Lobbyismus oder Engagement?

Wenn Unternehmen sich sehr intensiv an Schulen und der Unterrichtsgestaltung einbringen, kommen Bedenken auf. Die Otto Brenner Stiftung hat das schulische Engagement von DAX-Unternehmen unter die Lupe genommen.

Symbolbild

Unternehmen engagieren sich nicht selten in Schulen. Sie sponsern Schulfeste, Schülerlabore, Farbe für Klassenräume oder stiften Preise. In Zeiten, in denen Schulen oft weniger Geld zur Verfügung steht als für die Ausstattung und die Unterrichtsgestaltung erforderlich wären, ist das eine willkommene Unterstützung.

Wenig Allgemeinbildung, viel Eigennutz
Vermehrt „stiften“ Unternehmen aber auch kostenlose Unterrichtsmaterialien oder entsenden sogar Mitarbeiter_innen, die vor Ort beim „Unterrichten“ helfen. Von der Deutschen Bank bis zu SAP, von Volkswagen bis zur Lufthansa, von der Deutschen Post bis zu Bayer. Sie alle sind dabei, wenn es gilt, etwas zur „Bildung“ an Schulen beizutragen. Inwieweit das wirklich Bildung ist oder vielmehr Lobbyismus und Beeinflussung in Dienste geschäftlicher Interessen, hat nun Tim Engartner, Professor für die Didaktik der Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt politische Bildung an der Goethe-Universität Frankfurt im Auftrag der Otto Brenner Stiftung in der Studie „Wie DAX-Unternehmen Schule machen“ untersucht. Darin wird gezeigt, dass das Engagement der hier untersuchten Unternehmen in vielen Fällen recht eigennützig ist. „Die meisten der untersuchten Unterrichtsmaterialien lösen keinen Allgemeinbildungsanspruch ein, sondern fokussieren Themen der Finanz-, Energie- und Automobilwirtschaft“, bilanziert Jupp Legrand, Geschäftsführer der Otto Brenner Stiftung. Und weil dies in teils tendenziöser Art und Weise geschieht, diene das Schul-Engagement oftmals weniger der Förderung des Gemeinwohls, als dem Eigennutz der Unternehmen, so die Analyse von Autor und Stiftung.

Erste Hilfe mit Hansaplast und Autos zuordnen mit Daimler
Wenn Daimler also in einem Unterrichtsmaterial dazu auffordert, sechs Fahrzeuge des Unternehmens bestimmten Fahrzeugtypen zuzuordnen oder wenn die Nivea-Marke Hansaplast Unterrichtsmaterialien für Grundschüler_innen zum Thema Erste Hilfe anbietet, ist das dann noch Bildung oder eher Werbung? In der Studie werden eine Vielzahl von Beispielen aufgeführt und analysiert und leider muss man in den meisten Fällen zu dem Schluss kommen, dass die hier untersuchten Unternehmen sich oft an der Grenze zum Lobbyismus „engagieren“ und, wie der Autor der Studie schreibt, die Schule ganz offenbar als Werbeplattform für sich entdeckt haben. Dabei richten sich die Angebote oft schon an ganz junge Schüler_innen oder gar Vorschulkinder.

Neue Kund_innen und potentielle Mitarbeiter_innen
Dabei geht es der Studie zufolge sowohl darum, Zugang zu Schülerinnen und Schülern zu erlangen (als potentielle neue Kund_innen, künftige Mitarbeiter_innen), als auch zu deren Eltern, Geschwistern, Verwandten und Freund_innen. Und natürlich geht es dabei stets um ein positives Image, positive Medienberichterstattung über Engagement für die Bildung, tolle Schulpreise und "Bildungspartnerschaften" und nicht zuletzt um die Prägung einer Einstellung zu bestimmten Themen, Produkten und Unternehmen. 

Unterrichtsmaterialien prüfen
Anders als die Inhalte in Schulbüchern werden zudem die Inhalte von zur Verfügung gestellten Schulmaterialien nicht von öffentlichen Stellen geprüft, bevor sie zum Einsatz kommen. Der Autor und die Stiftung fordern darum eine stärkere Regulierung privater Lehr- und Lernmaterialien.

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