James Foley,  der moderne Che

Anna-Sophies Nachruf auf den amerikanischen Journalisten, der von der Terrormiliz IS ermordet wurde

Bild: Luise Weber

Nachrichten von Morden in den Nachrichten sind schon kaum etwas neues, täglich wird von Menschen berichtet, die bei blutigen Auseinandersetzungen ums Leben kommen. Sei es nun in Syrien, der Ukraine oder dem Gazastreifen (wo es im Moment verhältnismäßig ruhig ist). So richtig geschockt sind wir von Meldungen dieser Art nicht wirklich, schließlich gehören Mord und Todschlag in den Medien schon fast zur Tagesordnung. Bekommt eines der Opfer aber ein Gesicht und bleibt nicht nur eine Zahl, sieht die Lage anders aus: Betroffenheit macht sich breit, Mitgefühl, Trauer. Man kann sich mit einem Menschen identifizieren, wenn man sein Gesicht kennt und möglicherweise noch Teile seiner Lebensgeschichte bekannt sind. Ein Schicksal hat die Menschen im August besonders bewegt: die Nachricht der Enthauptung des amerikanischen Journalisten James „Jim“ Wright Foley im vergangenen Monat durch einen Terroristen der Organisation „Islamischer Staat“, kurz IS.

Zwei Männer, zwei Helden
Auf den ersten Blick mögen der argentinische Revolutionär Ernesto Rafael Guevara de la Serna, kurz Che Guevara und James Foley nicht viel gemeinsam haben. Auf den zweiten Blick lassen sich doch einige Gemeinsamkeiten erkennen und zwar im positiven Sinn: Beide standen sie leidenschaftlich für ihre Überzeugungen oder viel mehr ihre Ideale ein. „Jim“ hatte sich zur Aufgabe gemacht, als Journalist in Krisenländern wie Libyen oder Syrien unterwegs zu sein und Missstände aufzudecken, sowie den Unterdrückten der Welt eine Stimme durch seine Arbeit zu geben.

Auch „El Comandante“ Che war sein Leben lang ein Kämpfer. Im aktiven Kampf setzte er sich für die Armen und Unterdrückten ein gegen die Kluft zwischen Arm und Reich: „Gibt es nicht genug Kaffee für alle, gibt es Kaffee für keinen“, lautet einer seiner bekanntesten Aussprüche. Gekämpft haben beide Zeit ihres Lebens, nur die Waffen waren verschiedene. James Foley rückte dem Leid zu Leibe mit seinen eigenen Waffen: dem Notizbuch, Stift und Kamera, während Che dem „Bösen“ mit Munition und scharfen Waffen zu Leibe rückte. 

Ohne Widrigkeiten verlief der passionierte Einsatz für die eigenen Ideale für beide nicht: 2011 wurde Foley während des Bürgerkriegs in Libyen festgenommen, da man ihn für einen Spion hielt. In einem Interview mit dem „Boston Globe“ äußerte er sich später folgendermaßen nach seiner Freilassung: „I believe that frontline journalism is important without this photos and videos first-hand experience we can’t really tell the world how bad it might be“.

Auch Che wollte unter anderem im Kongo seine eigenen Ideale verwirklichen, scheiterte dort aber bei der Weitergabe seiner Erfahrung im Guerrillakampf an die Rebellen dort.
Alterstechnisch zeigen sich bei den beiden als Helden gefeierten Männern ebenso Gemeinsamkeiten: Che war bei seinem Tod 39 Jahre alt, James Foley nur ein Jahr älter. Leider war es ihm verwehrt, seinen Geburtstag im Oktober zu erleben. Aus dem Leben geschieden sind beide nicht ohne Fremdeinwirken. Che wurde von der bolivianischen Armee im Jahr 1967 in La Higuera durch Erschießung hingerichtet, die Bilder des aufgebahrten Ches gingen damals um die Welt. Ein ähnliches Medienfeuer entfachte auch Foleys letztes Lebenszeichen: ein von IS-Terroristen in der Wüste gedrehter Film, der auch als Propaganda dienen soll - gerichtet an die Amerikaner, welches  seine angebliche Enthauptung zeigt. Allerdings gibt es berechtigte Zweifel von Experten, ob in dem Video tatsächlich die Ermordung des Journalisten gezeigt wird, vor seiner angeblichen Ermordung muss Foley eine Botschaft an Amerika und an seine Familie vortragen. Traurige Tatsache aber ist, dass der Journalist grausam ermordet wurde und er ein weiteres Beispiel für einen passionierten Reporter ist, der aufgrund seiner Arbeit sterben musste.

Auch politisch haben beide Männer eine Relevanz: Che war Industrieminister und zudem Leiter der Kubanischen Zentralbank, Jim’s gewollte Bedeutung ist ungewollt. Die IS-Terroristen wollten ein Exempel statuieren, die Welt in Angst und Schrecken versetzen und nicht zuletzt ihrer propagierten Stärke Ausdruck verleihen. Als weitere Drohung führten sie in dem Video einen weiteren als Geisel genommenen Journalisten vor, der ebenso für wichtige Medien tätig war. Sollten die Luftangriffe der amerikanischen Armee nicht gestoppt werden, drohten die Terroristen mit der Tötung von Steven Joel Sotloff. Dieser soll nun, wie Foley ebenso ermordet worden sein.

Der Revolutionär und der passionierte Journalist
Zugegeben: der Vergleich von James Foley und Che Guevara hinkt etwas, schließlich handelt  es sich um zwei verschiedene Personen aus zwei unterschiedlichen  Jahrhunderten. Als Che starb, war James gerade einmal fünf Jahre alt. Es lassen sich aber verblüffend viele Gemeinsamkeiten erkennen und zwar im positiven Sinne: die Empathie für Schwächere, die Hingabe zur Arbeit beider Männer, die ohne Zweifel von großer Wichtigkeit war und die Tapferkeit, die beide an den Tag legen. Nicht zu vergessen, dass beide in die Annalen der Geschichte als Freiheitskämpfer der etwas anderen Art und als unsterbliche Helden eingegangen sind. Ihre Arbeit hat Spuren hinterlassen und ihr Tod für ein weltweites Echo mit einer großen Anteilnahme gesorgt. Requiescat in pace! Hasta siempre!

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Autorin / Autor: Anna-Sophie Barbutev - Stand: 3. September 2014
 
 

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