Politikverdrossen oder Straßenkämpfer?

Europaweite Jugendstudie fragt: Was denkt Europas "Generation Facebook“?

Was denkt Europas Jugend? Wie und in welcher Form engagiert sich die „Generation Facebook“? Antworten darauf sucht eine neue europaweite Jugendstudie. Sozialforscher wollen im Forschungsprojekt MyPlace (Memory, Youth, Political Legacy and Civic Engagement), das von der EU gefördert wird, 18.000 Jugendliche in 14 Ländern Europas repräsentativ befragen. Die Männer und Frauen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren sollen in persönlichen Interviews über ihre politischen Einstellungen und Beteiligungsformen Auskunft geben. Dabei wird auch erstmals in einem so großen Projekt untersucht, welche informellen Formen der Beteiligung die heutige Jugend nutzt und erwartet.

Politikverdrossen?
„Jugendliche werden oft als politikverdrossen, desinteressiert und wenig engagiert bezeichnet“, sagt Dr. Robert Grimm von der Manchester Metropolitan University in England. „Andererseits nehmen Studenten- und Jugendproteste, etwa in Spanien, Griechenland und Portugal, zu“, benennt der Leiter eines Teilprojektes ein Beispiel für die unterschiedlichen Wahrnehmungen. Bei MyPlace, das von England aus koordiniert wird, geht es darum herauszufinden, wie die politischen Einstellungen und Vorstellungsbilder sowie die politischen Beteiligungsformen von Jugendlichen durch unterschiedliche historische, kulturelle und soziale Gegebenheiten in Europa geprägt werden. So lautet eine der Fragen, inwiefern die ökonomische Situation die Einstellung der Jugendlichen bestimmt.

Was denken Jugendliche aus Bremen, Bremerhaven, Rostock und Jena?
Deutschland ist eines der 14 Länder, in denen Jugendliche fast zeitgleich befragt werden, um die vergleichende Studie zu ermöglichen. Repräsentiert wird die Bundesrepublik durch die Städte Bremen, Bremerhaven sowie Rostock und Jena. Die Soziologen der Universität Jena um Prof. Dr. Klaus Dörre sind als Partner an dem vierjährigen Projekt beteiligt. „Es bestehen intensive Kontakte zu Jugendlichen und wir haben große Erfahrungen mit Datenerhebungen sowie Befragungen und Analysen zu Einstellungen, die wir in das EU-Projekt einfließen lassen werden“, sagt Prof. Dörre, der auf eine hohe Beteiligung der Jenaer Jugendlichen hofft.

Persönliche Interviews
Dass das Ziel, 600 repräsentativ ausgewählte Jugendliche in Jena zu befragen, gar nicht so leicht zu erreichen ist, unterstreicht Dr. Alexander Glantz vom Sozial- und Marktforschungsinstitut Ipsos, das die Umfragen in Jena und Rostock durchführt. „Damit eine Studie repräsentativ wird, sind wir auf die Teilnahmebereitschaft der ausgewählten Jugendlichen angewiesen“, sagt seine Kollegin Armgard Zindler. Rund 20 geschulte Interviewerinnen und Interviewer werden ab 21. Januar 2013 die Jugendlichen mündlich-persönlich befragen.

Zufallsstichprobe
Ihre Auswahl erfolgte auf der Basis einer Zufallsstichprobe aus den Verzeichnissen der Einwohnermeldeämter. „Durch dieses methodisch anspruchsvolle Verfahren ist sichergestellt, dass die Ergebnisse bis auf zufallsbedingte Schwankungen auf die Jugendlichen in den jeweiligen Städten verallgemeinerbar sind“, so Zindler. In den ca. 50-minütigen Interviews werden neben dem politischen Interesse und dem Beteiligungsverhalten unter anderem auch Einstellungen zu gesellschaftlichen Themen und Demokratie erfragt. Als kleines Dankeschön erhalten die Befragten eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 10 Euro. „Die Studie wird unter Einhaltung strengster datenschutzrechtlicher Bestimmungen durchgeführt und in anonymisierter Form ausgewertet“, betont Dr. Glantz. „Das bedeutet, dass die Namen und Adressen der Teilnehmer absolut geschützt werden und keine Rückschlüsse auf ihre Antworten möglich sind.“

Wenn ihr also demnächst eine Einladung zum Interview im Briefkasten findet, habt ihr die einmalige Chance, eure Ansichten in das Bild der europäischen Jugend miteinfließen zu lassen ;-)

Autorin / Autor: Pressemitteilung - Stand: 14. Januar 2013
 
 
 

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