Leuchtende Tiere

Wie und warum Glühwürmchen & Co Licht ausstrahlen

Funkelnde Sterne, brennende Kerzen, leuchtende Glühbirnen und die über allem scheinende Sonne: Vieles scheint zu scheinen. Nachts am See dagegen ist es stockduster. Grillen zirpen, das Wasser schwappt, Gras kitzelt. Mit großen Augen wird dann aber ein Lichtfleck erspäht, der sich langsam flirrend fortbewegt. Eine Fee, ein Feuerfunken, ein Irrlicht? Glühwürmchen sind’s, die einem die Nacht erhellen.

Glühwürmchen sind irrtümlicherweise keine Würmer, sondern kleine Käfer, die die Lichtspielereien zur Kommunikation einsetzen. Meistens dann, wenn sie das andere Geschlecht entzücken wollen. Das läuft so ab: Die Männchen fliegen fröhlich blinkend herum, bis sie ein Leuchtsignal eines Weibchens erspähen. Das ist dann als Startschuss zur Paarung anzusehen. Es gibt viele verschiedene Leuchtkäferarten, die in unterschiedlichen Intervallen blinken und somit einen eigenen Leuchtcode besitzen. Bei einigen Arten leuchten nur die Männchen, bei anderen nur die Weibchen, und bei einigen leuchten beide. Dafür sind die Weibchen meist nicht dazu imstande, zu fliegen. Glühwürmchen leuchten bereits vor ihrer Geburt: Schon im Mutterleib glimmen die Eier schwach. Warum das so ist, ist nicht weiter bekannt. Die Leuchtzellen befinden sich an der Bauchseite des Hinterleibs. Hier findet dann eine biochemische Reaktion statt, bei der die freigewordene Energie zu 95% in Licht umgewandelt wird – so viel wie bei keiner künstlichen Lichtquelle. Bei einer Glühbirne zum Beispiel gehen 95% der Energie als Wärme verloren! Wenn man selbst Glühwürmchen sehen möchte, sollte man sich am besten im Sommer in dunkleren Gebieten auf die Lauer legen.

Biolumineszenz

Diese Eigenschaft von Lebewesen, Licht zu erzeugen, wird Biolumineszenz genannt. Das ist gar nicht so selten: Unter allen Tiergruppen gibt es leuchtende Vertreter. Nur bei den auf dem Land lebenden Wirbeltieren und höheren Pflanzen kommt keine Biolumineszenz vor. Für die meisten Tiere ist das Leuchten wichtig, um überleben zu können. Sie locken Beute oder Partner an, kommunizieren, drohen, lenken ab oder tarnen sich durch die Anpassung des eigenen Lichts an das Licht der Umgebung. Neben den gelblich leuchtenden Glühwürmchen, die zu den Insekten gehören, haben auch Meeresbewohner die Fähigkeit zu leuchten. In der Tiefsee leuchten sogar bis zu 90% der Lebewesen! Und zwar in einer blaugrünen Farbe, da die Lichtstrahlung mit dieser Wellenlänge das Wasser besonders gut durchdringen kann.

Vampyroteuthis infernalis

Bis zu 90% der Meeresbewohner, die in der Tiefsee leben, nutzen die Biolumineszenz. Einer davon ist der Vampirtintenfisch, der in der Tiefsee in bis zu 1000 Metern Tiefe lebt. Manche Forscher gehen sogar von einer Tiefe von 3000 Metern aus! Er ist eine Art lebendes Fossil, da er schon vor 300 Millionen Jahren die Ozeane bevölkerte und sich seitdem kaum verändert hat. Sein lateinischer Name lautet Vampyroteuthis infernalis, was übersetzt „Vampirtintenfisch aus der Hölle“ bedeutet. Und das aus gutem Grund! Mit maximal 13 cm gehört er zwar zu den kleineren Vertretern der Kopffüßer, weiß aber dafür mit anderen besonderen Merkmalen auf sich aufmerksam zu machen. Der Körper ist leuchtend rot, die Augen strahlendblau. Diese sind verhältnismäßig riesig; sie machen etwa ein Sechstel der Körperlänge aus. Zwischen seinen acht Armen spannen sich Häute, was ihm das Aussehen eines in einen Umhang gewickelten Vampirs verleiht. Außerdem verfügt er über ein Paar fadenförmiger Filamente, die wie Telefonschnüre aus seinem Körper herauswachsen. Die erfüllen für ihn den Zweck eines zusätzlichen Sinnesorgans: Er kann damit Beutetiere und Angreifer erspüren. Bei Nichtgebrauch packt der Tintenfisch die Filamente einfach in zwei Taschen seines Umhangs. Seinen Mantel kann das kluge Tier übrigens umstülpen, und sich somit zu einer Kugel formen. Der Körper ist dann vollkommen vom Mantel bedeckt und gut vor Angreifern geschützt. Am äußeren Rand des Mantels befinden sich übrigens zahlreiche Leuchtorgane, die bläuliches Licht aussenden. Darauf folgt der nächste Abwehrschritt: An der oberen Kopfseite befinden sich zwei lichtproduzierende Organe, die der Vampirtintenfisch zuerst öffnet und dann schließt. So erliegt der Feind der Illusion, der Vampirtintenfisch sei gar nicht mehr da. Als zusätzlichen Schutz pustet er bei weiteren Annäherungsversuchen eine Wolke aus Leuchtpartikeln aus, die den Angreifer verwirrt und dem Vampirtintenfisch die Möglichkeit zur Flucht bietet. Die Wolke verpufft erst nach bis zu zehn Minuten.

Autorin / Autor: Annika Willinger - Stand: 18. Juni 2012
 
 
 

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