Ich machs besser als die anderen

Studie untersuchte, warum wir denken, dass wir selbst uns strikter an die COVID-19-Regeln halten als andere Menschen

Die Pandemie verlangt uns täglich ganz schön viel Disziplin ab: Hände waschen, Abstand halten, nicht ins Gesicht fassen, wenig Leute treffen... Aber offenbar denken wir oft von uns selbst, dass wir uns strikter an die COVID-19-Regeln halten als andere Menschen. Das zeigt eine experimentelle Studie der Arbeitsgruppe Sozialpsychologie der Universität Hildesheim.

Professor Mojzisch und seine wissenschaftlichen Mitarbeiter Christian Elster and Markus Germar befragten in einer Stichprobe 1.102 Personen aus vier verschiedenen Ländern (Großbritannien, USA, Schweden, Deutschland), die alle sehr unterschiedlich auf die Pandemie reagierten. In einer Online-Studie wurden die Teilnehmenden befragt, wie streng sie sich an neun verschiedene COVID-19-Regeln halten (von „überhaupt nicht streng“ bis „sehr streng“). Zu den Regeln zählten beispielsweise, sich regelmäßig und gründlich die Hände für mindestens 20-30 Sekunden zu waschen, einen Mindestabstand von ein bis zwei Metern zu anderen Personen einzuhalten, sich so oft wie möglich zu Hause aufzuhalten, das Berühren von Nase, Mund und Augen zu vermeiden, oder social distancing zu praktizieren und hierzu überfüllten Bereichen aus dem Weg zu gehen.

Die eine Hälfte der Studienteilnehmer_innen sollte außerdem das Verhalten ihrer engen Freunde in Bezug auf die COVID-19-Regeln einschätzen, während die andere Hälfte das Verhalten der durchschnittlicher Bürger_innen einschätzen sollte. Die eine Hälfte sollte zuerst ihr eigenes Verhalten und erst danach das Verhalten der anderen einschätzen, während bei der anderen Hälfte die Reihenfolge anders herum war.

Besser als die anderen
Heraus kam: die Mehrheit der Befragten schätzte sich selbst in ihrem Verhalten während der COVID-19-Pandemie als „besser als der Durchschnitt“ („better-than-average“) ein. Dabei waren sie nicht nur der Meinung, dass sie die COVID-19-Regeln stärker befolgten als andere Bürger_innen ihres Landes, sondern auch, dass sie die Regeln sogar stärker befolgten als ihre Freund_innen. Es spielte dabei auch keine Rolle, ob die Studienteilnehmer_innen zuerst ihr eigenes Verhalten und erst danach das Verhalten der anderen Menschen einschätzen sollten oder umgekehrt. Die Ergebnisse waren außerdem in allen vier Ländern nahezu identisch. Dies spricht dafür, dass es sich um einen sehr stabilen Befund handelt, der nicht von sogenannten Kontextfaktoren abhängig ist, erläutert Professor Mojzisch. 

Leiden wir alle an Selbstüberschätzung?
Laut Mojzisch knüpft die Studie an den klassischen „better than average“-Effekt an. "Die meisten Menschen (natürlich nicht alle) halten sich in vielen Bereichen des täglichen Lebens für besser als der Durchschnitt – obwohl dies rein mathematisch unmöglich ist. Wir haben untersucht, ob sich dieses Phänomen auch auf das Verhalten in der gegenwärtigen Pandemie übertragen lässt", erklärt er im Interview auf der Webseite der Uni Hildesheim, und er führt weiter aus: "Wir Menschen sind Herdentiere. Das bedeutet, dass unser Verhalten stark davon beeinflusst wird, wie wir das Verhalten anderer Menschen wahrnehmen. Wenn ich nun aber dem „better than average“-Effekt unterliege und der Meinung bin, dass sich die anderen Menschen weniger strikt an die COVID-19-Regeln halten als ich selbst, dann kann das die gefährliche Konsequenz haben, dass langfristig meine Motivation sinkt, mich ebenfalls an die Regeln zu halten."

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung