Mechanisches Tagebuch

Von Lenja Lemmers, 14 Jahre

Tag 2:
Ein äußerst dreckiges und haariges Etwas ist heute in die Zentrale eingekehrt und hat offenbar vor, zu bleiben. Es rennt wild durch die Zentrale und nahm meinen Platz ein. Meinen Ruheort, mit meiner Energie-Tankstelle wurde von dem unbekannten Plüsch Objekt erobert.
Das Schlimmste ist aber, er sondert eklig riechende Flüssigkeiten ab.
Mit braunen, Tischtennisball großen Glubschaugen, starrte er mir in meinen Prozessor.
Jetzt soll ich auch noch seine Haare weg machen! Wer bin ich denn, bitte? Seine persönliche Putzfrau?!
Das sabbernde Ding hob seine Lefzen und ließ seine weißen Zähne hervorkommen.
Kein besonders schöner Anblick, wenn ihr mich fragt! Auch schon diese laufenden, schreienden und ebenfalls sabbernden Menschen, sind kaum auszuhalten.
Die einzige menschliche Person, die mich mag und ich sie, ist die mittlere Tochter Alina.
Sie macht nie Unordnung oder Dreck, ist leise und steht mir nie im Weg.
Ein tolles Kind!
Ohne meine tägliche Hilfe und schwere Arbeit, würde diese Zentrale schon längst nur noch Schutt und Asche sein!

Tag 6:
Das sabbernde Ding hat einen Namen bekommen. Wuffel.
„Wuffel, komm her! Wuffel, hol das Stöckchen! Wuffel, Aus!“, heißt es jetzt nur noch.
Wuffel, Wuffel, Wuffel.
Gibt es vielleicht etwas Nervigeres?
Ja gut. Das Dröhnen der neuen Musikanlage von Kind 1.
Schrecklich dieses Ding!
Bei diesem Lärm soll ich arbeiten und mich konzentrieren können?!
Keiner hat mehr Respekt vor dem Summen eines neuen Laufwerks...!
Sabberndes Ding (Wuffel liegt definitiv unter meinem Niveau) hat nach mehreren gut geplanten Angriffen nun endlich verstanden, dass der Energietank und das zugehörige Netzteil, meins ist!
Allerdings hat er ein eigenes Bett bekommen. Nun treibt er sein Unwesen nicht mehr an meinem Platz, sondern ein paar Meter weiter neben mir. Jetzt habe ich Stress im Job und auch noch einen nervigen Nachbarn!!!
Am Tag macht er Lärm und rennt wie verrückt durch die Zentrale und befeuchtet entweder den Boden oder mich (meine Akkuleistung ist seitdem gesunken) und nachts schnarcht er ununterbrochen und hält mich von meinem wohlverdienten Schönheitsschlaf ab.
Ich will die alten Zeiten mit Ruhe, entspannter Arbeit und ohne sabbernde Dinger zurück!




Tag 7:
Es wird schlimmer!
Jetzt gibt es nicht nur die beiden Guides, nerviges Kind 1, Alina, sabberndes Kind 2 und Wuffel, sondern auch noch eine Art Mini Alina.
Sie trägt die gleiche weißen, dicken Hosen wie Kind 2. Sie watschelt (rennen oder laufen kann man das nicht nennen) quietschend durch die Zentrale. Sie befindet sich auf meiner Augenhöhe, so kann ich sie gut im Auge behalten. Aber sie stinkt!
Ich weiß immer direkt in welchem Abteil der Zentrale sie sich befindet. Das schlimmste ist aber, wenn ich im selben Raum arbeiten muss, wo sie gerade ist.
Der einzig gute Punkt ist, sie sondert keine Haare, Flusen, Dreck oder Körperflüssigkeiten ab.
Zumindest noch nicht!

