschätzen das eigene Niveau ihrer Aussprache“, sagt Eva Reinisch von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). „Sie finden ihr Englisch in der Regel besser als das anderer Sprachschüler, obwohl sie die gleichen Fehler machen.“ Diese Selbstüberschätzung mache es so schwer, eine Fremdsprache akzentfrei zu lernen.

Im Rahmen der Studie hat Rheinisch zusammen mit Nikola Eger (LMU) und Holger Mitterer von der Universität Malta insgesamt 24 Probandinnen zunächst 60 einfache Sätze vorlesen lassen wie „The family bought a house”, „The jug is on the shelf” oder „They heard a funny noise”. Einige Wochen später hörten die Teilnehmerinnen einzelne aufgenommene Sätze von insgesamt vier Sprechern wieder, darunter auch die von sich selbst. Nach jedem Satz sollten sie die Aussprache mit einer Schulnote bewerten. Damit die Testpersonen die eigenen Sätze nicht erkennen konnten, wurden alle Aufnahmen verfremdet, im konkreten Fall in typisch männliche Stimmen umgewandelt. Das überraschende Ergebnis: In allen Fällen gaben sich die Probandinnen selbst die beste Aussprachenote, obwohl sie ihre „eigene“ Stimme nicht mehr erkannt haben.

Wie kommt dieser Effekt zustande? Zum einen wissen die Forscher_innen aus früheren Studien, dass Akzente, die man gut kennt, einfacher zu verstehen sind. „Unsere eigene Stimme kennen wir gut und finden sie daher gut verständlich“, sagt Reinisch, die am vom Institut für Phonetik und Sprachverarbeitung forscht. Deswegen fänden wir unseren eigenen Akzent gut verständlich und daher besser, als er sei. Eine andere mögliche Erklärung sei aber auch der sogenannte „mere-exposure“-Effekt. Dieser beschreibt, dass wir Dinge, die wir kennen, als angenehmer einschätzen. Und die eigene Aussprache ist natürlich etwas, das uns am nächsten steht. 

Die Studie zeigt, wie wichtig externes Feedback beim Fremdsprachenlernen ist, da es uns gezielt auf unsere Fehler aufmerksam macht. „Wir können uns nicht verbessern, solange wir denken, dass wir eigentlich schon ganz gut sind“, betont Reinisch. Ansonsten drohe ein Effekt, den die Forscher_innen „Fossilisierung“ nennen. Dabei glaubt man, das Ziel schon erreicht zu haben, obwohl das objektiv nicht der Fall ist, und sieht daher keinen Grund mehr, weiter zu üben. Die LMU-Sprachwissenschaftler_innen denken darüber nach, wie man künftig die Aussprache mit Hilfe von Apps verbessern könnte, die ein externes Feedback generieren.

Eine Studie der zeigt nun, dass jeder dabei die eigene Aussprache am besten findet.

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 10. Februar 2020