Lieber teilen als besitzen

Befragung unter jungen Leuten ergab: Carsharing wird immer attraktiver

Wenn man bedenkt, dass ein Auto durchschnittlich noch nicht mal eine Stunde am Tag fährt und 23 Stunden irgendwo herumsteht, drängt sich die Frage auf, wieso man überhaupt noch ein eigenes Fahrzeug braucht? Ähnlich ist es auch mit anderen Konsumgütern: Selten braucht man etwas rund um die Uhr für sich ganz allein. Deshalb ist Sharing statt Shopping das Motto der Zukunft, finden Forscher_innen des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). Sie haben eine bundesweite Befragung durchgeführt und dabei festgestellt, dass zwei Drittel der Deutschen die Entwicklung des Güter-Teilens positiv bewerten. Vor allem beim Auto finden die Befragten das Benutzen wichtiger als das Besitzen. Die Forscher_innen gehen davon aus, dass sich die Nachfrage nach privatem Carsharing in Zukunft sogar verfünffachen könnte. Auch bei Kleidung, Wohnungen oder Mitfahrgelegenheiten können sich immer mehr vorstellen, künftig mehr privat zu teilen. Einerseits, weil das Teilen Geld spart, andererseits weil es die Umwelt schont.

Ein Viertel der jungen Befragten sieht Carsharing als guten Ersatz für ein eigenes Auto
Zwar würden sich zurzeit nur etwa zwei Prozent der Befragten ein Auto von anderen mieten oder ihr eigenes Auto verleihen, „aber zehn Prozent können es sich für die Zukunft vorstellen. Fast jeder vierte Befragte bis 24 Jahre sieht dies sogar als adäquaten Ersatz für ein eigenes Auto", so Studienautor und Projektkoordinator Dr. Gerd Scholl. Noch häufiger sind private Mitfahrgelegenheiten, die über das Internet vermittelt werden: Fast jede_r Zehnte hat schon mal eine angeboten oder selbst genutzt. Die Nachfrage könnte sich noch verdoppeln, so das IÖW. Die eigene Wohnung oder das eigene Zimmer haben bisher nur etwa drei Prozent der Bevölkerung mal zur Verfügung gestellt – aber etwa sechs Prozent können es sich zukünftig vorstellen. Bei den Nutzer_innen dieses Angebot sind es schon sechs Prozent der Bevölkerung. Das IÖW geht davon aus, dass sich diese Zahl in Zukunft verdreifachen könnte. Am weitesten verbreitet ist heute Kleidersharing: Etwa jede_r Fünfte verkauft oder kauft gebrauchte Kleidung über Internetplattformen.

Besitz nebensächlich
Wer sind die Leute, die das Teilen gut finden? Die Forscher_innen geben mit ihrer Analyse auch einen Einblick in unterschiedliche „Sharing-Typen“. Vor allem gut gebildete, junge Menschen zwischen 18 und 35 Jahren stünden dem Peer-to-Peer Sharing positiv gegenüber. Diese sogenannten „Aktiven“ nutzten Sharing-Angebote aus allen Bereichen schon relativ häufig. Besitz sei für sie nebensächlich und das organisierte Teilen passe zu ihrem Selbstbild, so das IÖW. Auch die sogenannten „Pragmatischen“ – eine junge Gruppe, die oft wenig Geld hat, teilt bereits viel über das Internet.

2000 Menschen haben die Wissenschaftler_innen zu ihrem Nutzungsverhalten von Sharing-Plattformen im Internet befragt. Die Ergebnisse sind nun in der Broschüre „Teilen digital – Verbreitung, Zielgruppen und Potenziale des Peer-to-Peer Sharing in Deutschland“ erschienen.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 10. Juli 2017
 
 
 

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