Schöne Tiere zuerst

Studie: Beim Artenschutz sind die Menschen wählerisch

Stellt euch vor, ihr solltet eine moderne Arche Noah zusammenstellen und damit den Erhalt bestimmter bedrohter Tierarten sicher stellen. Welche Tiere würdet ihr wählen? Niedliche Eisbärbabys oder ein Paar Knoblauchkröten? Eine Tigerfamilie oder Grottenolme? Den Seeadler oder den Aas-Erdkäfer? Keine Frage, oder? Und damit offenbart sich schon ein offensichtliches Dilemma: der Mensch ist nicht nur verantwortlich für das Artensterben, indem er Lebensräume der Flora und Fauna vernichtet, sondern er ist auch wählerisch, wenn er seine Fehler zumindest teilweise wieder gut machen will.

Der Forscher Ernest Small hat untersucht, welche Kriterien bedrohte Arten erfüllen müssen, um besondere Aufmerksamkeit in der Schutz-Debatte zu erhalten. Dabei ist er zu der Erkenntnis gelangt, dass Menschen sich in der Bio-Diversitäts-Diskussion zu stark von Eigenschaften wie Attraktivität, wirtschaftlichem Nutzen und Symphatie leiten lassen und dabei zu viele gefährdete Arten aus dem Blick verlieren.

Nashörner, Tiger, Eisbären, Seeadler: sie sind schön, groß, stark, majestätisch, als Babys sogar niedlich und extrem posterverdächtig. Beste Voraussetzungen, um Interesse an der Erhaltung der Biodiversität zu wecken.
Auch Bienen weiß der Mensch zu schätzen und zu schützen, sind sie doch für die Befruchtung seiner Felder unabkömmlich. Bunte Vögel, schnelle Läufer, essbare Tiere und singende Vögel stehen in der menschlichen Gunst und genießen darum einigermaßen Beachtung und Schutz.

Doch die meisten Tiere, die von Ausrottung bedroht sind, sind weder besonders schön, noch besonders nützlich - zumindest aus menschlicher Sicht. Giftige, stinkende, aasfressende oder blutsaugende Tiere brauchen auf den menschlichen Beistand nicht zu hoffen. Auch zu kleine Tiere, die wir nicht in Zoos bestaunen können, die womöglich für uns unsichtbar unter der Erde hausen oder unschöne Geräusche von sich geben, will der Mensch in seiner modernen Arche Noah lieber nicht beherbergen. Insekten, Würmer, Schlangen müssen leider draußen bleiben.

Wenn Menschen also dazu bewegt werden sollen, die Artenvielfalt zu bewahren - etwa indem sie ihr Konsumverhalten anpassen - dann müssen ihnen offenbar Hochglanz-Tiere vor Augen geführt werden, kristisiert der Forscher. Die Vorurteile und Gleichgültigkeit gegenüber wenig attraktiven Arten ist dem Wissenschaftler zufolge aber kurzsichtig, denn die Schönheit und Attraktivität eines Tieres habe nichts mit seiner Bedeutung für das ökologische Gleichgewicht auf der Erde zu tun.
Der Mensch brauche darum zwar nicht seine Bewunderung für die großen, starken, schnellen oder machtvollen Tiere abzulegen, wohl aber müsse er die Vorurteile gegenüber weniger privilegierten Arten ablegen.

Der zweiteilige Artikel ist unter dem Titel "The new Noah's Ark: beautiful and useful species only Part 1 & Part 2" im Fachjournal "Biodiversity" veröffentlicht.

Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 8. Juni 2012
 
 

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