Schriften-Wirrwarr

PädagogInnen streiten um Einführung einer neuen Grundschrift

Es ist ein stetiger Streit zwischen TraditionalistInnen und ReformerInnen, der gerade neu entflammt: Ist die Schreibschrift noch zeitgemäß, oder sollten alle Kinder in der Schule eine Art Druckschrift erlernen.

Nachdem Hamburg im Jahr 2011 die Schreibschrift abschaffte, stellen immer mehr Bundesländer ihren LehrerInnen frei, ob sie ihren SchülerInnen geduldig Schnörkel und Schwünge beibringen oder die vom Grundschulverband propagierte Grundschrift, die aus verbindenden Druckbuchstaben besteht. Dabei soll die Grundschrift nicht eins zu eins kopiert werden, sondern lediglich als eine Art Anhaltspunkt dienen, an dem sich die Kinder orientieren können. Im besten Fall soll diese Grundschrift auch durchaus verbunden sein, doch unter Anleitung ihrer LehrerInnen können die SchülerInnen verstärkt selbst ausprobieren, wo beispielsweise eine Buchstabenverbindung oder ein „Luftsprung“ sinnvoll wäre. Die neue Grundschrift möchte es SchülerInnen somit ermöglichen, schneller als auf herkömmlichem Wege, zu einer eigenen, individuellen Handschrift zu finden. Diese sollte laut Kultusministerkonferenz mit Vollendung der vierten Klassen „gut lesbar und flüssig schreibbar“ vorhanden sein.

Fehlende Langzeitstudien
Dass die Schreibschrift in Zeiten immer modernerer Texteingabemöglichkeiten nicht mehr zeitgemäß ist, ist wohl nicht von der Hand zu weisen. Nichtsdestotrotz fehlt es an Studien über die Konsequenzen und langfristigen Folgen der Einführung einer neuen Schrift. Ursula Bredel, Germanistikprofessorin in Hildesheim, kritisierte in der Welt am Sonntag: „Vor der Einführung der Grundschrift im Schulunterricht wäre ein wissenschaftlich gut begleitetes Pilotprojekt wünschenswert gewesen, mit Kontroll- und Experimentalgruppen, bei denen man testet, wie sich die Schreibkompetenz über einen längeren Zeitraum entwickelt.“

Verankerung oder Muskelverhärtung?
Der Grundschulverband braucht aber anscheinend keine streng wissenschaftlichen Auswertungen, um die bislang gemachten Erfahrungen an rund 50 Grundschulen positiv zu bewerten. In einer kürzlich gestarteten Kampagne ermutigt der Verband LehrerInnen bundesweit zum Erproben der Grundschrift. Befürworter der Schreibschrift sagen, dass das Schreiben aus einem Guss Lernprozesse fördere und Wörter sowie Grammatik im Gehirn durch die sich wiederholende Handbewegungen besser verankere. Gegner hingegen sehen im Erlernen der Schreibschrift verlorene Zeit, die mit wichtigeren Lerninhalten gefüllt werden könne. Manch einer spricht sogar von gesundheitsschädlichen Muskelverhärtungen, die durch die Schreibschrift ausgelöst werden könne.

Gute Erfahrungen aus der Schweiz
Zuspruch finden die ReformerInnen in den guten Erfahrungen aus der Schweiz. Die „Luzerner Basisschrift“ ist hier seit 2006 zulässig und ist der deutschen Grundschrift sehr ähnlich. Kleine Häkchen an den Buchstaben legen den SchülerInnen zwar nahe, wo diese verbunden werden könnte, trotzdem dürfen die Schreiberlinge auch hier selbst entscheiden, ob sie das tun und werden von ihren LehrerInnen lediglich beraten. Eine Studie der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz zeigt auf, dass vor allem Jungen, die von Beginn an die „Luzerner Basisschrift“ erlernt haben, später einmal leserlicher schreiben. Insgesamt schreiben alle Kinder mit der Grundschrift zügiger als mit der klassischen Schreibschrift.

Auch wenn immer noch kein Ende des Streits in Sicht scheint, bei einem sind sich beide Lager einig: Mit der Hand zu schreiben – egal ob in klassischer Schreibschrift oder neuer Grundschrift – ist allemal besser, als nur noch über die Tastatur unserer Tablet, Smartphones und anderer technischer Geräte.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion / EG - Stand: 4. Juli 2014
 
 
 

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