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Konstanzer Psychologe Dr. Fuhimiro Kano entschlüsselt die Rolle des menschlichen Augenweißes für die Kommunikation

Bei manchen ist das Weiß um die Pupille so weiß, dass es fast schon bläulich wirkt, andere haben eher ein gelbliches Weiß und es gibt auch Menschen, deren Augenweiß von so vielen Äderchen durchzogen ist, dass man die Ursprungsfarbe kaum noch erkennen kann. Aber wozu ist das Augenweiß beim Menschen eigentlich da? Welche Bedeutung die weiße Augenhaut für die menschliche Kommunikation hat, beschäftigt Forschende seit längerem. Jetzt ist es einem Forschungsteam rund um den Konstanzer Psychologen Dr. Fuhimiro Kano gelungen, dieses Rätsel zu entschlüsseln: Die weiße Augenhaut – auch bezeichnet als weiße Sklera – trägt durch ihre grundlegenden Farbeigenschaften entscheidend zur Sichtbarkeit von Blickrichtungen bei. „Der Mensch hat dieses Unterscheidungsmerkmal des Auges entwickelt, um mit Artgenossen kommunizieren zu können“, erklärt Kano.

Einzigartiger Kommunikationsstil

Wenn wir mit anderen Menschen sprechen, halten wir meistens Blickkontakt zueinander. Wir wissen dann genau, wer wen anschaut und welche unausgesprochenen Botschaften die Person mit der „Sprache ihrer Augen“ gibt oder welches Objekt sie gerade im Blick hat. Voraussetzung dafür ist aber, dass wir die Blickrichtung des Gegenübers schnell und eindeutig identifizieren können. „Dies verdanken wir der Herausbildung des Augenweißes. Damit hat der Mensch einen vermutlich einzigartigen Kommunikationsstil entwickelt, der für seine charakteristischen sozialen Aktivitäten entscheidend ist“, schlussfolgert Kano aufgrund seiner Studie.

Menschen und Schimpansen

Sogar Schimpansen können die Signale des menschlichen Auges offenbar besser entschlüsseln als das ihrer eigenen Artgenossen. Mit Menschen und Schimpansen, unseren nächsten Verwandten, haben Kano und seine Kollegen nämlich Studien durchgeführt. Beiden Studiengruppen wurden Bilder von Menschen- und Schimpansenaugen vorgelegt. Das Ziel war, die Blickrichtungen beider zu unterscheiden. So wurden den Schimpansen über mehrere Monate hinweg Bilder von unterschiedlichen Augen beider Arten vorgelegt – zwei mit gerader Blickrichtung, eines mit Blickrichtung zur Seite. Zeigten sie auf letzteres Bild, bekamen sie eine Belohnung. „Auf diese Weise fanden wir heraus, dass sowohl Menschen als auch Schimpansen die Blickrichtungen von Menschen besser unterscheiden können, als die von Schimpansen, die keine weiße Augenhaut haben. Dies war insbesondere der Fall, wenn die Augenreizbilder kleiner und schattierter dargestellt wurden. Unter visuell schwierigen Bedingungen tritt das ein.“

Die Forschenden beobachteten, dass Teilnehmende beider Spezies Blickrichtungen von Schimpansen besser unterscheiden konnten, wenn die Kontrastpolarität des Schimpansenauges künstlich umgekehrt wurde – also, wenn das Schimpansenauge eine menschenähnliche weiße Sklera und eine dunklere Iris hat. Die weiße Sklera erleichtert somit die Sichtbarkeit der Blickrichtung auch bei verschiedenen Arten.

Artenübergreifende Studie

„Unsere Ergebnisse unterstützen die bisherigen zentralen Prämissen zur Erforschung des Blicksignals, aktualisieren sie aber auch kritisch“, fasst Kano seine Erkenntnisse zusammen. Das Neuartige der Studie ist insbesondere, dass die drei Forschenden erstmals eine Studie zum Blicksignal artenübergreifend ausgelegt haben. In den Experimenten präsentierten sie Mensch und Schimpanse gleichermaßen die Augenbilder. Dies sei laut Kano für die Unterscheidung zwischen mehreren alternativen Hypothesen unerlässlich.

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 15. März 2022