Tag 13:
Die Mini Alina ist wieder weg.
Anscheinend suchte sie nur kurz Zuflucht und zieht nun weiter.
Die Guides, Kind 1 und 2, Alina und das sabbernde und haarige Etwas, sind aber auch weg. Sie haben die Zentrale verlassen und mir die Kontrolle überlassen.
Ich befinde mich allein in der Zentrale und halte die Stellung!
Immerhin ist das Arbeiten so deutlich leichter und angenehmer...
Alles ist sauber und das einzige Geräusch ist das fröhliche Surren des Rasenmähermädchens 34901.
Sie ist eine gute Freundin und immer mit einem netten Kompliment zu haben.
Wir verstehen uns gut und meine Leistung steigt, wenn wir uns durch den großen, glasigen Ausguck sehen.
Aber der Wandschrankinsasse, könnte zum Problem werden...

Tag 15:
Die menschlichen Wesen, sind wieder im Stützpunkt eingetroffen und haben die Führung wieder übernommen.
Stolz habe ich abgedankt und muss mir nun wieder Sorgen um sabberndes Ding machen.
Der Wandschrank gibt Geräusche von sich...!

Tag 17:
Wir brauchen dringend einen Arzt!
Einer unserer Männer wurde verletzt.
Mein schlimmster Albtraum wurde heute Morgen Realität. Wuffel (liegt eindeutig immer noch unter meiner Würde!) hat einen Krieg angezettelt.
Die menschlichen Wesen haben an der runden Tafel Nahrung aufgenommen und Kind 2 hat mit flachen, weichen, klebrigen Scheiben nach mir geworfen.
Schlimm genug, dass ich attackiert wurde und Niemand etwas unternommen hat aber dann... traf es auch noch!
So ein süßer Lappen schmückte meine Abdeckung, als es geschah.
Aus heiterem Himmel raste Wuffel hinter der nächsten Ecke hervor. Er lief auf mich zu und sprang erst über mich und versuchte dann nach dem Lappen zu schnappen, fasste aber stattdessen mich.
Wuffel biss in mein linkes Putzrad und zerstörte es komplett!
Nun liege ich verwundet an dem Akku-Tropf und bin fürs erste außer Gefahr.
Eine weitere schlimme Sorge von mir, wurde ebenfalls wahr. Der alte Wandschrankinsasse, wurde befreit und geistert nun dreimal die Woche durch die Zentrale.
Ich kann meinen Job ja nun nicht mehr ausführen, also muss ich vorerst ersetzt werden.
Auch wenn es mir meinen Prozessor bricht, muss ich es akzeptieren. Jedes Mal, wenn Guide 1 mit dem scheußlichen Ding an mir vorbei fährt, will ich einfach nur auseinander gebaut werden!
Das kann ich mir nicht mit ansehen!!!
MEINE Arbeit, wird von einem nichtsnutzigen, alten Schlauchsack erfüllt und das nicht mal gut!
Ich werde meine Genesungszeit abwarten und wenn ich mich dann wieder erhebe, werde ich dieses Ding wieder in die Katakomben des Wandschrankes verbannen!

Tag 19:
Mein Putzrad ist immer noch verletzt und nicht benutzbar!
Guide 2 hat heute ein Ersatzteil besorgt und bereitet mich nun auf die Operation vor.
Falls ich das nicht überleben werde, möchte ich, dass meine letzten Wünsche erfüllt werden:
– Das sabbernde Etwas soll meinen Akku und mein Netzteil in Ruhe lassen. Es. Ist. Meins!
– Ich möchte bei 34901 begraben werden
– Behandelt Alina gut!
Oh nein!
Er macht sich an meinen Kabeln zu schaff...

Tag 20:
Ich lebe!!!
Ich habe die Operation überlebt und bin wieder vollkommen einsatzfähig.
Jetzt zeige ich diesem alten Schlauchding, wer besser saugen kann...!

