Von Mitbestimmung und mutigen Bürgermeisterinnen

Studie untersuchte, welche Rolle Politik in Bilderbüchern spielt

Erinnert ihr euch an die Held_innen aus den Bilderbüchern und Kinderfilmen eurer Kindheit? Und waren da etwa politische Amtsträger_innen unter ihnen? Also natürlich jetzt mal abgesehen von König_innen, Prinzen und Prinzessinnen... Die Vorstellung, dass Bürgermeister_innen und Stadtratsmitglieder die Hauptrollen in Kinderbüchern spielen, verursacht wohl eher ein spöttisches Stirnrunzeln. Aber warum eigentlich? Vielleicht könnten Bilderbücher ja schon von Klein auf einen guten Einblick in Politik vermitteln und mehr Lust auf Demokratie machen. Wissenschaftler_innen der University of Kansas (KU) haben sich jetzt mal die Inhalte der beliebtesten Bilderbücher der letzten Jahre angesehen, um zu analysieren, ob und wenn ja welche politischen Botschaften sie enthalten und wie sie präsentiert werden.

"Schüler kennen nicht den Unterschied zwischen einem Präsidenten und einem König"
Nachdem Meagan Patterson, Professorin für Pädagogische Psychologie an der KU, zuvor untersucht hatte, was Kinder generell über Politik, Präsidentschaftskandidaten, politische Prozesse und ähnliche Themen wissen, wollte sie herausfinden, welche Rolle Bilderbücher dabei spielen, politisches Wissen zu vermitteln. Denn was sie schockiert hatte, war, wie wenig Kinder zu diesen Themen wissen. "Sowohl Kindergartenkinder als auch ältere Schüler kennen nicht den Unterschied zwischen einem Präsidenten und einem König", erklärt die Forscherin und findet, dass Bilderbücher doch gut dafür genutzt werden könnten, Gespräche über Politik in Gang zu setzen, oder Kindern Informationen zu vermitteln, die sie von ihren (vielleicht unpolitischen) Eltern nicht erhalten.

Politik ist etwas für Erwachsene oder kommt aus der Vergangenheit
Für ihre Studie analysierte Patterson mit ihrem Team die meistverkauften Kinderbücher auf der Bestsellerliste der New York Times zwischen 2012 bis 2017, wobei sie nach Darstellungen von Themen, Prozessen, Führungspersonen und Symbolen suchten, die etwas mit Politik zu tun haben. Immerhin: In etwa der Hälfte der Bücher fand das Team zumindest eine Stelle, die einen solchen Inhalt hatte. Allerdings enthielten die Bücher nur sehr wenige Informationen über politische Prozesse wie Abstimmungen oder Proteste. Die Abstimmung wurde fast immer in einem formalen Rahmen dargestellt, so wie es Erwachsene tun, die den Präsidenten wählen. Informellere Beispiele, wie z.B. ein Lehrer, der die Schüler_innen darüber abstimmen lässt, wie ein Klassenhaustier heißen soll - eine Szene, die zeigt, dass die Abstimmung etwas ist, an dem jede_r teilnehmen kann - waren dagegen selten.
Auch Proteste kamen in den Büchern selten vor, und wenn doch, dann wurden sie in der Regel als vergangene Ereignisse wie die Bürgerrechtsbewegung dargestellt. Auf heutige, aktuelle Ereignisse nahmen die Bücher dagegen keinen Bezug. Dabei wäre das doch eine gute Gelegenheit für Eltern und Lehrer_innen, über die Bedeutung von Engagement zu sprechen, so Patterson.

Die Monarchie im Bilderbuch
Das Forschungsteam untersuchte auch, wie politische Führungskräfte dargestellt werden. Erwartungsgemäß kamen König_innen häufiger vor als demokratisch gewählte Präsident_innen. Unter den Monarch_innen waren hauptsächlich fiktive Charaktere und interessanter Weise waren es meist Frauen oder Kinder. Die demokratischen Führungspersonen waren dagegen real existierende historische Persönlichkeiten wie Abraham Lincoln oder George Washington.
Es gibt allerdings auch eine gute Seite an den Königs-Geschichten, denn "besonders für Mädchen können diese königlichen Figuren Vorbildfiguren sein, mit denen sie sich identifizieren können", sagt Patterson.
Insgesamt gesehen verpassen Bilderbücher aber eine Chance, schon Kinder an politische Themen heranzuführen. Dabei sei es wichtig, schon früh über die Bedeutung von politischen Prozessen aufzuklären, da die in jungen Jahren gewonnenen Erkenntnisse nachhaltige Auswirkungen auf das Wissen und die Einstellungen haben, die man später als Erwachsene hat. Darüber hinaus sei die Politik ein wichtiger Teil des Lebens, der den Einzelnen und seine Umgebung täglich betrifft, einschließlich der Kinder. Besser ausgebildete, informierte Bürger_innen werden auch eher zu engagierten Erwachsenen, die an politischen Prozessen teilnehmen, erklärt die Forscherin.

Religiöse Erziehung beginnt früher als die politische
Wer politische Themen aus Bilderbüchern heraushalten will, sollte sich nach Meinung von Patterson vor Augen führen, dass religiöse Erziehung schließlich oft auch schon in jungen Jahren stattfindet. Bilderbücher machten es möglich, auch schwierige Themen zu vermitteln. Und oft sei es die Literatur oder das Lesen eines bestimmten Buches, das den Impuls gibt für Berufswahl, Hobbys oder Interessen. "Ich denke, man könnte das Gleiche für die Politik tun", sagte Patterson und fügt hinzu: "Literatur kann einen starken Einfluss haben und die Menschen dafür sensibilisieren, dass Politik ein wichtiges Thema ist".

Die Studie wurde kürzlich im Journal of Genetic Psychology veröffentlicht.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 7. August 2019
 
 

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