Mehr Hirn in der Nase

Studie: Frauen haben einen differenzierteren Geruchssinn

Sie schwärmt vom betörenden Duft der Blumen, er zuckt nur die Schultern und riecht nix. Sie rümpft die Nase und beklagt sich über den entsetzlichen Gestank, er wundert sich nur.
Dass Frauen ein feineres Näschen haben, Gerüche besser wahrnehmen, zuordnen und wiedererkennen können, ist kein Klischee, sondern schon länger bekannt. Bisher war allerdings unklar, warum das eigentlich so ist, und ob es dafür möglicherweise auch eine neurologische Erklärung gibt.

An den Riechrezeptoren an sich kann es nicht liegen, denn Männer und Frauen haben in etwa gleich viele. Bei den meisten Männern ist außerdem der sogenannte Riechkolben (Bulbus olfactorius) größer - damit ist nicht die Nase gemeint, sondern ein Teil des Gehirns, in dem die Informationen, die die Riechzellen sammeln, erstmals weiterverarbeitet werden. Eigentlich haben Männer also beste Voraussetzungen, mindestens genau so gut riechen zu können wie Frauen.

Mehr Zellen im Riechkolben
Den richtigen Riecher für den geschlechtsspezfischen Unterschied hatten nun möglicherweise brasilianische ForscherInnen. Sie vermuteten, dass die bessere Riechfähigkeit im Gehirn sichtbar und an der Anzahl der Zellen im geruchsverarbeitenden Teil des Gehirns erkennbar sein müsse. Gehirnscans verraten jedoch nichts über die Anzahl solcher Zellen, darum untersuchten und vermaßen die ForscherInnen die Riechkolben in den Gehirnen von 18 Verstorbenenen, deren Körper von den Angehörigen zu diesem Zweck freigegeben worden waren, und zählten die darin befindlichen Zellen.

Und siehe da: tatsächlich haben Frauen im Riechkolben deutlich mehr Zellen als Männer, vor allem die Neuronen, die für die Geruchsverarbeitung vermutlich eine entscheidende Rolle spielen, waren bei den Frauen fast doppelt so zahlreich.

In der Regel arbeitet ein Gehirn umso komplexer, je höher die Zahl der Zellen ist. Für den Riechkolben scheint das ebenfalls zu gelten. Darum halten die ForscherInnen es für plausibel, dass eine größere Zahl von Neuronen auch für eine sensiblere Geruchswahrnehmung sorgt. Vermutlich kommen bei Männern und Frauen Gerüche zwar gleich gut an, bei Frauen aber ist die Verarbeitung der Informationen ausgefeilter.

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Autorin / Autor: Redaktion /Pressemitteilung - Stand: 11. November 2014