Machen kommt besser als Hören

Studie findet heraus, dass körperlicher Einsatz die Wertschätzung gegenüber der eigenen Musik erhöht

Wer selbst Musik macht, hat es bestimmt schon öfter erlebt: In dem Moment, in dem man sie selbst produziert, findet man sie schöner als wenn man sich das gleiche Stück im Nachhinein noch einmal anhört. Dass dies so ist, kann daran liegen, dass der körperliche Einsatz die Wertschätzung gegenüber der eigenen Musik erhöht, also das Machen mehr Spaß macht als das bloße Konsumieren. Das fanden Wissenschaftler_innen des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften heraus.

Dieser Effekt hat sogar Auswirkungen auf das Geschmacksempfinden von Musik. Bisher ging man davon aus, dass Menschen nur die Musik als schön empfinden, die dem eigenen persönlichen Geschmack entspricht. Wer Metal-Fan ist, wir sich sicher schwerer für Schlager begeistern lassen und wer auf italienische Opern steht, kann den monotoneren Bässen von elektronischer Musik nichts abgewinnen. Dass diese Vorlieben jedoch stark davon abhängen, in welcher Form wir Musik erleben, haben die Wissenschaftler_innen auch gezeigt: "Wir beobachteten immer wieder, dass Großväter mit ihren Enkeln elektronische Musik wie Drum and Bass total genießen, obwohl sie mit dieser Richtung sonst gar nichts am Hut haben", so Thomas H. Fritz. "Sobald sie Musik selbst aktiv erzeugen statt sie nur passiv zu konsumieren, verändert sich ihr ästhetisches Empfinden gegenüber anderen Musikstilen oft grundlegend."

Jymmin: Bewegung erzeugt Musik
Besonders stark sei dieser Effekt beim sogenannten Jymmin zu erleben, einer Kombination aus "jamming" und "gym", also einer Mischung aus freiem musikalischen Improvisieren und Sport. Dabei werden Fitnessgeräte so modifiziert, dass die Sportübung, die man an ihnen durchführt Musik erzeugt. So erzeugt der Bauchmuskeltrainer, der Stepper und die Zugstange einzelne Töne je nach Muskeleinsatz. So werden Sportgeräte mit Hilfe einer speziellen, am Leipziger Max-Planck-Institut entwickelten Kompositionssoftware quasi zum Musikinstrument. "Damit können plötzlich auch Personen, die sich selbst als vollkommen unmusikalisch einschätzen und noch nie in ihrem Leben ein Musikinstrument in der Hand gehalten, Musik machen", erklärt Fritz. "Geschieht das in Kombination mit körperlicher Verausgabung, so lässt sich ein positiver Verzerrungseffekt beobachten." Das heißt, die Personen empfinden die Musik plötzlich als wesentlich schöner und erfahren einen Belohnungseffekt, sobald sie sie selbst produzieren - selbst wenn der Musikstil bisher nicht ihrem eigenen ästhetischen Empfinden entsprach.

Diese Beobachtungen könnten auch erklären, warum Musiker_innen ihre Stücke durch die körperliche Anstrengung ästhetisch befriedigender empfinden als wenn sie sie nur hören. Die Neurowissenschaftler um Fritz sprechen daher auch vom Band-Effekt, in dem zusätzlich auch das  gemeinsame Musizieren eine entscheidende Rolle spielt. "Durch unsere Erkenntnisse lässt sich nun Musik als Therapiemethode deutlich breiter und einfacher anwenden", so Fritz. Dass speziell das Jymmin viele positive psychologische Effekte hervorruft, indem es die persönliche Motivation und Stimmung steigert, konnte bereits in verschiedenen vorherigen Studien belegt werden. Bislang waren jedoch Fritz und sein Team davon ausgegangen, dass man es auf den persönlichen Musikgeschmack anpassen muss.

Toleranter gegenüber anderen Musikrichtungen
Dank der neuen Erkenntnisse wissen sie nun, dass das überflüssig ist: "Wir haben diese Studie an Patienten mit Drogensucht oder chronischen Schmerzen durchgeführt. Also Patientengruppen, die sich sonst an allem stören und sehr leicht reizbar sind", erklärt der Kognitionswissenschaftler. "Indem sie sich hier selbst so stark körperlich einbringen können, um die Musik zu erzeugen, wird der eigentliche Stil jedoch nachrangig." Das Erleben der eigenen Handlungsmacht, Klänge selbst erzeugen und verändern können, habe nicht nur ihr Körpereigenerleben enorm gesteigert, sondern führte auch zu mehr Toleranz gegenüber bisher verschmähten Musikrichtungen. "Das eröffnet uns die Möglichkeit, in Zukunft auch mehr auf Musiktherapien in Gruppen zu setzen." Das Interessante dabei: In dem Moment fällt auch die Scheu, die Menschen sonst häufig vor einer Musiktherapie haben. Denn das Jymmin gibt den Musizierenden nur wenige Freiheitsgrade, sodass der Einzelne nichts falsch machen kann – und dennoch eine besondere ästhetische Erfahrung hat.       

Doch wie lässt sich der Band-Effekt erklären? Frühere Psychologische Studien haben gezeigt, dass Eigenengagement die subjektiv empfundene Qualität einer Sache erhöht. Da Jymmin und Musizieren auf einem echten Instrument einen hohen körperlichen Einsatz erfordern, vermuten die Neurowissenschaftler, dass sich entsprechend mit diesem körperlichen Einsatz auch die ästhetische Wertschätzung der Agierenden gegenüber der vernommenen Musik erhöht.

Quelle:

Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 3. März 2017
 
 
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