Rankings nützen nur der Nr. 1

Wer sich anhand von Ranglisten entscheidet, bleibt oft bei der Top-Position hängen und übersieht dabei wichtige Informationen

Die beste Uni, der beste Staubsauger, das beste Restaurant. In einer Welt, in der wir in Informationen über Produkte und Dienstleistungen regelrecht ertrinken, suchen wir Halt und Orientierung. Rankings können uns dabei helfen, Entscheidungen zu fällen. In welches Restaurant will ich gehen, in welchem Fitnessstudio einen Vertrag abschließen, welcher ist der beste Staubsauger?

Die Wissenschaftler Jinseok Chun von der Sungkyunkwan University in der Republik Korea und Richard P. Larrick von der Duke University haben in einer Studie allerdings herausgefunden, dass von solchen Rankings eigentlich nur die Erstplatzierten profitieren, während die anderen eher Nachteile haben. "Die Auswirkungen dieses Phänomens sind in fast allen Bereichen der Gesellschaft zu finden, da Rankings praktisch überall zu finden sind - Filme, Romane, Autos, Staubsauger und sogar akademische Einrichtungen wie Universitäten werden in der Regel bewertet, erklärt Chun.

Gesamt-Ranking wichtiger als Detailinformationen

In ihrer Studie hatten die Forscher_innen sieben verschiedene Experimente mit mehr als 3.600 Online-Teilnehmer_innen durchgeführt und außerdem historische Sportdaten analysiert. In den Experimenten ging es um Entscheidungen anhand von Rankings, etwa die Restaurant- oder Fitnessstudiowahl oder die Einstellung geeigneter Bewerber_innen. Dabei zeigte sich immer wieder eine Fokussierung auf die Spitze der Hierarchie. Die Betrachter_innen solcher Bestenlisten konzentrierten sich demnach auf Platz eins und verlieren dabei wichtige Details aus dem Blick. In einem Versuch etwa wurde den Teilnehmenden eine Rangliste von Restaurants gezeigt und dazu eine detaillierte Bewertung zu einzelnen Kriterien wie „Essen“, „Service“ und „gesamt“. Das Ranking basierte allein auf der Bewertung „gesamt", was die Teilnehmenden auch wussten. Trotzdem entschieden sie sich häufiger für das Restaurant, das bei „gesamt“ am besten abgeschnitten hatte und seltener für das Restaurant, das bei „Essen“ die höchsten Bewertungen bekommen hatte, in der Gesamtwertung aber „nur“ auf Platz 2 landete. Teilnehmende, die nur die detaillierten Bewertungen ohne Rangliste gesehen hatten, entschieden sich öfter für das Restaurant mit der höchsten Essensbewertung.

Auch in anderen Bereichen wurde das Phänomen sichtbar. So wurden Basketballspieler_innen von US-Sportjournalisten eher in das All-NBA-Team gewählt, wenn sie  in einer der drei Kategorien (Punkte, Assists und Rebounds pro Spiel) den ersten Platz belegten. Andere Spieler_innen, die eine vergleichbare Gesamtleistung hatte, aber nirgendwo auf Rang 1 lagen, gingen hier leer aus. 

Offenbar verleiten uns Rankings dazu, dem ersten Platz im Ranking unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit zu widmen und dabei die Stärken der anderen Optionen außer Acht zu lassen. Rankings hätten demzufolge Vor- und Nachteile. Sie könnten angesichts einer überhand nehmenden Informationsflut Entscheidungen erleichtern, aber auch dazu führen, dass wir wichtige Informationen gar nicht wahrnehmen und damit nicht optimale Entscheidungen treffen.

Die Studie wurde im Journal of Personality and Social Psychology veröffentlicht.

So lange Rankings nur die Restaurantwahl beeinflussen, ist das sicher wenig problematisch, denn spätestens beim zweiten Besuch spielen eigene Erfahrungen mit (war das Restaurant lecker, war die gute Rankingposition berechtigt?). Wenn es aber um die Wahl der besten Uni, der besten Ausbildung oder des besten Jobs geht, solltet ihr Rankings kritisch betrachten. Lasst euch von der Top 1 nicht blenden, sondern vertieft euch in die Aspekte, die für euch wichtig sind. Denn manchmal ist die 2, die fünf oder auch die 21 für eure Anforderungen die bessere Wahl.

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Autorin / Autor: Redaktion / Presseinformation