Krisen bedingen einander

Corona, Klimawandel, Krieg - um sich überlappende Krisen zu bekämpfen, müssen sie auch zusammen gedacht und bekämpft werden

Die Corona-Epidemie, die Invasion Russlands in der Ukraine, der Klimawandel und seine verheerenden Folgen - die Welt wird von Krisen geschüttelt. Obwohl solche gleichzeitig stattfindenden Krisen oft ineinandergreifen und sich gegenseitig verstärken, werden sie von Politik und Krisenmanager_innen oft isoliert betrachtet und angegangen. Ein Fehler, schreiben Risiko-Forscher rund um Ortwin Renn vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung in einer aktuellen Publikation. Das Forschungs-Team beschäftigt sich mit Auslösern und Folgen von sich überschneidenden Krisen (Polycrises) und möchte verstehen, wie krisenauslösende Ereignisse zusammenwirken und sich besser bekämpfen lassen.

Denn in unser immer enger vernetzten Welt hängt alles zusammen und voneinander ab, bedingt und befeuert sich gegenseitig. Die Autoren Thomas Homer-Dixon, Johan Rockström, Jonathan F. Donges, Scott Janzwood und Ortwin Renn sind überzeugt, dass die bisherige Strategie, jedes Risiko getrennt zu betrachten und dann für jedes Einzelrisiko Krisenvorsorge zu treffen, den heutigen Bedingungen einer vernetzten Welt nicht mehr gerecht wird. Das Zusammentreffen mehrerer Krisen ist ihnen zufolge kein Zufall, sondern eine logische Folge der bestehenden globalen Wirtschaft und nicht nachhaltiger Lebensformen.

Wetterereignisse lösen Kettenreaktion aus

Das Risiko für überlappende Krisen würde dabei vor allem von zwei Trends verstärkt: Zum einen der wachsende Ressourcenverbrauch und der zunehmende Schadstoffausstoß, zum anderen die immer stärkere Vernetzung, bei der Material-, Energie- und Informationsflüsse immer schneller und intensiver werden. Als Beispiel führen die Autoren durch den Klimawandel verursachte extreme Wetterereignisse an. Wenn es beispielsweise aufgrund von Hitzewellen zu Ernteausfällen und Hungersnöten kommt, wird die Ungleichheit innerhalb und zwischen Gesellschaften immer größer. Dies kann Migrationswellen auslösen, welche ihrerseits dann nationalistische Tendenzen verschärfen. Diese wiederum schwächen die globale Kontrolle von Emissionen, wodurch sich das Klimaproblem weiter verschärft. So entstehen Kaskaden von sich gegenseitig verstärkenden Krisen, die mit den herkömmlichen Managementstrategien nicht in den Griff zu bekommen sind, befürchten die Forscher.

Zusammen gegen Krisen

Sie plädieren darum für eine weltweite Taskforce, mit der nicht jedes Land alleine gegen scheinbar isolierte Krisen vorgeht, sondern gemeinsam und mit wissenschaftlichen Methoden untersucht wird, an welchen Stellen Krisen einander bedingen und zu Kettenreaktionen führen, die die ganze Welt betreffen. Denn die gute Nachricht ist, wenn erst mal verstanden wird, an welchen Knotenpunkten im Wirknetzwerk solche Kettenreaktionen ausgelöst werden, kann man auch genau an diesen Stellen für eine Art positiven Dominoeffekt sorgen und mit kleinen positiven Veränderungen an den richtigen Stellschrauben große Verbesserungen in vielen Bereichen erzielen.

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 3. Mai 2022