Musik vorm Einstich

Studie fand heraus, dass Lieblingssongs bei bestimmten Schmerzen besser wirken als Entspannungsmusik

Wenn ihr das nächste Mal zur Blutabnahme geht oder etwas per Nadel injiziert bekommt, solltet ihr vorher eure Kopfhörer anlegen und euch musikalisch beschallen lassen, denn eine neue Studie belegt, dass Musik – vorausgesetzt es ist die richtige – auch solche Schmerzen lindern kann, die bei Injektionen entstehen. Obwohl immer wieder berichtet wird, dass Musik bei Schmerzen und Stress hilft, ist es schwer herauszufinden, was, wann am besten wirkt. Um dies zu untersuchen, spielten Forschende Patient:innen, denen vor einer MRT (Magnetresonanztomographie) eine intravenöse Kanüle gelegt werden sollte, verschiedene Arten von Musik vor – Mozart, Entspannungsmusik oder ihre Lieblingslieder. Wenig erstaunlich: das Abspielen der Lieblingsmusik wirkte am besten.

„Obwohl eine Nadelpunktion ein kleiner Eingriff ist, kann das Ausmaß der Schmerzen von Person zu Person erheblich variieren“, sagte Dr. Andrei Cristinel Dragnea vom Universitätsspital Zürich, Hauptautor des Artikels in „Frontiers in Pain Research“. „In der modernen Medizin ist es das Ziel der behandelnden Ärzte, nicht nur eine erfolgreiche Diagnose und Therapie zu gewährleisten, sondern auch sicherzustellen, dass der Eingriff so wenig Unbehagen wie möglich verursacht.“

Lieblingsmusik oder Mozart?

Die Wissenschaftler:innen rekrutierten 204 Patient:innen, die sich einer nicht notfallmäßigen MRT-Untersuchung des Gehirns, der Wirbelsäule oder des Kopf- und Halsbereichs unterzogen. Im Rahmen der Untersuchung musste ihnen ein Kontrastmittel über eine Kanüle in die Venen verabreicht werden, was schmerzhaft sein kann. Ein Viertel von ihnen bildete die Kontrollgruppe, das heißt, sie hörten keine Musik, während drei weitere Gruppen entweder ihre Lieblingsmusik, speziell zur Entspannung komponierte Musik oder ein Stück von Mozart – die Sonate KV 448 – hörten, der laut mehreren Studien therapeutische Eigenschaften zugeschrieben werden.

Vor Beginn des Eingriffs sollten diejenigen der Gruppe „Lieblingsmusik“ einen Künstler oder einen Titel nennen, den sie gerne hören würden. Auf einer visuellen Skala konnten sie die Schmerzintensität von 1 (keine Schmerzen) bis 10 (stärkste Schmerzen ihres Lebens) einstufen – und zwar vor und während des Eingriffs sowie anschließend zu zwei Zeitpunkten – 30 Sekunden und zwei Minuten später.

„Von den vier untersuchten Bedingungen zeigten nur Lieblingsmusik und Mozart eine positive Wirkung“, sagte Garcia Alzamora. Patient:innen, die ihre Lieblingsmusik hörten, verspürten sowohl 30 Sekunden als auch zwei Minuten nach dem Einführen der Kanüle weniger Schmerzen. In einer Untergruppe, die bereits vorher über Schmerzen klagte, verringerte das Hören ihrer Lieblingsmusik zudem die Schmerzen zum Zeitpunkt des Einstichs, während Mozart die Schmerzen erst zwei Minuten nach dem Einstich reduzierte.

Entspannungsmusik wirkungslos

Patient:innen, die Entspannungsmusik oder gar keine Musik gehört hatten, gaben an, keine Veränderung der Schmerzen festzustellen. Die Forschenden erklären sich das Phänomen so, dass Entspannungsmusik mit ihrem  langsamen Tempo und der geringen Lautstärke keine nennenswerte Dynamik aufweist und sie deshalb eher ignoriert wird und den Schmerz nicht "übertönen" kann.

„Ich würde Patienten das Musikhören empfehlen, insbesondere Patient:innen, die Musik generell mögen“, sagte Dr. Meritxell Garcia Alzamora vom Universitätsspital Zürich, leitende Autorin des Artikels. Angesichts der Ergebnisse haben die Forschenden vor, häufiger Musik einzusetzen, insbesondere wenn Patient:innen ängstlich oder klaustrophobisch sind – zum Beispiel vor MRTs.
Wenn ihr also wirklich sicher gehen wollt, dass ihr euch bei solchen Untersuchungen von euren Schmerzen ablenken könnt, vergesst nicht eure Lieblingsplaylist mitzunehmen!

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Autorin / Autor: Pressemitteilung / Redaktion; Bild: LizzyNet - Stand: 13. Oktober 2026