Nachhaltige Weltbürgerbewegung

Wie Klimaschutzbewegungen träge Klimapolitik auf Trab bringen

Bild: LizzyNet

PolitikerInnen haben alle Hände voll zu tun, das wissen wir. Dennoch darf dies keine Entschuldigung dafür sein, in der Klimapolitik die Hände in den Schoß zu legen, denn der Klimawandel wartet nicht auf unsere Reaktion, sondern schreitet ungebremst voran. Aber, laut einem Sondergutachten zum Thema „Klimaschutz als Weltbürgerbewegung“ gibt es Hoffnung inmitten dieser Menschheitskrise - und zwar aus der Mitte der Zivilgesellschaften. Überall auf der Welt. Wie der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) in seinem Sondergutachten beschreibt, gibt es immer mehr starke Bewegungen in Richtung Nachhaltigkeit. Sie formieren sich in Sozialen Netzwerken, Städten und Kommunen, Religionsgemeinschaften, Unternehmens- und Staatenzusammenschlüssen und helfen Klimaschutzinitiativen dabei, politische Entscheidungsträger zum kraftvollen Handeln jenseits des Tagesgeschäfts anzutreiben. 

Solche gesellschaftlichen Bewegungen könnten wertvolle Verbündete werden bei der Überwindung des klimapolitischen Stillstands und bei der Gestaltung einer Zukunft ohne Klimachaos, meinen die VerfasserInnen des Sondergutachtens, das der WBGU am 17. September anlässlich des Klimagipfels in New York an die Bundesregierung übergab.

"Jede Kommune, jedes Unternehmen und jeder Bürger muss individuell „die Null schaffen"
„Der 5. Sachstandsbericht des IPCC hat unmissverständlich klar gemacht: inakzeptable Klimafolgen werden sich jenseits der 2 °C-Klimaschutzleitplanke häufen. Diese Risiken können nur vermieden werden, wenn bis spätestens 2070 die globalen CO2-Emissionen auf Null sinken,“ sagt der Co-Vorsitzende des WBGU, Hans Joachim Schellnhuber. Jedes Land, jede Kommune, jedes Unternehmen und jede/r BürgerIn müssten individuell „die Null schaffen“, wenn die Welt als Ganzes klimaneutral werden soll, so das Gutachten. Trotzdem könne die 2°C-Klimaschutzleitplanke nur gehalten werden, wenn zahlreiche Länder – insbesondere die reichen OECD-Staaten – schon deutlich früher ihre Emissionen senken.

Geldanlagen aus dem fossilen Sektor herausholen
Die Aktionen der Klimaschutzbewegungen sind vielfältig. Ein Beispiel ist sogenannte "Divestitionsbewegung", die sich an Universitäten in den USA formiert hat und gegen die Förderung fossiler Energien vorgeht. Ihre Strategie ist, Unternehmen dazu zu bringen, ihre Beteiligungen aus dem fossilen Sektor (Öl- und Gasförderung, Kohleabbau etc.) abzuziehen, sie also zu de-investieren, und sie in nachhaltigere Anlagen zu investieren.

Klimaschädliche Waren boykottieren
„Jeder einzelne Verbraucher kann jedoch nicht nur durch sein Anlageverhalten Klimaschutz mitgestalten, sondern auch gezielt klimaschädliche Waren boykottieren oder klimaverträgliche Waren kaufen,“ sagt WBGU-Mitglied Ellen Matthies. Auch die Behörden könnten sich entscheiden, nur noch nach ökologischen Kriterien einzukaufen. Nicht zuletzt habe auch die Privatwirtschaft ein erhebliches Potenzial, klimaverträgliche Produkte zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.

„Bei all diesen Initiativen übernimmt die Gesellschaft selbst Verantwortung, sie kann auf diese Weise internationale Klimadiplomatie ergänzen und wiederbeleben“, so WBGU-Mitglied Claus Leggewie. Trotzdem blieben Internationale Vereinbarungen im Rahmen der Vereinten Nationen für eine erfolgreiche Klimapolitik weiterhin unverzichtbar. Das Gutachten empfiehlt deshalb, das neue globale Klimaschutzabkommen als rechtsverbindliches Protokoll zur UN-Klimarahmenkonvention auszugestalten. Darin verankert werden müsse die 2 °C-Leitplanke und ein konkretes Zieljahr, in dem CO2-Emissionen aus fossilen Energieträgern vollständig heruntergefahren werden.

Ein Projekt der ganzen Weltgesellschaft
Wie der Bericht analysiert, scheitert die internationale Klimapolitik oft an der konventionellen "vertikalen Verantwortungsarchitektur". Dabei werde Zukunftsgestaltung im Großen von den BürgerInnen an die Repräsentanten "da oben" delegiert. Diese wiederum vernachlässigten aber dann ihre Aufgabe mit dem Argument, sich zuerst auf die „wahren“ Bedürfnisse der vertretenen Gemeinschaft kümmern zu müssen. So entstehe eine Komplizenschaft zu Lasten künftiger Generationen. Den Ausweg sehen die GutachterInnen in der "horizontalen Ebene"; Bürgerbewegungen, die über die Ländergrenzen hinweg agieren,
seien in der Lage, die Mängel globaler Klimapolitik auszugleichen. Ihre hoffnungsvolle Prognose: Zukunftsvorsorge wird so zum Projekt der ganzen Weltgesellschaft.

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Autorin / Autor: Redaktion /Pressemitteilung - Stand: 23. September 2014
 
 
 

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