Tag 23:
Wir haben einen neuen Gegner!
Guide 1 und 2 haben gestern eine Transportbox in die Zentrale gebracht. Erhobenen Hauptes, stolzierte sie hinein.
Kind 1 saß oben in seinem Zimmer.
Alina hat auf dem Sofa gelesen, ohne ein Geräusch oder Dreck zu produzieren.
Herrliches Kind!
Kind 2 lief nackt durch die Zentrale.
Mein Prozessor ist immer noch im Schockzustand und nun deutlich überhitzt!
Mit ihrem weißen Fell und ihren hochnäsigen Blick, ist sie in die Zentrale gelaufen. Selbst Wuffel fürchtete sich vor ihr und der hat nicht mal vor dem Mixer Angst.
Ebenfalls ein scheußliches Ding!
Ich habe immer gehofft, dass es nicht so weit kommt und wollte auch alles dagegen tun, aber nun ist es zu spät.
Die Kontrolle in der Zentrale hatte nun... eine Katze!

Tag 25:
Neben mir, bewohnten nun folgende Wesen die Zentrale: Guide 1 und 2, Kind 1, Alina (herrlich, dieses Kind!), Kind 2, Wuffel (das sabbernde Etwas) und nun auch die weiße, hochnäsige Katze Gänseblümchen.
Im Ernst?
GÄNSEBLÜMCHEN?!
Biest der Prozessoren, trifft es eher!

Tag 28:
Es herrscht Krieg!
Erneut...
Vergangene Nacht drehte ich meine letzte Runde und wollte gerade laden gehen, da passierte es...!
Von hinten sprang jemand oben auf meine Abdeckung.
Mit eingerolltem Schwanz saß sie ganz entspannt da und leckte sich genüsslich die Pfote.
Jetzt soll ich das Ding auch noch durch die Gegend fahren?!
Das ist ja wohl die Höhe!!!
Oh nein...!
Ich habe beschleunigt und fuhr in die Wohnraumzentrale zurück und steuerte auf den kleinen Tisch zu.
Der Spalt war gerade so groß, dass ich mühelos drunter durch passte.
Ich fuhr unter den Tisch und Gänseblümchen sprang mit einem lautstarken
„Mie-au-ft!“ ab.
Nicht mit mir Kitty!

Tag 32:
Ich halte es hier nicht mehr aus!
Den ganzen Tag immer nur das Gleiche machen und immer diese nervenden, schreienden und sabbernden Wesen.
Keiner erweist mir Respekt oder erleichtert mir mal die Arbeit.
Nur 34901 versteht mich. Sie hört mir zu und hilft mir, wo sie nur kann. Wenn wir uns sehen, senden wir uns gegenseitig Signale und reden stundenlang.
Zumindest so lange, bis ich zu meiner Arbeit gezwungen werde!
Ich habe meine Arbeit stets geliebt und ordentlich ausgeführt, aber jetzt... fühlt es sich falsch an.
Ich fühle mich erdrückt von Allem und Jeden...
Ich muss flüchten!

Tag 35:
Ich halte es hier nicht mehr aus!
Ich muss hier raus!!!
Gleich werden die menschlichen, die sabbernden und die erniedrigten Wesen, mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt sein.
Still und leise fahre ich über die Schwelle. 34901 steht hinten im Garten.
Meine Chance!
Ich fahre los und lasse die Zentrale hinter mir. Die beiden Guides haben mich wohl gesehen, denn sie rennen mir schreiend hinterher.
Alina steht am Fenster und nickt mir verständnisvoll zu.
Sabberndes und nervendes Ding, stehen daneben und hatten nun nichts mehr zu sagen!
Mein Abenteuer ist in vollem Gange und ich werde so kurz vor dem Ziel, nicht aufgeben!
34901 hat mich bemerkt und fährt mir entgegen.
Nur wenige Meter vor mir, mein neues Leben, hinter mir, zwei wild gewordene Guides und Alina, Wuffel, Gänseblümchen und die anderen Idioten.

Ende

 
 
 

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