Ritterlich bevormundend

Forschung: Kinder, die "wohlwollend sexistische" Ansichten haben, haben wahrscheinlich auch negative

Kinder, die scheinbar positive, "wohlwollende" Ansichten über Frauen haben, haben wahrscheinlich auch negative. Das zeigt ein Forschungs-Team um Andrei Cimpian von der New York University und Matthew Hammond Matthew Hammond von der neuseeländischen Victoria University of Wellington.

Cimpian und Hammond erläutern, dass der Begriff "Sexismus" von den meisten als Bezeichnung für offensichtlich negative Einstellungen gegenüber Frauen verstanden werde. Dazu könne beispielsweise die Wahrnehmung gehören, dass Frauen schwach, inkompetent oder übermäßig emotional sind. Sie stellten jedoch fest, dass es noch einen anderen Aspekt des Sexismus gibt, der oft übersehen werde - nämlich das, was Forscher_innen als "wohlwollenden Sexismus" bezeichnen. Dabei sind Haltungen gemeint, die positiv erscheinen, aber Frauen immer noch untergraben und bevormunden - zum Beispiel, dass Frauen warm, fürsorglich und rein sein sollten und es verdienen, auf ein Podest gestellt zu werden. Auch bei Kindern treten solche wohlwollenden Sexismen zu Tage.

"Es mag niedlich erscheinen, wenn sich ein Junge gegenüber Mädchen ritterlich verhält oder wenn ein Mädchen vorgibt, eine Prinzessin zu sein, die darauf wartet, dass ein Prinz sie rettet", sagt Andrei Cimpian. "Oftmals ist dies nur ein Spiel ohne tiefere Bedeutung. Aber ein anderes Mal könnten diese Verhaltensweisen - auch wenn sie harmlos erscheinen mögen - ein Zeichen dafür sein, dass Kinder Frauen in einem negativen Licht betrachten, als schwach, inkompetent und unfähig, ohne die Hilfe eines Mannes zu überleben oder zu gedeihen."

Ob solche Ansichten bei Kindern ebenfalls gleichzeitig mit negativen Ansichten vertreten sind, war Gegenstand einer Befragung, in deren Rahmen mehr als 200 Kinder in New York City und Urbana-Champaign im Alter von 5 bis 11 Jahren zu ihren Einstellungen interviewt wurden. So wurden sie gefragt, ob eine Reihe von Aussagen "richtig" oder "falsch" seien. Die Aussagen umfassten sowohl wohlwollende Ansichten (z.B. "Männer müssen Frauen vor Gefahren schützen") als auch feindselige (z.B. "Frauen regen sich über kleine Dinge mehr auf als Männer").

Bei der Auswertung stellten die Forscher_innen fest, dass die Kinder statistisch gesehen zwar sehr unterschiedlich auf diese feindlichen und wohlwollenden Ansichten über Frauen reagierten, aber doch ein Zusammenhang deutlich wurde: Wenn ein Kind einer feindseligen Äußerung zustimmte, dann stimmte es wahrscheinlich auch einer wohlwollenden Äußerung zu.

"Das ist etwas, was wir vorher nicht über die geschlechtsspezifischen Einstellungen kleiner Kinder wussten", bemerkt Cimpian.

Feindlicher Sexismus nimmt mit zunehmendem Alter der Kinder ab
Darüber hinaus zeigten die Ergebnisse, dass der feindselige Sexismus bei Kindern sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen mit zunehmendem Alter abnahm. Der wohlwollende Sexismus nahm jedoch nur bei Mädchen - und nicht bei Jungen - mit zunehmendem Alter ab.

"Jungen erkennen möglicherweise seltener, dass ihre wohlwollende Haltung gegenüber Frauen in Wirklichkeit bevormundend ist", meint Cimpian. "Sie mögen zum Beispiel an dem Glauben festhalten, dass Männer Frauen schützen sollten, weil diese Ansicht mit den gesellschaftlichen Normen übereinstimmt und während ihrer Erziehung verstärkt werden kann.

Die Autoren der Studie sehen die gegenwärtigen Umstände der Corona-Krise als eine Chance, auf die Bedenken einzugehen, die die Ergebnisse der Studie aufwerfen.

Drüber sprechen lohnt sich!
"Eltern und Kinder verbringen heutzutage viel Zeit miteinander, so dass es viele Gelegenheiten für Gespräche gibt", sagt Hammond. "Es könnte sich lohnen, ein paar Minuten darüber zu diskutieren, wie ihrer Meinung nach Männer und Frauen sein sollten".

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung New York University - Stand: 28. April 2020