Ist Empathie zu anstrengend?

Studie: Offenbar vermeiden viele es, sich in andere einzufühlen, weil sie den Aufwand scheuen

Einfühlungsvermögen ist nicht jedermanns Sache, das habt ihr sicher auch schon öfter gemerkt, aber warum vermeiden viele Menschen es regelrecht, sich mit den Gefühlen anderer zu beschäftigen? Das erforschte jetzt eine neue Studie der American Psychological Association.

Empathie, die Fähigkeit, die Gefühle einer anderen Person zu verstehen, wird oft als eine Tugend angesehen, die dazu ermutigt, Hilfsbereitschaft zu entwickeln. Aber viele Menschen wollen oft kein Mitgefühl empfinden. Entweder weil es zu deprimierend oder weil es kostspielig sein könnte, weil man sich zum Spenden verpflichtet fühlt - das ist zumindest die bislang vermutete Annahme. Der leitende Forscher C. Daryl Cameron, hat aber nun eine andere Erklärung gefunden: In einer Studie mit mehr als 1.200 Teilnehmer_innen zeigte sich, dass es den Menschen in erster Linie wohl zu anstrengend ist, Mitgefühl gegenüber anderen zu empfinden, selbst dann, wenn es um positive Emotionen geht.

Freude und Leid unerwünscht
In ihren Studien verwendeten die Forscher_innen zwei Kartensätze mit jeweils bedrückenden Fotos geflüchteter Kinder. Bei einem Kartenstapel sollten die Teilnehmer_innen nur die physischen Eigenschaften der Person auf der Karte beschreiben. Der Auftrag bei dem anderen Stapel lautete, Mitgefühl für die Person auf dem Foto zu entwickeln und darüber nachzudenken, was diese Person empfand. Bei jedem Versuch durften sie aus beiden Stapeln frei wählen. In weiteren Experimenten verwendeten die Forscher_innen Karten mit Bildern von traurigen oder lächelnden Menschen. Egal, welche Emotionen gezeigt wurden, jedesmal, wählten die Teilnehmer_innen konsequent die Aufgabe aus, die weniger Einfühlungsvermögen erforderte, selbst die Fotos von glücklichen Menschen wurden seltener gewählt. Nur 35 Prozent wählten den Stapel aus, der Empathiefahigkeit erforderte, der Rest vermied es lieber. "Wir sahen eine starke Präferenz, Empathie zu vermeiden, auch wenn jemand anderes Freude ausdrückte", sagte Cameron.

Dabei war es noch nicht mal so, dass die Teilnehmmer_innen um Zeit oder Geld gebeten wurden, um die Kinder oder andere auf den Fotos abgebildete Personen zu unterstützen. In der Abfrage nach den Experimenten berichteten die meisten, dass sich Empathie für sie einfach kognitiv herausfordernder anfühlt, dass es anstrengender sei und sie sich weniger gut dabei fühlten, als wenn sie nur die körperlichen Eigenschaften anderer Menschen beschreiben sollten. Diejenigen, die Empathie für besonders anspruchsvoll hielten oder die sich gereizt oder verunsichert fühlten, vermieden die Empathieaufgabe noch eher.

Besser in Empathie als andere
Die Forscher_innen interessierte dann aber noch die Frage, ob man Menschen zu mehr Einfühlungsvermögen ermutigen kann, wenn man sie glauben lässt, dass sie gut darin sind. Und in der Tat zeigte es Wirkung: wenn man ihnen vorher sagte, dass sie sehr mitfühlend sind, wählten sie eher Karten aus dem Stapel, bei dem sie Mitgefühl entwickeln sollten und berichteten, dass sie es weniger mentale Anstrengung kostet.

Wenn man also das Mitgefühl von Menschen steigern möchte, sollte man sie dazu ermutigen und ihnen sagen, dass sie es gut können, so Cameron. "Wenn wir die Motivation der Menschen in Richtung Empathie verschieben können, dann könnte das eine gute Nachricht für die Gesellschaft als Ganzes sein. Es könnte die Menschen ermutigen, sich an Gruppen zu wenden, die Hilfe benötigen, wie Einwanderer, Flüchtlinge und Opfer von Naturkatastrophen."

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