Schleichwerbung im Schulbuch

Diskussionspapier will Lobbyismus an Schulen aufdecken

Wenn ihr ein Schulbuch zum Thema Ernährung in der Hand halten würdet, auf dessen Buchdeckel in großen Lettern stünde "Powered by Coca Cola", würdet ihr es als kritischer Geist sicher schnell als Werbung entlarven, oder? Nicht ganz so platt, aber eigentlich genauso unzulässig verfahren aber andere Unternehmen, indem sie immer häufiger Einfluss auf Unterrichtsinhalte nehmen. Ihre Methoden sind subtil: Sie erstellen Unterrichtsmaterialien wie zum Beispiel Arbeitsblätter, richten Schulwettbewerbe aus und organisieren Lehrerfortbildungen. "Doch hinter dem scheinbar wohlmeinenden Engagement stehen konkrete Interessen, die dazu führen, dass die Inhalte einseitig werden. Kinder und Jugendliche als Wähler und Konsumenten von morgen werden zum Ziel einer langfristigen und umfassenden Lobbystrategie", schreibt LobbyControl- Initiative für Transparenz und Demokratie, ein Verein, der sich die Aufklärung über Machtstrukturen und Einflussstrategien in Deutschland und der EU zum Ziel gesetzt hat.

In einem jetzt veröffentlichten Diskussionspapier mit dem Titel "Lobbyismus an Schulen" deckt der Verein auf, mit welchen Methoden Lobbyisten Einfluss auf den Unterricht nehmen und welche Motive dahinter stecken. Die AutorInnen wollen aufrütteln und sind davon überzeugt, dass die Einflussnahme auf Kinder und Jugendliche professionell organisiert wird und Teil langfristiger und umfassender Lobbystrategien ist.

Gründe der Einflussnahme
Schon in den 90er Jahren hätten Unternehmen und Wirtschaftsverbände begonnen, ihren Einfluss an Schulen auszubauen, um SchülerInnen als Wählerinnen und Konsumenten von morgen für sich zu gewinnen, klären die AutorInnen auf. Inzwischen seien zwei weitere Motive hinzugekommen: Unternehmen möchten sich als attraktiver Arbeitgeber darstellen, um schon frühzeitig Nachwuchs rekrutieren zu können, und manche Branchen wie zum Beispiel die Finanzbranche möchten einfach nur ihr schlechtes Image aufpolieren.

So würden Unterrichtsmaterialien angeboten, die oft einseitig über Sachverhalte wie Finanzthemen oder Umweltschutz aus der Sicht der Unternehmen informierten, kritische Betrachtungsweisen jedoch nicht zuließen oder an den Rand drängten, kritisiert das Diskussionspapier.

Besonders brisant finden die AutorInnen die Einflussnahme der Wirtschaft in Schulbüchern, denn diese sind Teil der offiziellen Schulbildung. Ob eine positive Einstimmung auf Gentechnik durch Chemiekonzerne, die Kritik an einem "verkrusteten Sozialstaat, der zurückgeschnitten werden müsse" durch wirtschaftsnahe Stiftungen, oder die Reduzierung des Themas Energiewende durch große Stromkonzerne aufs Stromsparen - das Diskussionspapier zählt viele Beispiele von einseitiger Einflussnahme auf und gibt Tipps, wie LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern damit umgehen können. Die Forderungen an die Politik lauten: Für externe Unterrichtsmaterialien sollte eine staatliche Monitoringstelle eingerichtet werden, die LehrerInnen hilft, solche Materialien zu prüfen, bevor sie sie unkritisch an SchülerInnen weitergeben. Um die Meinungsmache durch Lobbyismus an Schulen einzudämmen, müssten außerdem langfristig die Schulen finanziell besser ausgestattet werden, denn chronischer Geldmangel mache Schulen anfälliger für externe Angebote.

Mit einem offenen Brief an die Bildungsminister will der Verein jetzt gegen diese Einflussnahme auf Kinder und Jugendliche protestieren und eine breite Debatte in Gang setzen.

Das Diskussionspapier anschauen:

Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 6. Mai 2013
 
 
 

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